Keine Fusion von Hörfunk und Fernsehen - Rundfunkreform in Neuseeland abgesagt

Save RNZ Concert
© Krissy Jackson

Strukturreformen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk haben nicht nur in Deutschland einen schweren Stand. In Neuseeland ist das Vorhaben, aus dem öffentlich finanzierten Hörfunk und dem rein kommerziell arbeitenden Fernsehen eine neue Institution zu bilden, nach jahrelangen Vorarbeiten abgesagt worden.

Die Regierung beerdigte den Plan zusammen mit mehreren weiteren Projekten und begründete das damit, sich auf die Bewältigung des drastischen Anstiegs der Lebenshaltungskosten konzentrieren zu wollen. Man müsse das Thema „mit geringerem Aufwand und ohne so tiefgreifende Strukturänderungen“ angehen.

Premierminister Hipkins behauptet, keine Angaben darüber zu haben, wieviel Geld mit dem von ihm abgebrochenen, zuletzt auch schon von seiner Vorgängerin in Frage gestellten Reformvorhaben verbrannt wurde. Ein Medienbericht spricht von fast 15 Millionen Neuseeländischen Dollar und verweist auf die im Oktober anstehenden Wahlen.

Diesen Zusammenhang formuliert auch ein Gastbeitrag bei Radio New Zealand. Der Autor sieht politisches Scheitern der Labour-Partei, da eine Finanzierung auf dem Niveau des öffentlich-rechtlichen Rundfunks der in der Größe vergleichbaren Länder Dänemark, Schweden oder Finnland damit kaum noch erreichbar sein dürfte.

Rückblick: 2020

Es handelte sich auch noch um einen zweiten Anlauf, da ein erstes, 2017 aufgestelltes Reformkonzept wieder verworfen wurde. Die Neufassung besorgte seit 2019 eine technokratische Hinterzimmerrunde von Politikern, Medienmanagern und Ministerialbeamten.

Das ganze Ausmaß der Intransparenz verdeutlichten die Umstände, unter denen die Regierung die Ausarbeitung vorstellte: Der zuständige Minister behauptete, dafür keinen Termin nennen zu können – 20 Minuten später verschickte seine Verwaltung die Einladung zur Online-Pressekonferenz.

In die Vorbereitungsphase hinein platzte Radio New Zealand mit dem Plan, sein Kulturprogramm auf einen nur noch von vier Personen betreuten, digital und über Mittelwelle verbreiteten Musikkanal zu reduzieren. Auf UKW sollte stattdessen ein neu zu schaffendes Programm für „ein jüngeres, diverseres Publikum“ kommen.

Zu den Reaktionen gehörte neben massivem Protest von Künstlern (Abbildung) auch Verärgerung der Premierministerin Ardern, da die Hinzunahme eines dritten UKW-Programms medienpolitische Unterstützung gefunden hätte. Danach nannte RNZ alles ein Missverständnis und kam nicht mehr auf das Thema zurück.

Nicht gerechnet hat RNZ auch mit zweckgebundenen Mitteln von 4,4 Millionen Neuseeländischen Dollar, die es 2022 zugeteilt bekam, und zwar für die Beschaffung eines zusätzlichen Kurzwellensenders.

Dabei geht es um das heute als RNZ Pacific präsentierte, 1948 gestartete und zunächst aus der Sendestation Wellington abgestrahlte Auslandsprogramm.

Die dortige Kurzwellentechnik hatte zwar mit nur 7,5 kW eine sehr bescheidene Leistung. Trotzdem konnte sie unter günstigen Bedingungen selbst Europa erreichen, da die Lage fast am Antipodenpunkt, also „gegenüber“, die sehr große Entfernung zum Teil kompensiert.

Sender RangitaikiDie beiden Paare Vorhangantennen

Eine dramatische Verbesserung brachte 1990 eine Kurzwellenanlage im Inneren der neuseeländischen Nordinsel, im Bereich der Streusiedlung Rangitaiki. Sie erhielt zwei Paare Vorhangantennen und einen 100 kW starken Sender französischer Bauart.

Das Zauberwörtchen „Digitalisierung“ ermöglichte 2006 den Kauf eines neuen, hier zu sehenden Senders. Dahinter steckte die Idee, Überspielungen zu Partnerstationen im Pazifikraum in digitaler Form abzuwickeln.

Es steht dahin, in welchem Umfang diese Partner überhaupt davon Gebrauch machen. Selbst in der Illustrierung eines einschlägigen Textes fällt sofort die dort vorhandene Satellitentechnik ins Auge.

Radio New ZealandEingang des Funkhauses in Wellington, Zustand 2007
Lampertheim, Sender Thomson-CSFSender der 1990 in Rangitaiki in Betrieb genommenen Bauart, hier auf der Kurzwellenstation von RFE/RL bei Lampertheim

Aus Kostengründen war RNZ 2016 dazu übergegangen, während der Überspielungen die analoge Kurzwellenausstrahlung zu unterbrechen. Nach der überraschenden Mittelzuteilung wurde das revidiert, um die Investition nicht gleich als überflüssig erscheinen zu lassen.

Zu den betreffenden Zeiten ist also wieder der Sender von 1990 eingeschaltet. Neuerdings gibt es für vier Stunden am Tag sogar (es handelt sich nicht um eine Karteileiche) einen analogen Parallelbetrieb auf zwei Frequenzen. Derzeit sieht das, bezogen auf MEZ, so aus:

06.59-13.58 Uhr: 13755 kHz
09.59-13.58 Uhr: 11725 kHz
13.59-17.50 Uhr: 7390 kHz
17.51-18.58 Uhr: 9700 kHz
18.59-21.58 Uhr: 11725 kHz
21.59-06.58 Uhr: 15720 kHz

Mit erneuten Änderungen ist spätestens zum 26. März zu rechnen. Der jeweils aktuelle Stand findet sich auf dieser Seite.

 

Beitrag von Kai Ludwig; Stand vom 18.02.2023