Crossover-Culture-Center

Multikulturelles Centrum Templin

Seit mehr als 100 Jahren ist das Gebäude vom Multikulturellen Centrum in Templin ein Ort für Kino und Kultur, der bisher alle Umbrüche überstanden hat. Eine Vielzahl von Angeboten für alle Altersgruppen, von Kindern bis Senioren, sind im MKC Templin, wie es auch kurz genannt wird, zu finden.

Multikulturelles Zentrum Templin
© Tom Schweers

Ein Kino direkt am See, das hat Seltenheitswert.

Das Haus liegt direkt am Templiner Stadtsee und wurde ursprünglich als Hotel und Restaurant „Seebad“ erbaut. 1855 wurde das „Restaurant Seebad“ das erste Mal erwähnt. Zu dieser Zeit betrieb der damalige Inhaber Ludwig Friedrich Schumacher einen Bootsverleih, eine Badeanstalt und eine Kegelbahn. In der Stadtchronik heißt es: „Während sich die Damenwelt am Sonntagnachmittag ganz dem Genuss einer Tasse schönen Kaffees oder Kakaos mit Schlagsahne und Kuchen- und Tortenstückchen hingab, suchten die Herren der Schöpfung ihrerseits Freude und Erholung auf der im Garten zum Ratsteich hin gelegenen Kegelbahn.“ Weiter heißt es in der Chronik: „Heute steht an der Stelle des einstigen Kaffeehauses, das unter seinen vielfach wechselnden Besitzern im Laufe der Jahrzehnte zu einer guten und beliebten Gaststätte ausgebaut worden ist und manchen harten Schicksalsschlag durch Brand, Konkurs usw. hat ertragen müssen, das ehemalige ,Kurhotel Seebad‘.“ Aufgrund von fehlenden Bauunterlagen ist es nicht mehr eindeutig zu bestimmen, wann das Haus zu einem Hotel- Restaurant mit dem großen Kursaal ausgebaut wurde, dass muss ca. 1910 gewesen sein.

Fest steht: Am 18.12.1913 wurden die Union-Lichtspiele im Haus eröffnet. Als Eröffnungsfilm wurden „Theodor Körner" und die Dokumentation „Die Eröffnung des Völkerschlachtsdenkmals in Leipzig“ gezeigt. Von da an wurden wöchentlich zwei Kinovorstellungen mit einer mobilen Anlage abgespielt.

Während des zweiten Weltkrieges diente das Haus als Lager für französische Kriegsgefangene. Beim einzigen Luftangriff auf Templin am 6. März 1944 wurde der linke Gebäudeteil zerstört. Die dort internierten Kriegsgefangenen kamen dabei alle ums Leben. Gleich nach dem Krieg erfolgten Reparatur- und Umbauarbeiten und 1945 konnte das Haus als privates Kino „Seebad Lichtspiele“ wieder öffnen.

MKC Seebad
historische Ansicht des MKC | © MKC Archiv


In den 60er Jahren wurde aus dem Traditionshaus das VE Filmtheater Templin und gleichzeitig die Kreisfilmstelle. Zeitweilig arbeiteten mehr als 30 Angestellte in dem Haus und organisierten von hier den Landfilm sowie die zahlreichen Freilicht- und Zeltkinos in der DDR-Urlaubsregion. Von 1965 bis 1969 war Irmgard Mattes die erste Theaterleiterin des Lichtspielhauses.  Nach einem Umbau der Garderobe zu einem Verkaufsraum mit Stehcafé konnte 1987 noch vor der Wende das erste Popcorn verkauft werden.

1990 ging das Gebäude mit der Enteignung an die Treuhandgesellschaft über. Die Stadt Templin und kulturinteressierte Bürger initiierten 1991 unter dem Titel „Rettet unser Kino als kulturelles Zentrum dieser Stadt“ ein Bürgerbegehren. Dadurch wurde erreicht, dass das Kino der Stadt Templin übereignet wurde. In den darauffolgenden Jahren erfolgten Umbau- und Sanierungsarbeiten. Am 20. November 1993 konnte dann die Wiedereröffnung des Hauses als Multikulturelles Centrum Templin gefeiert werden. 1999 wurde der Verein Multikulturelles Centrum Templin e.V. gegründet, der noch heute das Lichtspielhaus betreibt. Neben dem Kinoprogramm wurde in dem Haus ein lebendiges Kulturzentrum etabliert.

Kinosaal Multikulturelles Centrum
Kinosaal im Multikulturellen Centrum Templin | © Tom Schweers

MKC heute

Auch heute ist das Multikulturelle Centrum Templin mehr als nur ein Kino. Es ist ein lebendiger Ort des Filmschaffens und ein vielseitiges Kulturzentrum mit Live-Veranstaltungen und Galerie.

Alle Themen und Genre werden an diesem Ort harmonisch mit einander verbunden. Dadurch entstand ein offenes, vielseitiges Crossover-Culture-Center, das Vielfalt für alle schafft!

25.000 bis 30.000 Besucher nehmen jährlich die Angebote des Kinos und Kulturzentrums wahr. Theater, Kabarett, Lesungen, Ausstellungen und Konzerte stehen ganzjährig auf dem Programm. Seit 2004 organisiert das vereinsgetragene Kulturzentrum außerdem das Theater- und Musikfestival „Wasserspiele Templin“. 2017 wurde das Haus aufwendig saniert, unter anderem wurde die 100 Jahre alte Bühne komplett erneuert sowie eine neue Deckengestaltung eingebaut, der alte Kursaal erstrahlt im neuen Glanz und ist einer der schönsten Festsäle der Uckermark.  Auch im Filmbereich besticht das Haus durch seine stetige Profilierung als Programmkino der Uckermark. Und es hat das Format des Landfilm völlig neu erfunden. Das Kino stellt sowohl Blockbuster ebenso in den Fokus wie Filme, die den Alltag und das Leben vor der eigenen Haustür zeigen.  Seit 2016 ist das MKC mit dem Mobilen Kino Uckermark im Sommer in der ganzen Region unterwegs und bietet Kino unter dem Brandenburger Sternenhimmel.