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Pinky Gloves

Ein Kommentar von Jenni Zylka

Mensplaining nennt man es bekanntlich, wenn Männer allen anderen - vor allem aber Frauen - die Welt erklären. Viel Spott für eine ganz besondere Variante des Mensplaining haben zwei Männer nach der letzten Folge der Innovations-Show „Die Höhle der Löwen“ eingefahren.

Jenni Zylka © imago images/Sven Simon
Jenni Zylka | © imago images/Sven Simon

Die beiden ehemaligen Bundeswehrsoldaten haben „Pinky Gloves“ vorgestellt, rosa Handschuhe mit Klebestreifen, mit denen Frauen ihre Menstruationshygieneartikel, vor allem Tampons, nach Gebrauch anfassen und danach auslaufsicher entsorgen können. Ach du jeh!

Die naheliegendste Vermutung wäre, dass es sich bei dem Quatsch um eine Kommunikationsguerilla-Aktion vom PengKollektiv oder Böhmermann handelt, um das Privatfernsehen mal ordentlich vorzuführen. Man kann aber auch erstmal hingehen, und so tun als wäre das alles ernst gemeint...

Dazu ein Kommentar von der Berliner Kulturjournalistin Jenni Zylka.

Jenni Zylka © imago images/Sven Simon
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Jenni Zylka sagt: Ja, ich puste bei diesem Shitstorm gern in Windstärke 12 mit, allerdings in eine andere Richtung: Neue Gadgets, die mehr Müll machen, wenn es auch ohne geht, sind selbstredend absoluter Mist. Über die Gründe dafür brauchen wir nicht zu streiten – wenn schon jemand etwas angeblich Innovatives erfindet, dann doch bitte nicht ein Produkt, das mit viel Energie aus Latex oder Poly hergestellt wird, um danach unkompostierbar auf dem Verpackungsmüllberg herumzuliegen. Abgesehen davon, dass das ja anscheinend auch nur ganz normale Einmalhandschuhe wie die aus der Drogerie sind: Das einzig Besondere ist die rosa Farbe und der Klebestreifen – und da sind 12 Euro für 48 Stück schweinös teuer, bei weißen Einmalhandschuhen, mit denen man bei Bedarf genauso gut seinen Tampon rausziehen und den Müllberg vergrößern könnte, kosten 200 Stück ungefähr 5 Euro.

Aber jetzt mal zu der spannenderen Frage, zu den vielen empörten Frauen nämlich, die das Ganze aus feministischen Gründen unmöglich finden, weil sie ihre Menstruation und das alles da unten tabuisiert und stigmatisiert sehen: Wenn ich diese beiden trüben Menstruationstassen richtig verstehe, dann haben die die Dinger nicht entwickelt, weil sie damit sagen wollen, dass der monatliche Fluch ekelig ist und versteckt gehört und dass man sich da unten nicht anfassen darf, sondern das ist für Situationen bestimmt, in denen es keinen Mülleimer gibt, und man den gebrauchten Tampon oder die Binde darum ein bisschen mit sich herumtragen müsste. Was ja in der Idee richtig ist: auch als Super-Emanze, die ich bin, und auch mit einem extrem positiven und stigmafreien Verhältnis zu dem da unten lege auch ich blutige Tampons ungern in meine Handtasche neben die Kaugummis. Und ich gehe jetzt sogar noch mehr ins Detail: Altes Blut riecht tatsächlich in meiner Nase nicht richtig geil, also auch wenn ich wie gesagt alle meine Öffnungen liebe und preise, und kein Problem habe, in der Öffentlichkeit den ganzen Tag meinen Zyklus zu enttabuisieren, habe ich auch schon die Situation erlebt, irgendwo zu Besuch zu sein, und ich spreche von männlichen Singleaushalten, wo kein Badmülleimer vorhanden ist, so dass einem nur bleibt, das Ding in irgendwas einzuwickeln und es dem Gastgeber zu überreichen.

In solchen Fällen könnte man also einen Handschuh benutzen, aber wie gesagt: Dann haben wir wieder das Problem "Müll", und eigentlich finde ich das mit dem Abschiedsgeschenk für den Gastgeber besser, denn wer so doof und ignorant ist, keinen Badmülleimer anzubieten, der wird natürlich auch nie mein Freund. Und wir bleiben noch etwas beim ernteverderbenden, unreinen Blut - Katja back me up, du bist ja mit der Anatomie vertraut: Was ich nicht verstehe ist, wenn diese Idee mit den Handschuhen die Hand schützen soll beim Tamponrausziehen und man alles danach wegwirft – muss man dann einen neuen anziehen, um den frischen Tampon einzuführen? Denn sonst hat man doch spätestens dann eh wieder blutige Finger. Das Problem basiert also scheinbar weniger auf dem Tabuisieren und Verdammen der Periode, sondern auf dem Nichtwissen der beiden Frauenversteher, so haben die sich selbst bezeichnet, über den weiblichen Körper, und das ist ja wohl rein geschäftlich eine sehr schlechte Voraussetzung für einen Hygieneprodukthersteller, etwa so wie ein abstinenter Winzer, und trotz Beethoven hat sich das mit dem tauben Komponisten ja auch nicht wirklich durchgesetzt. Dass die beiden Typen aufgrund der Reaktionen jetzt übrigens ein Entschuldigungs-Statement veröffentlicht haben, hat natürlich auch nichts gerettet, da rollt jetzt die Empörung.

Erstaunlicherweise hatte allerdings einer dieser Löwen-Juroren und potentiellen Sponsoren sich für die Idee ausgesprochen, der sieht jetzt wahrscheinlich in diesem Augenblick zu wie sein Investment im Klo runterspült wird, und ich hab noch mehr so schöne Bilder: Vermutlich sitzen die drei Männer gerade irgendwo herum und kippen sich aus Frust einen hinter die Binde, aber wenn sie ein bisschen was gelernt haben, trinken sie dabei nicht aus Schnapsgläschen - sondern aus Menstruationstassen.