Mittelwelle

Ukraine: 1278 statt 549 kHz

Die am 24. Februar wieder aufgenommene Ausstrahlung von Ukrainske Radio auf 549 kHz ist am Vormittag des 6. März verschwunden. Offensichtlich als Ersatz ist nun ein Sender bei Odessa, der zuvor ab 2015 nur für drei Jahre in Betrieb war, auf 1278 kHz aktiv.

Lagekarte vom 08.03.2022
© Super Sten, CC-BY-SA

Die Ausstrahlung auf 549 kHz kam aus der Sendestation Lutsch, in Sichtweite der von Cherson nordwestwärts führenden Straße. Soweit bekannt, war zum Zeitpunkt der Abschaltung dort russisches Militär auf dem Vormarsch.

Offensichtlicher Ersatz ist die am 8. März reaktivierte Frequenz 1278 kHz. Sie war, nachdem sie bereits längere Zeit stillstand, auf der Mittelwellenstation Odessa erst 2015 mit einem neuen, 100 kW starken Transistorsender (Transradio TRAM) wieder in Betrieb gegangen.

Damit wurde seinerzeit die Verbreitung eines 2014 über den Sender Lutsch gestarteten Auslandsprogramms in russischer Sprache verstärkt. Der chronische Geldmangel führte jedoch schon Anfang 2018 wieder zum Ende dieser Sendungen.

Nur wenige Stunden am 25. Februar noch einmal in Betrieb war die Frequenz 837 kHz. Wahrscheinlichster Grund ist hier allerdings ein Defekt auf der Sendestation, von der bis 2011 auch die letzten Kurzwellenfrequenzen von Radio Ukraine International kamen.

Gelungen ist am 26. bzw. 27. Februar hingegen die Reaktivierung der maximal 25 kW starken Sender auf 657 und 1404 kHz. Auf der erstgenannten Frequenz liefen wiederum bis 2011 rumänische Sendungen von Radio Ukraine International, die hier wohl eher ein inländisches Publikum in der Bukowina erreichten.

Von vornherein nichts mehr zu reaktivieren gab es dabei in Kiew. Die umfangreichen Sendeanlagen für Langwelle (207 kHz, Abschaltung 2010), Mittelwelle und Kurzwelle (Abschaltung hier bereits 2002) wurden zwischen 2005 und 2013 abgerissen.

Auch für den Raum Lemberg bleibt offen, inwieweit dort noch Ausstrahlungen auf Mittelwelle möglich sind. Aus der dortigen Sendestation Krasne kam vor Jahren die lebhafte Erwähnung eines Einsatzes der Metallsäge im Sendersaal.

Wieder laufend gemeldet wird die Ausstrahlung des ukrainischen Militärrundfunks Armija FM auf 810 kHz. Der Sender hat jedoch nur eine geringe Leistung (nach Literaturangaben 10 kW) und ist auch nur von untergeordneter Bedeutung; die Frequenzliste von Armija FM verzeichnet von vornherein nur die UKW-Kette.

Eine einzelne Meldung sprach dabei davon, auf dieser Frequenz das russische Westi FM gehört zu haben. Wahrscheinlichste Herkunft eines solchen Signals wäre die Mittelwellenstation Wolgograd, die bis Anfang 2015 auf 567 kHz und bis 2012 auch auf 810 kHz aktiv war.

Solche Tests des seit sieben Jahren eingemotteten russischen AM-Netzes wären noch keine Sensation, sie wurden gelegentlich auch in den vergangenen Jahren beobachtet. Für eine tatsächliche Reaktivierung dieser Sendeanlagen gibt es bis jetzt keine Anzeichen.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 08.03.2022