Goltzstraße

Streetview

Eine Kneipe, die längst zum Mythos geworden ist, ein Schokoladen-Laden, der früher mal eine Apotheke war und ein Café, das gleichzeitig ein Trödelladen ist. Außerdem: ein denkmalgeschütztes „Kachelhaus“ im Jugendstil, ein Bastel-Shop mit Kultstatus und der erste Hot Dog-Laden Berlins. Geschichten über besondere Häuser, Läden und Restaurants in der Goltzstraße…

Goltzstraße - Streetview
Goltzstraße - Streetview

Café Sorgenfrei

Eigentlich wollten sie nur einen Trödelladen eröffnen und welche Straße bietet sich da – zumindest in Schönberg – besser an als die Goltzstraße? Hier, wo sich über Jahrzehnte ein antiquarischer Kramladen an den anderen reihte. Und weil die beiden Besitzer Gunter Schmitt und Christoph Reck immer schon auf Nierentisch-Optik und Plüsch-Charme standen, spezialisierten sie sich auf die 50er und 60er Jahre. Die Zeit also, in der die kriegsgeplagte Generation den kleinen Luxus des Lebens wieder für sich entdeckte: eine Tasse echten Bohnenkaffee zu „Kaltem Hund“. Ganz nach dem Motto der Wirtschaftsjahre: „Gönn dir etwas.“ Also wurde aus dem 2007 eröffneten Trödelladen schnell ein supergemütliches Kaffee, in dem man einfach nur verweilen, aber auch seltene Stücke aus Muttis Jugendzeiten kaufen kann. Ein Konzept, das wunderbar aufgeht. Zumal das Sorgenfrei noch mehr zu bieten hat. Die Wände des ehemaligen Fleischerladens sind geschmückt mit kunstvollen Fliesen im Jugendstil, der Entstehungszeit des Hauses in der Goltzstr. 18, was dem Ambiente eine einmalige Mischung der Stile verleiht.

Weiteres unter:

https://www.youtube.com/watch?v=7eCQFUpVots

http://www.qiez.de/schoeneberg/essen-und-trinken/cafes/cafe-in-der-goltzstrasse-sorgenfrei-in-schoeneberg/3439528

Café Sorgenfrei
Goltzstr. 18

Tel: 030-30104071
Mail:
sorgenfrei.berlin@gmx.de

Mo: Ruhetag
Di – FR: 12-19 Uhr
Sa: 10-19 Uhr
So: 13-18 Uhr

Café Golzo

Im selben Jahr wie das Café Sorgenfrei erfüllten sich auch die aus der Türkei stammenden Geschwister Mete und Brian ihren langgehegten Traum vom eigenen Café. Und ganz ähnlich befindet sich auch dieser kleine, feine Coffeeshop in Räumen, in denen es einmal blutig zuging: in einer ehemaligen Schlachterei. Die reich verzierten Stuckdecken und originalen Dielenfußböden zeugen noch von dieser Zeit, in der Hand- und Kunstwerk oft noch eine Symbiose eingingen. Viele Bewohner der Straße genießen zum edlen Kaffee der ausgebildeten Barista Brian die selbst kreierten kleinen Leckereien: Couscous mit Granatapfelsirup oder Espressokuchen mit Zimt und Anis, an dem ihr Bruder monatelang gefeilt hat. Hier werden die Neuigkeiten der Straße ausgetauscht, die vielen Besucher der Straße vor allem am Wochenende beschaut und besonders die Kinder verwöhnt – egal, wie gut die Tische besetzt sind.

Außerdem bieten die Geschwister einen Catering-Service an.

