Album der Woche

The Other Side of Make-Believe von Interpol

"The Other Side of Make-Believe" ist "erst" das 7. Studioalbum von Interpol, wenn man bedenkt, dass die Band in diesem Jahr ihr Bandjubiläum feiert.

The Other Side Of Make-Believe von Interpol
The Other Side Of Make-Believe von Interpol | © Matador

Die Band um Gitarrist Daniel Kessler und Leadsänger Paul Banks, die sich zu College-Zeiten bei einem gemeinsamen Aufenthalt in Paris kennenlernten, reihen sich neben The Strokes oder The National in die Alternative New Yorker Musik Szene ein – und dem Genre des Post-Punk-Revivals, bei dem es vordergründig heißt: back to basics. Gitarre, Stimme, Schlagzeug – mehr braucht’s nicht. Ein minimalistischer Gedanke, den Interpol auch heute noch versucht, auszureizen, erklärt Paul Banks im Interview: "We have cultivated a minimalism as writers, and I think that there is space on this record, not just because of how it’s produced, but because in recent years I think that we are trying to do more with less."



Passend dazu wirkt der zurückgenommenere Gesang. Weniger schrabbelig und im Staccato der Musik verschwimmend, wirkt Banks’ Stimme melodischer und stimmhafter, was er selbst darauf zurückführt, dass Interpol diesmal nicht für alle Songs als Band gemeinsam im Proberaum war. Aufgrund der Pandemie hat Banks einen großen Teil der Zeit in Schottland verbracht, Kessler dagegen in Spanien und Forgarino im US-Bundesstaat Georgia. Ohne all die Nebengeräusche hätte er sich daher besser auf das "Melodische" einlassen können, so Banks. Doch nicht nur die Stimme von Banks hat ihren Anteil daran. Zum ersten Mal hat Interpol mit den britischen Produzenten Alan Moulder und "Flood" (Mark Ellis), der schon Alben für Nick Cave, New Order oder PJ Harvey produzierte, zusammengearbeitet.

Trotz mancher Änderungen bleibt auch das neue Interpol-Album der gewohnte Klang einer vertrauten Band. Wenig experimentell, aber verlässlich beruhigend wirkt die Musik auf diejenigen ein, die ihr zuhören. "The Other Side of Make-Believe" ist genau der richtige Grad an Melancholie und Abwechslung, im dritten Sommer der Pandemie.

Laurina Schräder