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Indian Ocean von Frazey Ford

Indian Ocean von Frazey Ford
Indian Ocean von Frazey Ford

Als die Kanadierin Frazey Ford vor fünf Jahren ihr Solodebüt Obadiah veröffentlichte, schien es wie eine natürliche Weiterentwicklung des Folktrios The Be Good Tanyas. Zwar waren auch hier schon neben Banjoeinsatz und einem Bob Dylan-Song Gospeleinflüsse auszumachen, aber der Gesamteindruck blieb dem dunklen Slow-Mo-Folk verhaftet.

Wie nah der Schritt nun zum Deep Soul ist, zeigt ihr neues Album, wobei dies nicht nur als musikalische Kategorie mit Hammondorgel, Bläsersätzen und Chorgesängen zutrifft, sondern auch als tiefempfundenes Bekenntniswerk. Wo, wenn nicht in Memphis, wäre das besser aufgehoben.

Und tatsächlich kommt hier der Herzschlag der wegweisenden Musik von Al Green und Willie Mitchell in Gestalt ihrer einstigen Band The Hi Rhythm Section und den Hodges Brüdern Charles, Leroy und dem jüngst verstorbenen Teenie zum tragen, keiner konnte sich in den Memphis Royal Studios der Geschichte entziehen.

Allerdings schreiben wir das Jahr 2015, der liebe Gott muss draußen bleiben, und Frazey Ford begibt sich auf eine Reise der säkularen Selbstermächtigung, You’re the jugde and the jury, singt sie in Runnin‘, empört sich in Done über Kampfhund bewaffnete Trennungsstreits und empfindet religiöse Gefühle allenfalls beim Betrachten des Sonnenuntergangs und beim Aretha Franklin hören.

Folkstimmen sagt man oft nicht zu Unrecht nach, Menschen ohne Unterleib zu sein. Auch Frazey Ford ist keine Bettye LaVette. Hier liegt der Zauber gerade in der Mischung aus tief verwurzelter Band und junger, suchender Stimme, was zu Recht an Cat Power und ihr Soulalbum The Greatest erinnert.

Gut, wenn diese Liaison gelebt wird und mit jedem Hören wächst.

Christine Heise im TIP-Magazin