Berlin liest ein Buch

"Herkunft" von Saša Stanišić

„Herkunft“ von Saša Stanišić
„Herkunft“ von Saša Stanišić | © Luchterhand

Wo kommen wir her? Was macht unsere Identität aus? Wie ist diese mit unserer Vergangenheit verknüpft? Saša Stanišić kam im Zuge der Jugoslawienkriege mit seinen Eltern nach Deutschland. Seine ehemalige Heimat, der sozialistische Vielvölkerstaat, zersplitterte in der Nachwendezeit in langen schmerzhaften Kriegsjahren.

„Herkunft“ erzählt von der Gegenwart und der Vergangenheit. Es ist eine Geschichte von Integration, Erinnerung und Vergessen. Für den Ich-Erzähler beginnt mit 14 Jahren in Heidelberg ein völlig neues Leben. Er erschließt sich die neue Welt mit der neuen Sprache, während seine Eltern nur weit unter ihrer Qualifikation eine Arbeit finden.

„Herkunft“ ist auch eine Betrachtung der deutschen Sprache aus den Augen eines Menschen, der sie neu lernen muss. Das Buch erzählt zudem davon, wie es sich anfühlt, als Migrant in Deutschland zu leben, hier prägende Erfahrungen wie die erste Liebe zu machen, nichtsdestotrotz weiterhin verbunden zu sein mit dem Ort der Herkunft. Denn nach Oskoruša, einem kleinen Ort in den Bergen östlich von Višegrad kehrt der Erzähler zweimal zurück: einmal mit seinen Eltern, einmal mit seiner Großmutter, für die das Erinnern eine ganz andere, existentielle Form annimmt, als sie an Demenz erkrankt.

„Herkunft“ von Saša Stanišić wurde 2019 mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnet.
2020 folgten weitere Preise für das Buch.