Neuseeland - Radio New Zealand wieder mit zwei Kurzwellensendern

Radio New Zealand
Eingang des Funkhauses in Wellington, Zustand 2007 | © luvjnx, CC

Seit 2016 hatte Radio New Zealand auf Kurzwelle nur noch einen Sender eingesetzt. Diese Einschränkung wurde nun zum 1. September 2022 zurückgenommen.

Damit sieht das Sendeschema für den Rest der laufenden Sommersaison bis zum 29. Oktober (zu diesem im Kurzwellenrundfunk weltweit üblichen Termin ist auch bei Radio New Zealand mit Frequenzänderungen zu rechnen) wieder ganz einfach aus:

07.59-09.58 Uhr: 9700 kHz
09.59-14.58 Uhr: 7245 kHz
14.59-18.50 Uhr: 5980 kHz
18.51-19.55 Uhr: 7425 kHz
19.56-21.55 Uhr: 9700 kHz
21.56-22.58 Uhr: 11725 kHz
22.59-07.58 Uhr: 15720 kHz

Bis August kam es hier, bezogen auf Ortszeit, am Morgen der Werktage zu einer Unterbrechung für vier Stunden, da dann digitale Überspielungen laufen. Diese werden nun wieder parallel zum AM-Betrieb abgewickelt.

Es bleibt dahingestellt, in welchem Umfang diese Überspielungen tatsächlich genutzt werden. Selbst die ursprüngliche Bebilderung eines Textes zum Thema zeigt prominent die bei den Partnern vorhandene Satellitentechnik.

Der 1948 gestartete Kurzwellendienst von Radio New Zealand kam bis 1990 aus Wellington. Schon die dortigen Sender mit nur 7,5 kW waren mitunter bis nach Europa zu hören, da die Lage nahe des Antipodenpunktes, also „gegenüber“, die sehr große Entfernung zum Teil kompensiert.

Eine dramatische Verbesserung brachte schließlich die Inbetriebnahme der heutigen Sendestation im Inneren der neuseeländischen Nordinsel. Sie erhielt einen 100 kW starken Sender jener französischen Bauart, die zeitgleich auch von Radio Free Europe / Radio Liberty in Hessen installiert wurde.

Das Zauberwörtchen „Digitalisierung“ ermöglichte 2005 die Beschaffung eines neuen Senders. Auf den ursprünglichen parallelen Einsatz des ursprünglichen Senders von 1990 wurde dann ab 2016 zunächst verzichtet.

Für die Wiederaufnahme der alten Praxis gibt es einen Grund: Auch der Altsender kann – und dafür sollte zweckmäßigerweise ein tatsächlicher Bedarf darstellbar sein – nun durch neue Technik ersetzt werden. Überraschend sind dafür 4,4 Millionen Neuseeländische Dollar eingeplant worden.

Vorerst keine weiteren Neuigkeiten gibt es zu einer grundlegenden Neuaufstellung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, welche die neuseeländische Regierung seit 2019 in technokratischer Weise betreibt: Der konkrete Plan stammt aus Hinterzimmerrunden von Politikern, Medienmanagern und Ministerialbeamten.

Die Intransparenz hielt der zuständige Minister bis zuletzt aufrecht. Noch 20 Minuten vor dem Versand einer Einladung zur Online-Pressekonferenz behauptete er, keinen Termin für die Verlautbarung der Entscheidungen nennen zu können.

Die nun im März offengelegten Pläne sehen eine Zusammenlegung von Radio New Zealand mit TV NZ vor. Das ist nicht ohne Brisanz, da nur die Hörfunkseite ein wirkliches öffentlich-rechtliches Profil hat.

TV NZ finanziert sich hingegen ausschließlich aus Werbung. Zaghafte, kurz nach der Jahrtausendwende unternommene Anläufe, das zu ändern, wurden abgebrochen und die bereitgestellten Mittel wieder gestrichen. Konsequenz war unter anderem die 2012 vollzogene Einstellung des Nachrichtenprogramms.

Auch das durch die Fusion entstehende Medienhaus soll wieder zwei Drittel seines Budgets mit Werbung erwirtschaften. Kritik daran äußern sowohl Verfechter eines öffentlich-rechtlichen Profils als auch die kommerziellen Programmveranstalter.

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 02.09.2022