Der Pionier der Originalfassungen in Berlin

Odeon

in Schöneberg

Ein Saal, 359 Plätze – Die Geschichte des Kino Odeon reicht über 70 Jahre zurück. Der Programmschwerpunkt liegt vor allem auf Filmen in Originalfassung und Independent-Filme.

Kino Odeon Fassade
Kino Odeon | © Yorck Kinogruppe Daniel Horn

Das an der Schöneberger Hauptstraße gelegene Kino Odeon besitzt eine bis in das Jahr 1950 reichende Geschichte. In diesem Jahr wurde das Kino als Sylvia-Filmbühne eröffnet und hatte lange Zeit die Funktion eines Bezirkskinos, das Filmpremieren teilweise erst nach langer Zeit der Auswertung in den Premierenkinos am Kurfürstendamm nachspielte. Im Jahr 1982, also in einer Zeit des allgemeinen Kinosterbens in den Bezirken, übernahm die Yorck Kino GmbH die Sylvia Filmbühne. Um dem Kino ein klares Profil zu geben und somit sein Überleben zu sichern, wurde das Kino im Jahr 1985 zu einem Premierenkino für englischsprachige Filme in der Originalfassung mit Untertiteln umgewandelt und in „Odeon Movie Theatre“ umbenannt.

Das Odeon, der Pionier der Originalfassungen in Berlin, hat den eingeschlagenen Pfad nie wieder verlassen und hat aufgrund seines Erfolges maßgeblich zur Ausweitung des Angebots an Originalfassungen auch in anderen Kinos in Berlin beigetragen. Es ist aufgrund seiner langen Tradition und seiner ansprechenden Architektur zu einem Kultkino bei weitem nicht nur bei der englischsprachigen Bevölkerung geworden. Das Odeon verfügt über 359 Plätze in einem einzigen Saal.

Auffällig ist der grünbeleuchtete Neonschriftzug „Odeon“ sowie die amerikanischen Movie-Theatern nachempfundene Ankündigungstafel mit dem aktuellen Programm in großen roten Lettern. Das schlichte Foyer des Kinos lässt noch nicht im Geringsten erahnen, welch prachtvoller Kinosaal sich hinter dem Einlass verbirgt. Viele Gäste sind daher beim Eintritt in den Saal überrascht: Der große Saal mit einer großen Leinwand ist praktisch zwei Geschosse hoch und ausgestattet mit einer schönen Kassettendecke, so dass tatsächlich so etwas wie Kathedralenatmosphäre aufkommt. Im Foyer gibt sich das Kino ganz amerikanisch mit salzigem Popcorn, Brownies und der liebevoll gepflegten ‚Celebritywall‘, auf der prominente Geburtstagskinder der Filmbranche monatlich gehuldigt werden.

Auf dem Programm stehen englischsprachige Independent-Filme und ab und zu auch gehobener Mainstream. Aber auch diejenigen, die einen Almodóvar oder einen Chabrol lieber im Original sehen wollen, kommen hier voll auf ihre Kosten. Kein Wunder, dass die BERLINALE GOES KIEZ schon drei Mal zu Gast war.