Zeit zuzuhören

Zeit zuzuhören © Tobias Schrank/Goethe Institut
Tobias Schrank/Goethe Institut

Literarische Videoreihe

Zeit zuzuhören

Mit Geschichten von Herta Müller, T.C. Boyle, Ken Follett, Sofi Oksanen u.a.

Die aktuelle Situation zwingt viele Menschen auf der ganzen Welt, zuhause zu bleiben und die Nachrichten zu verfolgen, die sich zu einem fortlaufenden Bericht einer Katastrophe summieren. In Boccaccios „Decamerone“ und vielen anderen Mythen und Büchern anderer Kulturen folgen aber auf die Beschreibung des Unglücks: Geschichten. In Kooperation mit dem Goethe-Institut nehmen wir mit dem digitalen Projekt „Zeit zuzuhören“ diese besondere Situation als Anlass, um gute Geschichten zu erzählen – und so der Krise etwas entgegenzusetzen. In der literarischen Video-Reihe erzählen Schriftsteller*innen wie Herta Müller, Sofi Oksanen, Maja Lunde, T.C. Boyle und viele andere eine eigens erfundene oder reale Geschichte.

Die Idee zu diesem Projekt stammt von radioeins-Literaturagent Thomas Böhm. Er hat Autorinnen und Autoren auf der ganzen Welt gebeten, ein Video zu drehen, in dem sie eine Geschichte erzählen. Eine gute Geschichte, selbst erlebt, gehört, erfunden, die Ablenkung bietet und neue Perspektiven eröffnet. Eine Geschichte, die möglicherweise so gut ist, dass sie weitererzählt, geteilt werden möchte und sich so auf ihre Art "viral" verbreitet.

So erzählt die Nobelpreisträgerin Herta Müller beispielsweise eine Geschichte aus ihrem Leben, in der ein Fuchsfell eine besondere Rolle spielt. Der Isländer Hallgrímur Helgason, bekannt durch seinen (auch verfilmten) Roman „101 Reykjavík“ bietet eine haarsträubende Story über einen Betrunkenen mit einer bitteren Pointe.

Die im gemeinsamen Projekt "Zeit zuzuhören" von Goethe-Institut, radioeins und Thomas Böhm angelegte Sammlung von Geschichten soll über die Corona-Krise hinaus gepflegt und erweitert werden - als Erinnerung und auch als Chance einer neuen weltweiten Vernetzung, aus der weitere internationale Projekte hervorgehen können – ist es doch längst "Zeit zuzuhören".
 
Gespräch mit Thomas Böhm über das Projekt "Zeit zuzuhören":

Ken Follett: The 99th wife
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Ken Follett: The 99th wife

Ein Märchen: Katharina wird von ihrem Vater, dem Zar, an den Sultan verheiratet. Sie ist seine 99. Ehefrau und direkt nach ihrer Hochzeit vergisst er sie. Aber es gibt ein grausames Gesetz: Niemand darf die Frauen sehen. Bei einer Disco, die der Sultan veranstalten will – obwohl, wie er weiß: Schallplatten und CDs noch nicht erfunden sind – werden den Musikern die Augen verbunden. Da verrutscht die Augenbinde des gutaussehenden Gitarristen (und im Hintergrund hört man die Uhr im Zimmer des vorlesenden Ken Follett schlagen) und die Geschichte nimmt ihren Lauf...

T.C. Boyle: The bear
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T.C. Boyle: The Bear

Ein Ausflug mit der Familie, ein Haus im Wald. Die marinierten Hühnchen bruzzeln auf dem Lagerfeuer – und locken unerwarteten Besuch an. T.C. Boyle erzählt eine Geschichte mit überraschender Wendung, die zeigt, dass es selbst in den schlimmsten Situationen noch eine Erlösung („redemption“) geben kann.

Steinunn Sigurðadottir: A gift from my father
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Steinunn Sigurðadottir: A gift from my father

Die Geschichte von Steinunn Sigurðadottir beginnt am Fuße von Europas größtem Gletscher Vatnajökull. Im Jahre 1910 wurde dort eine Magd schwanger – vom Hausherren, weshalb sie, wie es leider üblich war, den Hof verlassen musste. Sie ging nach Reykjavík, zu Fuß, was damals 7 Tage lang dauerte. So beginnt eine Reise durch die Jahrzehnte, an deren Ende Steinunns Lebensgeschichte anfängt. Und eine Geste der Großzügigkeit und Herzensgüte offenbart wird.

