Kunstfilmtempel

filmkunst66

in Charlottenburg

Das Lichtspielhaus der Vielfalt: Die Geschichte vom Trüffelsucher, der Klassiker für die Ewigkeit entdeckte, und dem Kinoleiter, der die großen Werke der Filmgeschichte wieder auf die Leinwand bringt

filmkunst66
filmkunst 66 | © radioeins

1951 baute Willi Schreiber an der Ecke Bleibtreu- Ecke Niebuhrstraße in einem Flachbau ein Lichtspielhaus. Unter dem Namen „Bleibtreu -Lichtspiele“ wurde das Kino jedoch nur wenige Jahre betrieben, bevor der Besitzer und somit der Name wechselte.

20 Jahre nach der Gründung des Kinos übernahm Franz Stadler das Kino und betrieb es auch weiter, als das Kino unter dem Namen filmkunst 66 am heutigen Standort eröffnete. Im Neubau in der Bleibtreustraße liefen dann ab 1995 die Filme für das Publikum. Mit einer zweijährigen Unterbrechung betrieb Stadler das Kino, bis er es 2010 an die Berliner Produzentinnen Regina und ihre Tochter Tanja Ziegler verkaufte.

Foyer filmkunst66
filmkunst66 Foyer | © Julia Terjung

Die Produktionen von Regina Ziegler und das filmkunst 66 sind eng miteinander verwoben. 1973 lief dort ihr erster Film „Ich dacht, ich wäre tot“ – über viele Wochen mit großem Erfolg. Im November 2012 beauftragte Ziegler eine Neugestaltung des Kinos und eine Vergrößerung des Foyers. Obwohl an der Größe und an der niedrigen Decke des Kinos nichts verändert werden konnte, erstrahlte das Kino nach dem Umbau in einem neuen Glanz. Seitdem wird der rote Vorhang vor der Leinwand im großen Saal von unten beleuchtet und bildet einen starken Kontrast zu der schlichten grauen Wandbespannung. Der Vorführraum des kleinen Saals wurde verlegt, sodass das Foyer größer werden und als Treffpunkt zwischen den Filmvorführungen dienen konnte.

Seit Oktober 2020 leitet Klaus Stawecki das filmkunst 66. Es sei ein Glücksgefühl als erster das Kino zu betreten, sich im Vorfeld Gedanken über die kommenden Filme und die Interessen des Stammpublikums zu machen und dann die Gäste begrüßen zu können. Zuvor hat er selbst das Kino schon häufig als Besucher betreten. Der 55-Jährige ist bereits seit 1983 in der Kinobranche tätig und lebt als Kinoleiter nun seinen Traum.

großer Saal filmkunst66
großer Saal im filmkunst66 | © Julia Terjung

Das Filmprogramm ist geprägt durch Arthouse- und Dokumentarfilme. Täglich starten zeitversetzt in beiden Sälen je drei Vorstellungen mit unterschiedlichen Titeln. Stawecki bietet ein vielfältiges Programm, bei dem die Zuschauer und Zuschauerinnen ständig einen anderen Film besuchen können. Damit setzt der Kinoleiter die Tradition fort, die Franz Stadler, ein Pionier des Programmkinos, begann. „Er war wie ein Trüffelsucher. Franz Stadler hat Filme entdeckt, die später zu Klassikern wurden. Er hat die Filme ins Kino gebracht, als sie das noch nicht waren, ihnen aber bereits angesehen, dass sie das Zeug zur Ewigkeit haben“, so Stawecki.

Vormittags gibt es bereits seit Stadlers Zeiten Sondervorstellungen für die Presse oder für Verleihfirmen, die sich die Synchronfassung zum ersten Mal unter Kinobedingungen anhören möchten. In der Zukunft möchte Stawecki auch Filmreihen anbieten, in denen große Werke der Filmgeschichte zurück auf die Leinwand finden. Alle 14 Tage sollen dann Filme von Chaplin, Hitchcock, Truffaut oder Bunuel und vielen mehr gezeigt werden. „Ich möchte besonders jüngeren Generationen die Filmgeschichte näherbringen“, sagt Klaus Stawecki.

Im Oktober 2021 feiert das filmkunst 66 sein 50-jähriges Jubiläum.