Kinofamilie aus Leidenschaft - Capitol – Das KULTurKINO

in Königs Wusterhausen

Capitol Kino
Capitol Kino | © Capitol

Das Capitol in Königs Wusterhausen wird seit Jahren von der Kinofamilie Jurk geführt. „Wir sind ein Traditionskino“, sagt Wolfgang Jurk. Seit 2005 bietet das Kulturkino eine Mischung aus Kino, Kabarett und Konzerte unter einem Dach.

Das Kino in der Königs Wusterhausener Bahnhofstraße wurde im Jahr 1930 gebaut und 70 Jahre als Filmtheater betrieben. Nach der Wende wechselte das Kino mehrfach den Betreiber, es wich im Jahr 2000 einer Näherei und einem Bücherladen. Bereits 2004 schlossen auch diese Gewerbe wieder und bei einem Spaziergang entdeckten Wolfgang Jurk und seine Frau Anne durch Zufall den provisorisch verdeckten Kino-Schriftzug über dem Eingang. Gemeinsam ließen sie ihren Gedanken und ihrer Fantasie freien Lauf. Sie entwickelten ein Konzept, wie das Kino erneut öffnen könnte. Ihre Idee setzte vor allem auf ein Programm, das mehr als nur Kinofilme zu bieten hat. Das Haus sollte auch eine Bühne für Kultur bieten - Kleinkunst, Kabarett und unplugged Konzerte. Zur Umsetzung des Plans fehlte es vor allem an finanziellen Mitteln. Das Paar berichtete einem Journalisten der Märkischen Allgemeinen Zeitung von dem Konzept. Dies habe schließlich den Stein ins Rollen gebracht, berichtet Jurk. Am 17. Februar 2005 eröffnete das Capitol in Königs Wusterhausen wieder seine Türen für die Gäste.

Capitol

Der Charm des alten Hauses ist in der Zeit der Schließung nicht verloren gegangen. Die einmaligen Räumlichkeiten, ein Kinosaal mit einem Rang, waren erhalten geblieben. Darüber hinaus war das Haus kahl. Vor der Eröffnung mussten sie den Saal, aber auch die Technik erneuern. „Mit Familie und Freunden haben wir das Kino renoviert“, sagt Jurk. Die heutige Einrichtung ist der Kinoeinrichtung vor der Schließung nachempfunden. „Damit möchten wir den Charakter des alten Hauses hervorheben und den Gästen gefällt es. Für viele ist es ein Ort der Erinnerung, denn das Kino erinnert sich an ihre Kindheit“, sagt Wolfgang Jurk. Die Filmgeschichte spiegelt sich auch im Foyer wider. Dort sind Filmutensilien wie Standbildprojektoren und Filmkameras ausgestellt, die den Besuchern schon beim Eintritt ins Haus eine Zeit- und Filmreise ermöglichen. Das Capitol verfügt über 75 Sitzplätze im Parkett mit ausreichend Beinfreiheit. Auf dem gemütlichen Rang finden Sie weitere 40 Sitzplätze.

An dem Konzept von 2005 hält die Kinofamilie auch heute noch fest. Pro Jahr werden zirka 100 Filme gezeigt, immer zwei pro Woche zu wechselnden Spielzeiten. Dazu kommen regelmäßig Lesungen, Kleinkunst, Konzerte und Kabarett. Das Capitol bietet der Kultur eine Bühne. Seit 2013 ist auch Sohn Andreas Teil des Familienbetriebes und auch Tochter Franziska hilft schon bei einigen Veranstaltungen mit aus. Seitdem öffnet das Capitol sieben Tage in der Woche seine Türen.

Seit 1984 ist Wolfgang Jurk, gelernter Filmwiedergabetechniker, im Capitol beschäftigt. Zunächst war er als Filmvorführer tätig und wurde später Theaterleiter. Als Kinobetreiber sei sein Arbeitstag häufig länger als zehn Stunden, aber es mache ihm Freude. „Ohne die Liebe und der Freude daran, würde ich das nicht machen“, sagt Jurk. Bis zur Digitalisierung der Filmvorführungen hat sich Jurk am liebsten im Vorführraum des Kinos aufgehalten. Für ihn sei ein Kino direkt mit dem Rattern der Projektoren verbunden. Er liebe dieses Geräusch, sagt er. Inzwischen setzt er sich aber auch gern in die letzte Reihe des Saals. Nicht um den Film anzusehen, sondern um die Atmosphäre zu spüren und zu beobachten, wie die Gäste den Film aufnehmen.

Das Kinoprogramm wird ausschließlich von der Familie bestimmt. Das Repertoire umfasst vorrangig „Arthouse“-Filme. Aber auch der eine oder andere ausgesuchte Blockbuster landet auf der Leinwand, ebenso hin und wieder ein Kultfilm oder ein Filmklassiker. Nach dem Motto „keine Werbung, viel Film“ stattet der Hauptfilm immer sofort nach der Filmvorschau. Zu Filmgesprächen und Themenabenden konnten Regisseure oder Hauptdarsteller begrüßt werden.