Pavlina Marvin: A coat with all its flowers
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Pavlina Marvin: A coat with all its flowers

Pavlina Marvin erzählt von Irini, einer Freundin, die ihr in Studienzeiten einen geblümten Mantel geschenkt hat, den sie bis heute trägt und auf dem noch alle Blumen vorhanden sind. Als sich die beiden jüngst in Athen treffen wollten, kam Irini nicht – sie kümmerte sich um einen Inder, der aufgrund der Pandemie seinen Job verloren hatte und so in große Not geriet.

Michal Hvorecký: Do you have my grandfather's books?
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Michal Hvorecký: Do you have my grandfather's books?

Der Schriftsteller und Übersetzer Michal Hvorecký arbeitet in einer Bibliothek in Bratislava, in die eines Tages ein Herr kam und sich als Enkel eines weltbekannten Schriftstellers ausgab. Diese Begegnung sollte Folgen haben.

Bae Suah: Like panthers on emty streets
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Bae Suah: Like panthers on emty streets

Bae Suah hat ein Schreibstipendium in Marokko. Doch ihr Aufenthalt nahm unerwartete Formen führte zu neuen Eindrücken – und zum Anblick von Katzen, die wie Panther durch leere Straßen streifen, mit Gesichtern, die wirken, als seien sie verkleidete Propheten. 
 

Gali Tabon: How I betrayed my mother when I was 15 years old © Goethe Institut
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Gali Mir-Tibon: How i betrayed my mother when i was 15

Gali Mir-Tibons Mutter ist als Waisenkind aus der Bukowina nach Israel gekommen. In der Bukowina hatte sie mit ihren Nähkünsten das Überleben ihrer Familie gesichert. Als Kind im Kibbuz schämte sich Gali Mir-Tibon für ihre Mutter – weil diese keine gebürtige Israelin war. Als 15jährige musste Gali Mir-Tibon dann in der Schule einen Nähkurs absolvieren. Weil sie aber „zwei linke Hände“ hatte, misslang ihr alles. Die Abschlussprüfung bestand im Nähen eines Toilettenpapierrollenhalters („Toilet paper roll handler“). Die Mutter nähte ihn für die Tochter. Die Lehrerin schaute den Halter nur kurz an. Er steht heute noch in der Wohnung der Mutter. Als Erinnerung – auch an die Mutterliebe.

Simon Stranger: Waiting in the big wide ocean
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Simon Stranger: Waiting in the big wide ocean

Als 19jähriger segelte Simon Stranger ein Jahr lang auf einem kleinen Schiff mit einem Freund und dessen Vater. Durch das Mittelmeer, die französische und spanische Küste entlang, an Gibraltar vorbei. Der Motor des Schiffes erlitt einen Schaden, konnte nicht mehr repariert werden. Weil sie aber zu einem bestimmten Zeitpunkt in der Karibik sein mussten, stachen sie wieder in See. Ohne Motor. Wollten segeln, „wie in den alten Zeiten“. Doch die Probleme wurden immer größer. Schließlich lagen sie ohne Wind mitten im Atlantik.

Jeanine Masika Harrysson: Poetry as honestly as I can © Goethe Institut
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Jeaninne Masika Harrysson: Poetry as honesty as i can

Gegen die Angst und das Gefühl der Einsamkeit, das sich in diesen Zeiten einschleicht … „nimm meine Geschichte“ („Take my story“). Vom Trost – bis zuletzt – handeln die Worte in diesem poetischen Text, der mit den Zeilen schließt: „..so entsteht Liebe“.

Hallgrímur Helgason: The steak is maybe to well done
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Hallgrímur Helgason: The steak is maybe too well done

Als er noch als bildender Künstler in New York lebte, bekam Hallgrímur Helgason eines Tages Besuch von einem isländischen Landsmann. Der betrank sich im Laufe des Abends immer exzessiver. Schließlich landeten sie in einem chinesischen Restaurant, wo der Mann vom Personal auf dem Weg zum Tisch gestützt werden musste. Beim Essen kam es dann zu einem vielsagenden Fauxpas.

