Ein vielseitiges Filmzentrum

Wolf Kino

in Berlin-Neukölln

Wolf möchte das Kino zu einer Traummaschine werden lassen, die unvergessliche Erinnerungen und Erlebnisse erzeugt – sowohl echte als auch imaginäre.

WOLF Kino
WOLF Kino | © Uli Kohl

Wolf ist vielseitig. Es ist ein Filmzentrum mit vielen Facetten. Es ist ein Ort, der den Entwicklungsprozess eines Films erklären möchte. Wolf ist ein Gemeinschaftsprojekt. Es ist ein Treffpunkt für die Nachbarschaft. Wolf ist ein Wohlfühlort.

Die Geschichte des Wolf Kinos fing im Dezember 2011 an. Als Verena von Stackelberg, Ideengeberin und Geschäftsführerin des Wolf Kinos, die Räumlichkeiten in der Weserstraße in Berlin zum ersten Mal betritt. Eine Menge ist bis zum Tag der offiziellen Eröffnung am 25. Februar 2017 passiert. In den Jahren dazwischen wuchs die Idee. Die Jahre waren gefüllt mit improvisierten Kinoabenden auf Bierkästen und mit einer einfachen Leinwand, zahlreichen Gesprächen mit Nachbarn bei Pizza und Bier. Sie waren voller anhaltender Unterstützung und Engagement vieler Menschen. Dies zeigte sich auch in der erfolgreichen Crowdfunding Kampagne 2015. Im gleichen Jahr begannen die Umbauarbeiten in dem entkernten Bordell, das zuvor auch ein Buchbinder, ein Waschsalon, eine Bäckerei und ein Tabakladen gewesen ist. Löcher in der Decke, unebene Holzböden und Wände, die eher als Fenster durchgingen – all das hatte einen gewissen Charme, aber es waren nicht die besten Grundzutaten für ein voll funktionsfähiges Kino. Es folgte ein kompletter Umbau der Innenräume. Unter anderem der riesige Ofen, den die Bäckerei genutzt hatte, stellte die vielen Helferinnen und Helfer der Bauarbeiten vor Herausforderungen. Nachdem er und die alten Holzdielen entfernt waren, entdeckte das Team im Zementboden Fußabdrücke eines ehemaligen Bewohners. Einer der Bauarbeiter schätze das Alter der Spuren auf circa 100 Jahre. Die strahlend roten Kinosessel kamen vom Adria Filmtheater, einem Kino im Westen Berlins. Die zwei maßgeschneiderten Kinosäle wurden in enger Zusammenarbeit mit Filmmachern geplant und gebaut, um sicherzustellen, dass die Bild- und Tonqualität sowie die Akustik der harten Arbeit gerecht werden, die hinter der Produktion eines Films steckt.

Wolf war nicht mehr nur eine Idee. Es war Realität geworden und vor allem ziemlich bekannt. „Als wir schließlich öffneten, waren wir in der Nachbarschaft sowie bei Filmliebhabern und Filmschaffenden längst bekannt“, sagt von Stackelberg.

Knut Elstermann im Gespräch mit der Geschäftsführerin Verena von Stackelberg.

Wolf Kino Umbau
© Marjorie Brunet Plaza
Wolf Kino Umbau 2
© Marjorie Brunet Plaza

Wolf bietet ein alternatives Kinoerlebnis, bei dem soziale Aspekte eine wichtige Rolle spielen. Dehalb befindet sich unter dem Dach des Kinos auch die Wolf Café-Bar, die bereits morgens auf macht und bis spät in den Abend hinein offenbleibt. Der Ort ermöglicht viele inspirierende, ausschweifende, nüchterne, angetrunkene, alberne, ernste und unvergessliche Begegnungen.

Um Verständnis für die verschiedenen Bereiche des Films zu wecken, hat Verena von Stackelberg auch ein Studio in den Räumlichkeiten untergebracht. Das Studio ist ein vielseitig einsetzbarer und veränderbarer Raum für Filmvorführungen, Ausstellungen und Veranstaltungen. Das Programm im Studio befasst sich mit allen Aspekten des bewegten Bildes, seien diese nun analog oder digital, virtuell oder hyperreal. Wolf bietet regelmäßig Workshops und Diskussionen an und erschafft damit einen Raum, wo Filmvermittlung, -bildung, -theorie und -praxis aufeinandertreffen und verbunden werden, wo sich Filmneugierige und Filmexperten treffen und austauschen. „Wir haben eigentlich immer auch Filmemacher vor Ort“, sagt von Stackelberg. Mit diesem Angebot möchte die Geschäftsführerin Menschen motivieren, alle Bereiche des Films hinter und vor der Leinwand zu entdecken.

Auch ein Verleih und eine Postproduktion finden sich unter demselben Dach wie das Wolf Kino. Den Verleih musste von Stackelberg aufgrund der Covid-19-Pandemie pausieren.

Verena von Stackelbergs Motto bei der Gestaltung des Kinoprogramms ist „ein lebendiges Programm, ähnlich wie bei einem Filmfestival zu gestalten“. Die Filme werden immer im Original und mit Untertiteln gezeigt. Bei deutschen Filmen werden englische Untertitel eingespielt. Gezeigt werden vor allem Filme, die keinem Rezept folgen. Filme, die künstlerischen Mut beweisen. Filme von Menschen, die etwas zu sagen haben.

Für solche Menschen und für solche Filme hat Verena von Stackelberg das Wolf Kino entworfen. Die Idee entwickelte sie in der Zeit als sie in London lebte und für eine unabhängige Kinogruppe gearbeitete. Sie studierte Film und Fotografie und wollte ursprünglich Regisseuren werden, bemerkte jedoch, dass es nicht genug Orte für die künstlerischen Filme gibt und dass sie mehr bewirken könnte, wenn sie ihre Leidenschaft für den Film in die Entwicklung eines solchen Ortes stecken würde. In Berlin kamen dann wirtschaftliche Berechnungen, Machbarkeitsstudien und ähnliches auf sie zu. „Viele haben mir damals den Vogel gezeigt“, erzählt sie. Aber, dass ihr Idee funktioniert, zeigt das Wolf Kino nun täglich.