Wenn die Logen reden könnten

Scala Kulturpalast

in Werder an der Havel

Der rote Schriftzug Scala flackert über den Arkaden des Kulturpalasts in Werder. Treten die Gäste durch die Flügeltür des Kinos, erstehen sie an einer ehemaligen Berliner Kneipentheke die Kinokarten und Popcorn, bevor sie es sich in einer der Logen gemütlich machen.

Scala Kulturpalast
Scala Kulturpalast | © radioeins

„Wenn die Logen reden könnten“, seufzt Gösta Oelstrom, der Geschäftsführer des Scala Kulturpalasts. Sechs Logen, mit der originalen Wandbespannung von 1940, gibt es im hinteren Bereich des Saals. Vier davon werden heute noch an Besucher vergeben. „Viele Gäste erzählen mir Geschichten zu diesen Logen. Sie sagen, dass jeder sich irgendwann Mal eine solche Loge gegönnt hat. Darin sei dann geknutscht worden“, erzählt Oelstrom.

Das Kino mit nur einem Saal, noch heute rund 200 Plätzen und ohne Stufen wurde bis zum Jahr 2000 unter dem Namen „Fontane Lichtspiele“ betrieben. Der Scala Kulturpalast wurde in den 1940er Jahren auf Stelzen in einen kleinen Hügel gebaut. „Hinter der Leinwand gibt es einen kleinen Raum mit einer Klappe, dort kann man in den Keller steigen und unter der Bühne durchlaufen“, beschreibt der Geschäftsführer.

2015 hat er das unter Denkmalschutz stehende Kino übernommen. Viele Einwohner Werders habe das sehr gefreut, da das Haus für sie ein Ort der Erinnerung ist. „Gleichzeitig haben viele auch gesagt, ich sei irre heutzutage hier ein Kino betreiben zu wollen“, sagt er. Doch das Crossover-Programm im Scala Kulturpalast reicht von Arthouse über Programmkino zu Kinder- und Schulprogramm und Dokumentationen und zieht stets Gäste ins Haus. So kommen bis zu verschiedene 15 Filme pro Woche ins Programm, die sich die Gäste in Kinosesseln aus einem DDR-Kino oder Sitzen aus einem modernen Braunschweiger Cinekomplex ansehen können. „Ich plane auch Filme im Programm ein, von denen ich glaube, dass man sie gesehen haben muss“, sagt Oelstrom. Die Besucher und Besucherinnen würden es immer besser annehmen, da sie wissen, dass sie ihm bei seiner Auswahl vertrauen können. Einige Potsdamer würden den Scala Kulturpalast bereits als „neues Geheimkino“ bezeichnen.

Kino ist für Oelstrom eine Quelle der Unterhaltung. Daher bietet er neben einem vielfältigen Kinoprogramm auch Comedy-Abende, Lesungen und Konzerte an. Auf der Bühne des Kinos standen schon ganze Orchester, lokale Bands und viele mehr. Der große Traum von Oelstrom ist, dass Künstler im Kulturpalast ihre neusten Lieder und Musikvideos aufnehmen können. Das Kino soll zu einem Fernsehstudio werden. Was dazu benötigt wird, weiß Oelstrom ganz genau, da er viele Jahre als Fernsehproduzent gearbeitet hat. Seine Beta Cam Kassetten mit Aufnahmen von Bon Jovi und co stehen in der ersten Etage des Kinos. Dort lagern auch alte Kassetten mit Kinotrailern und große Filmrollen, die sogar von den noch vorhandenen Projektoren abgespielt werden können. Auch wenn das Kino vor drei Jahren auf die digitale Abspieltechnik umgestellt wurde, könne man mit etwas Aufwand den vorherigen Projektor und die alte Tontechnik wieder in Gang bringen.

In Zukunft möchte Oelstrom im Kulturpalast noch viel mehr bieten. Beispielsweise werde er immer wieder nach einem Partykeller gefragt. Dafür würde sich der ehemalige Luftschutzbunker und der Kohlekeller unter dem Kino sehr gut anbieten. Dass sich der Scala Kulturpalast in Werder etabliert hat, zeigen ausverkaufte Lesungen, gut besuchte Filmvorstellungen, Bandanfragen für Auftritte, Ideen für weitere Umbaumaßnahmen, neue Filmreihen zeigen.