Herta Müller: Füchse gehen in die Falle. Ich gehe nicht in die Falle © Goethe Institut
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Herta Müller: A fox will step into a trap - so i'm not going to step into any trap!

Als Kind in Rumänien sollte Herta Müller einen neuen Wintermantel bekommen. Sie wünschte sich einen Kragen und Manschetten aus Fuchsfell. Sie ging mit ihrer Mutter zum Jäger des Nachbardorfs. Beim Aussuchen des Fuchsfells fiel ihr die Ähnlichkeit zwischen Fuchs und Jäger auf: beide hatten die gleiche Haarfarbe und den gleichen Schnurrbart. Zuhause brachte sie es nicht über sich, das Fuchsfell für den Mantel zerteilen zu lassen, so behielt sie ihn. Als später der rumänische Geheimdienst Herta Müller nachstellte, hinterließen die Securitate-Leute Zeichen in ihrer Wohnung, auch an dem Fuchs, der seit jeher auch eine Erinnerung an den Jäger war.  

Igiago Scebo: A potential utopian in a short lived moment
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Igiaba Scego: A potential utopean in a short lived moment

Eindrücke aus einer Straße in Rom, die ganz anders ist als die anderen. Menschen, die nicht dem Materiellen nachlaufen. Die im Gedanken ihren Geschichten nachhängen. Und eine Farbe wahrnehmen, die immer wieder auftaucht...

Sofi Oksanen: A place where a better future was designed © Goethe Institut
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Sofi Oksanen: A place where a better future was designed

Sofi Oksanen erzählt von einem Ort, an dem zu Zeiten der Sowjetunion – unbeobachtet vom Staat – ein freier Gedankenaustausch gedeihen konnte. Ein Ort, an dem jahrzehntelang Träume und Hoffnungen bewahrt wurden und seit Generationen eine einzigartige Kunst gepflegt wird ...

Alma's way
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Itamar Vieira Junior: Alma's way

Wenig ist bekannt über Alma, die im 18. Jahrhundert eine Gemeinde gegründet hat, in der heute 900 Familien leben. Alma war eine ehemalige Sklavin. Sie ging 400 Kilometer zu Fuß aus der Hauptstadt. Welche Erfahrungen sie auf ihrem Weg machte, welche Gedanken sie beschäftigten, was sie antrieb, imaginiert Itamar Vieira Junior.

Anita Nair
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Anita Nair: Encounter with the smuggler

Seit ihrer Kindheit erzählt ihr Vater von seinen Reisen mit einem Zug – auf einer der kürzesten Bahnstrecken Indiens. Doch nie gelingt es der Erzählerin, selbst einmal mit diesem Zug zu fahren. Bis sie schließlich den Auftrag eines Reisejournals bekommt – und ein Trip voller Überraschungen beginnt, der mit der Begegnung mit einem Verbrecher aus Not endet. Soll die Erzählerin ihn anzeigen?

Jordi Puntí
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Jordi Puntí: The locked room

In seiner Studentenzeit mietete Jordi Puntí mit Freunden in Barcelona eine Wohnung. Der Vermieter behielt den Schlüssel zu einem fensterlosen Raum, den die Freunde nicht betreten durften. Die Freunde begannen zu spekulieren: Befand sich eine pornographische Sammlung darin? Fiel da nicht Licht unter der Tür hervor? War es ein Tor zur Hölle? Was war das Geheimnis des verschlossenen Raumes?

Giuseppe Caputo
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Giuseppe Caputo: The mirror and the shield

Der Erzähler erinnert sich an seine Kindheit, in der seine Mutter ihn betteln schickte und Schuldner abwimmeln ließ. Eine Erfahrung, die bis heute in seinen Träumen wiederkehrt. Mit welchen Gefühlen blickt er zurück?

Marius Ivaškevičius
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Marius Ivaškevičius: How I did not become a Khakass national playwright

Eines Tages bekam der Theaterautor Marius Ivaškevičius die Anfrage aus einer ihm unbekannten autonomen Republik in Südsibirien: Er sollte der National-Theaterschriftsteller Chakassiens werden. Er lehnte ab – doch er hatte nicht mit der Hartnäckigkeit der Chakassen gerechnet…