Nach 57 Jahren

Umzug des Rundfunkstudios Bautzen

Im September 2020 endete der Sendebetrieb an einem weiteren langjährigen Studiostandort: Der Mitteldeutsche Rundfunk hat das „Haus der Sorben“ in Bautzen verlassen und neue Räume im alten Postamt gleich gegenüber bezogen.

Bautzen: Haus der Sorben / Serbski dom
„Haus der Sorben“ in Bautzen (2005); die Studios befinden sich in der Mansarde | © Kai Ludwig

Ein Videobeitrag vermittelt Einblicke in den bisherigen Rundfunkstandort in diesem Haus, dem Sitz der Domowina (Bund Lausitzer Sorben). Die Domowina will die Studioräume erhalten und künftig für eigene Medienprojekte nutzen.

Das „Haus der Sorben“ war schon seit 1956 an das Rundfunkleitungsnetz angeschlossen. Wegen des fehlenden Platzes wurde dort zunächst jedoch nur ein Redakteursbüro eingerichtet und bei Bedarf für Aufnahmen ein Übertragungswagen aus Görlitz nach Bautzen geschickt.

In Görlitz gab es ein noch vom Landessender Dresden gegründetes, 1952 in Betrieb genommenes Studio. Nach ersten Sendungen aus Dresden und Berlin kam von dort ab 1953 ein Programm in obersorbischer Sprache, ausgestrahlt über den Mittelwellensender Reichenbach.

Der Standort außerhalb des sorbischen Siedlungsgebiets erwies sich für diesen Zweck jedoch als ungeeignet. Zudem sollte ab 1955 auch die niedersorbische Sprache berücksichtigt werden. Deshalb zog die sorbische Redaktion 1957 ins Studio Cottbus um.

Das Jahr 1963 brachte der sorbischen Redaktion zwei technische Erweiterungen: Eine UKW-Ausstrahlung aus Calau sowie den erstmaligen Einbau fester Studiotechnik im „Haus der Sorben“, das damit zum „Stützpunkt“ des Studios Cottbus avancierte.

1965 wurde ein Regiepult aus Frankfurt (Oder) nach Bautzen umgesetzt. Ein sorbisches Festival gab 1968 die Gelegenheit für eine weitere Hochrüstung. Damit waren nun regelmäßige Überspielungen und auch gelegentliche Liveeinstiege in das aus Cottbus gefahrene Programm möglich.

Bautzen: Haus der Sorben / Serbski dom
Eingang mit Schild des MDR | © Kai Ludwig

Mit dem weitgehenden Umzug der Regionalsendungen auf die UKW-Kette von Radio DDR 2 erhielt 1966 auch das sorbische Programm ein neues Schema, das bis 1989 Bestand hatte: Werktags von 9.30 bis 10.00 Uhr als Sendung des Cottbuser Regionalprogramms über Calau 98,6 MHz, sonntags von 12.00 bis 14.00 Uhr (ab 1985 11.00-13.30 Uhr) über den Mittelwellensender Hoyerswerda.

Dieser Sender entstand 1958/1959 als Außenstelle des Senders Wilsdruff. Aus unerfindlichen Gründen (Versuche, den Standort eines 20 kW starken Mittelwellensenders mit größerer Antenne geheimzuhalten, erscheinen abwegig) geisterte er zunächst unter „Schwarze Pumpe“ durch die Frequenzlisten.

1987 erhielt die Sendestation in Zeißig bei Hoyerswerda eine zusätzliche UKW-Anlage für die Frequenz 100,4 MHz. Sie hatte im örtlichen Volksmund sehr schnell ihren Spitznamen weg: „Sorbensender“.

Damit waren die technischen Voraussetzungen für den großen Durchbruch geschaffen: Ab dem 4. Oktober 1989 brachte das Studio Bautzen auf 100,4 MHz, nun unabhängig vom weiter aus Calau abgestrahlten Cottbuser Programm, an Arbeitstagen eine mehrstündige Morgensendung.

In der Wendezeit wurde daraus „Sorbischer Rundfunk – Sender Lausitz“ mit den UKW-Frequenzen Calau 95,1 MHz und Hoyerswerda 100,4 MHz sowie den Mittelwellen Hoyerswerda 999 kHz, Reichenbach 1188 kHz, Spremberg 1485 kHz, Cottbus und Weißwasser 1584 kHz sowie Bautzen 1602 kHz. Es harrt noch der Dokumentation, wie diese Programmfolge im Detail aussah.

MDR 1 Radio Sachsen – Serbski Rozhłós – Studio Bautzen
Das Türschild 2005 noch mit dem alten Namen der MDR-Landeswelle | © Kai Ludwig

Mit dem Ende der „Einrichtung nach Artikel 36 des Einigungsvertrags“ entfiel die Übertragung der sorbischen Sendungen auf Mittelwelle endgültig. Die vier Kleinsender wurden stillgelegt, der Sender Hoyerswerda übertrug bis zum Ende des Jahres 1995 noch das Programm von RIAS bzw. dann Deutschlandradio Berlin, der Sender Reichenbach bis 2013 MDR Info.

Auf UKW blieb das Programmkonzept seit 1992 wieder weitgehend konstant: Obersorbische Sendungen aus Bautzen, niedersorbische Sendungen aus Cottbus.

Konstant blieb dabei auch die Nutzung des UKW-Senders in Hoyerswerda mit MDR Sachsen als Rahmenprogramm. Das ursprüngliche Provisorium mit einer am Mittelwellenmast angebrachten Antenne ist inzwischen durch einen völligen Neuaufbau ersetzt worden.

Sender Hoyerswerda
Schon 2002 nur noch eine Wiese: Der frühere Standort des Mittelwellenmastes in Hoyerswerda-Zeißig; rechts der neue UKW-Mast | © Kai Ludwig

Beim Sender Calau, nun auf der Frequenz 93,4 MHz, änderte sich das außerhalb der sorbischen Sendungen übertragene Programm hingegen mehrfach. Neben den Eigenprogrammen Radio B Zwei (1997 eingestellt), Radio 3 (2003 eingestellt) und heute Inforadio war auf Weisung der Medienanstalt Berlin-Brandenburg zeitweise auch R.S. 2 aufzuschalten.

Radio 3
Von 2001 bis 2002: Radio 3 als „Untermieter“ bei radioeins in der inzwischen nicht mehr existierenden, einst vom DEFA-Kostümfundus genutzten Baracke | © Kai Ludwig

 

Autor: Kai Ludwig; Stand vom 25.10.2020