Kiezkino mit eigenen Paten

KLICK Kino

in Charlottenburg

Nach mehrjähriger Pause eröffnete am 2. Juli 2020 eines der ältesten Berliner Programmkinos wieder seine Türen. Mit einem einzigartigen Programm, individuellen Kinoveranstaltungen und besonderen Ideen knüpfte der künstlerische Leiter des Klick Kinos Christos Acrivulis dort an, wo er 2018 aufhören musste und etabliert innerhalb kürzester Zeit ein Kiezkino in Charlottenburg.

KLICK Kino
KLICK Kino in Charlottenburg | © Klick Kino

Das Filmprogramm und die zusätzlichen Angebote des Kinos hat Acrivulis speziell auf die Charlottenburger und Charlottenburgerinnen abgestimmt. Es sei kein klassisches Programm, welches den Kinotrends folge. Neben ausgewählten aktuellen Filmen werden im Klick Kino Filme meist in Verbindung mit einem Event gezeigt.

Zu diesen Events gehört auch die monatliche Filmpatenschaft einer Kinopersönlichkeit. Den Anfang machte der Schauspieler Lars Eidinger. Das Klick zeigt den Angaben zufolge einige seiner Lieblingsfilme wie "Le Mépris" (Die Verachtung) von Jean-Luc Godard und Filme, in denen Eidinger selbst zu sehen ist wie "Alle anderen" von Maren Ade. Zusätzlich zum Filmprogramm gibt es Podiumsgespräche und passende Ausstellungen im Foyer. Filmpaten waren bereits Eva Mattes, Max Riemelt und Katja Riemann. Für November 2020 war bereits Katharina Thalbach als Patin angekündigt. Pro Monat gibt es bis zu 15 Filmgespräche mit Schauspielern und Regisseuren. Dazu gehört auch der, bei Zuschauern sehr beliebte, Buchmittwoch. Nach einer Lesung wird stets ein dazu passender Film gezeigt. Im vergangenen Jahr war unter anderem Katja Riemann zu Gast beim Klick-Buchmittwoch.

„Eine beliebte Reihe ist auch „Happy Birthday“. Jeden Monat feiern wir den runden Geburtstag einer Persönlichkeit aus der Filmbranche, die wir vermissen“, erklärt der künstlerische Leiter. Beispielsweise wäre Montgomery Clift am 17. Oktober 2020 100 Jahre alt geworden. Zu diesem Anlass organisierte Acrivulis ein Geburtstagsprogramm mit Sektempfang, einem Film des Geburtstagskindes und Gästen, die eine Verbindung zu Clift haben. Am 11. Juli 2020 wäre Ronald M. Schernikau 60 Jahre alt geworden. Zur Feier des Tages zeigte das Klick Kino Filme aus der DDR und einen Dokumentarfilm von arte. Das Kino sei restlos ausverkauft gewesen. „Kurz vor dem Beginn der Geburtstagsfeier stand plötzlich eine alte Dame vor mir und sich als Mutter von Schernikau vorstellte. Ich war gerührt, dass sie extra Magdeburg ins Klick gekommen ist. Für sie habe ich natürlich noch einen Sitzplatz gefunden“, berichtet Acrivulis. Gerade solche Begegnungen sind für ihn von besonderer Bedeutung. Das Kino sei ein Ort, an dem Menschen in Kontakt kommen. Von solchen Geschichten kann er viele erzählen.

Auch die Terrasse des Kinos ist innerhalb von kurzer Zeit zu einem Treffpunkt geworden. Im Sommer seien die Sitzplätze oft bis spät in die Nacht ausgebucht gewesen.

Auch für die Zukunft wünscht sich der künstlerische Leiter, dass das Klick Kino zu einem Ort der Begegnung und zu einer Kulturstätte wird, in der die Verbindung zwischen Literatur und Film im Vordergrund stehe und künstlerische Events mit Schauspielern stattfinden können. Neben Kooperationen in der Filmbranche arbeitet das Klick Kino auch eng mit der Nachbarschaft zusammen. Um die Abstandsregeln im Kino umzusetzen, wurden Stofftiere aus einem benachbarten Geschäft auf den Stühlen verteilt. „So sah es viel voller und bunter aus, wenn man in den Saal getreten ist. Die Menschen haben es geliebt“, sagt Christos Acrivulis. Trotz der Herausforderungen, die ihm die Covid-19-Pandemie stellt, ist er voller Energie, Ideen und Hoffnung.

Christos Acrivulis Klick Kino
Christos Acrivulis vom Klick Kino | © Kulturspedition

Traditionskino in der Nachbarschaft

Das Kino in der Windscheidstraße ist über 100 Jahre alt. In dem klassischen Ladenkino wurden, unter wechselndem Namen, seit 1911 Filme gezeigt. Anfang der 1970er Jahre übernahm Michael Weinert das Kino. Seine Familie betrieb das Filmtheater schon vorher unter dem Namen 'Windscheid-Lichtspiele'. 1971 gab er dann dem Kino den noch heute bestehenden Namen 'Klick'. Michael Weinert führte ein Programm aus Klassikern und neuen künstlerisch anspruchsvollen Filmen ein.

Eine Tradition die bis zur Schließung im September 2004 fortgeführt wurde. Das Kino und die dazugehörige Kneipe wurden lange nicht vermietet, dennoch blieb der Kinosaal mit seiner Bestuhlung erhalten. Im Jahr 2012 zog ein Concept Store in die Räumlichkeiten und bot handgefertigte Produkte an. Der alte Kinosaal wurde so zu einem Teil des Ladens und konnte nur zeitweise von externen Veranstaltern angemietet werden. So bot zum Beispiel der Filmemacher Patrick Banush im Jahr 2015 eine Reihe namens Mädchenkino an.

Anfang 2017 konnten Christos Acrivulis und Claudia Rische den alten Kinosaal dauerhaft mieten und eröffnete am 30. April 2017 das Kino unter dem alten Namen wieder. Sie übernahmen die Kinosessel und das Ambiente von 1999. Als der Concept Store insolvent ging, musste auch das Kino erneut schließen. „Wir haben das Kino nie aus den Augen gelassen“, sagt Acrivulis. Die Nachbarschaft habe ihn oft angesprochen, ob er das Klick Kino nicht wieder aufmachen könne. Am 2. Juli 2020 knüpften die Macher Christos Acrivulis, Martina Klier, Alessandro Borrelli und Sascha Grunow dort an, wo sie zuletzt aufgehört hatten: Mit einem ausgeprägten Programm von Independent Filmen und Gästen haben sie das Kino wiedereröffnet. „Wir hatten sehr viel Unterstützung von der Nachbarschaft und haben uns als Kiezkino fest etabliert“, so Acrivulis.