ein architektonisches Meisterwerk von 1911 bis heute

Filmtheater Weltspiegel

in Cottbus

Der am 4. Oktober 1911 eröffnete Weltspiegel ist eines der wenigen noch im Betrieb befindlichen Filmtheater seiner Zeit und besticht vor allem durch seine einzigartige Architektur. Damals noch mit 780 Plätzen zählte das unter Denkmalschutz stehende Gebäude für lange Zeit als eines der schönsten und größten Lichtspielhäuser der gesamten Region. Heute gilt das Filmtheater Weltspiegel in Cottbus als einer der ältesten Kinozweckbauten in Brandenburg und hat eine beeindruckende Geschichte zu erzählen.

Weltspiegel Cottbus
Außenansicht Weltspiegel, historische Fassade und Neubau | © Zooey Braun

Das konvex gestaltete Portal mit seinen Schmuckelementen aus Widderköpfen, Putten und hervorstehenden Fassadenverzierungen, vermittelt die herausragende Bedeutung des Gebäudes. Der große Saal mit seiner freitragenden, vollständig blattvergoldeten Kassettendecke und dem schwungvollen Rang zeugen von der aufkommenden, luxuriösen Ausstattung zu Beginn des letzten Jahrhunderts.

Vor dem Umbau blickten Kinogäste direkt auf die Leinwand, wenn sie den Saal durch den mittleren Eingang betraten. Sie konnten dann auf dem geschwungenen Rang, der wahrscheinlich nach dem zweiten Weltkrieg eingebaut wurde, Platz nehmen. Als der Saal umgebaut wurde, bot er weiterhin Platz für 519 Gäste. Das Foyer war durch eine eher schmucklose Gestaltung und Thekeneinrichtung geprägt. Betritt man heute das Foyer im Altbau fallen einem der Teppich mit 3D-Verzerrung auf, eine Spezialanfertigung, und die Fotolampen, die anstelle von klassischen Kronleuchtern eingebaut wurden. Außerdem ist ein Deckenprojektor integriert, der zum Beispiel einen Wolkenfilm auf die Decke in der Eingangshalle projizieren kann.

Der letzte Betreiber, die UFA AG, die das Gebäude nach der Wende erworben hatte, stellte den Spielbetrieb im Mai 1998 ein. Zwischen 1998 und 2002 wurde der Weltspiegel lediglich für das jährlich im November stattfindende Cottbuser Filmfestival genutzt.

Preisgekrönter Umbau

2004 kaufte Ralf Zarnoch das Gebäude und ermöglichte bis 2008 einen Spielbetreib. Um den Weltspiegel als Einzeldenkmal und Kulturstätte zu erhalten war eine zukunftsweisende Sanierung zwingend notwendig. Daraus resultierte der Entschluss den Altbau mit einem Neubau zu erweitern, der eine multifunktionale Nutzung ermöglicht. Die Umbaumaßnahmen verliehen dem Weltspiegel sein heutiges Aussehen. Zwischen 2009 und 2011 wurde geplant, neugestaltet und gebaut. Zarnoch engagierte den Architekten Alexander Fehre, der in seiner Diplomarbeit eine Umgestaltung eines Kinos visualisiert hatte.

Per Hand wurde im großen Saal zunächst weiße und auch grüne Farbe von der Decke abgekratzt. Schließlich kam die originale bronzefarbene Decke zu Tage. Ralf Zarnoch erinnert sich noch gut, wie die Originaldecke freigelegt wurde. „Das war Handarbeit. Ich dachte, dass würde nie rechtzeitig fertig.“ Der Saal habe ganz anders ausgesehen als alle Stühle entfernt wurden und der Radlader mitten im Raum stand. An den Säulen wurden während der Restaurierung Schattierungen von Zeichnungen im Jugendstil entdeckt, die ebenfalls sehr vorsichtig freigelegt wurden und schließlich nachgezeichnet wurden und somit heute wieder im Saal bewundert werden können. Ende des Jahres 2011 konnten im Altbau sowie im Neubau Filme präsentiert werden. Damit erstrahlte der Weltspiegel zu seinem 100-jährigen Kinogeburtstag und die Kulturlandschaft weit über die Grenzen der Region hinaus bereichern. Wie behutsam bei dem Umbau vorgegangen wurde, ist nicht nur mit diversen Denkmalpreisen geehrt. Zarnoch berichtet, dass sogar ein Hochglanz Magazin aus Seoul (Südkorea) darüber berichtet hat.

Der große Saal ist 3D Digitalprojektion und Satellitentechnik ausgestattet, seit der Ausbauphase können Kinofilme, nationale und internationale Konzerte oder Events in Echtzeit im Weltspiegel wiedergegeben werden. Die multifunktionale Gestaltung der Saalebene mit einem fahrbaren Podest zu einer waagerechten Echtholzparkettfläche bietet universelle Raumnutzungsvarianten für Galaabende, Kleinkunstaufführungen, Kongresse, Tanzabende – ein modernes Mehrgenerationenhaus ist entstanden.

Mit dem Neubau gibt es weitere zwei Kinosäle mit je 83 Plätzen und als absolutes Highlight eine Dachterrasse mit Blick in die Sterne. Die neue Filmbar im Erdgeschoss ist Treffpunkt für Kinogänger und lädt ein zum Verweilen und sich auf Filme freuen.

Kino von Herzen

Die heutige Geschäftsführerin Kerstin Adam ist seit 2013 im Kinogeschäft beim Weltspiegel tätig und 2019 übernahm sie das Kino. Mit einem kleinen Team stellt sie jeden Tag den Kinobetrieb sicher. „Wir sind ein Familienkino. Nur sind wir keine Familie, sondern durch unsere Zusammenarbeit zu einer Familie geworden“, sagt Adam. Nicht nur zu ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern hat Adam einen guten Kontakt, auch zu ihrem Publikum.

Viele ihrer Kinobesucher kennt Kerstin Adam persönlich. Das Kinoprogramm wirft sie manchen älteren Herrschaften in Cottbus persönlich in den Briefkasten. Von anderen Besuchern weiß sie schon welchen Wein und welche Knabberei sie bestellen. „Das Soziale liegt mir sehr am Herzen. Ich bin gern unterwegs und treffe Menschen. Früher war meine Wohnung immer der Treffpunkt.“ Jetzt genießt sie jeden Tag Menschen in ihrem Kino begrüßen zu dürfen und bietet den Besuchern ein Programm, welches Blockbuster und besondere Filme mischt. „Es ist so schön mitanzusehen, wie die Bescher und Besucherinnen gemeinsam lachen oder auch gemeinsam eine Träne verdrücken“, sagt Kerstin Adam.