Weiteres unter:

http://www.golzo.de/

Café Golzo
Goltzstr. 21

Tägl. 8-20 Uhr

Tel : 030.81 70 49 37
Mail: info@golzo.de
Website: golzo.de

Winterfeldt Schokoladen

Auch das Eckhaus Goltzstraße 23 / Pallasstraße, das heute den exquisiten Winterfeldt-Schokoladen beherbergt, hat sichtbare Geschichte zu bieten. Denn hier residierte einst der Apotheker Albert Porsch, er seine wunderschöne Pallas-Apotheke 1892 im Stile der Neorenaissance für sich ausbauen ließ und die deshalb heute unter Denkmalschutz steht. Nur dass in den unzähligen Schubladen und –kästchen aus Nußbaumholz nun keine bitteren Pillen mehr aufbewahrt werden, sondern süßeste Schokoladenkreationen in allen nur denkbaren Geschmacksrichtungen. Wobei dies kein Widerspruch ist, denn schließlich haben Apotheker einst die „Trost- Medizin“ aus Kakao, Milch und Zucker erfunden. Seit 2009 bieten Natascha Kespy und Michael Schieben in diesem einmaligen Ambiente ihre ausgefallenen und delikaten Naschereien an, nachdem sie in den Jahren zuvor regelmäßig samstags auf dem Winterfeldtplatz-Wochenmarkt ihre Schokoladen aufgebaut hatten. Und natürlich kann man auch hier bei Kaffee und Trinkschokolade verweilen und mit allen Sinnen genießen.

Weiteres unter:

http://www.berlin-audiovisuell.de/essen-und-trinken/winterfeldt-schokoladen/

Winterfeldt Schokoladen
Goltzstraße 23 / Ecke Pallasstraße

Tel.: 030 23 6 23 25 6
Mail: shop@winterfeldt-schokoladen.de
Home: www.winterfeldt-schokoladen.de

Mo-Fr 9:00-20:00
Sa 9:00-18:00
So   12:00-19:00

Mamsell

Und sollte man beim Schlendern durch die Goltzstr. schnell wieder Appetit auf eine süße Gaumenfreude bekommen, dann kann man genau am anderen Ende im Café-Laden „Mamsell“ einkehren. Auch dort werden Trüffel, Nougat, Macarons und edle Pralinés aus Manufakturen aus aller Herren Länder angeboten, aber auch eine eigene Berlin-Kreation, die „Zarte Wilde“. Und wer auf der Suche ist nach ausgefallenen, schönen Designerstücken, der wird hier ebenfalls fündig. Geschirr, Küchenutensilien, Accessoires aus Frankreich, Skandinavien und Berlin verwöhnen das Auge, Kaffee und Kuchen (Den „Kalten Hund“ gibt es in 6 Variationen!) den Gaumen. 2005 entschieden sich die Besitzerinnen Iris Henderkes und Stefanie Strack dazu, ihr Domizil für Schmackhaftes und Schönes in der Goltzstr. aufzuschlagen, weil sie die besondere Atmosphäre des Kiezes und das angenehme Publikum der Goltzstr. sehr schätzten.

Weiteres unter:

http://s502380361.online.de/

Mamsell
Goltzstraße 48

Tel.: 030 - 92 122 900
Mail: mail@mamsellberlin.de

Mo - Fr       10 bis 19 Uhr
Sa      10 bis 17 Uhr
So      14 bis 18 Uhr

Tee Tea Thé

Wer bei dem Kürzel „TTT“ gleich an die hochintellektuelle ARD-Kultursendung „Titel, Thesen, Temperamente“ denkt, dem sei gesagt: Kultur geht auch anders. Und was hat – zumindest im Bereich des Trinkbaren – mehr Kultur als Tee? Seine stilvolle Geschichte reicht immerhin mehr als 2000 Jahre in das chinesische Reich zurück. Ganz so lange gibt es die Tee-Oase „Tee Tea Thé“ in der Goltzstr. zwar noch nicht, aber immerhin wird dort schon seit 1997 dem Tee-Genuss gefrönt. Das war in der Bier- und Kaffeestadt Berlin zwar von vornherein ein nicht ganz leichtes Unterfangen. Doch als größtes Problem stellte sich heraus, dass im Gastronomiebereich von Anfang an nicht geraucht werden durfte, weil gleich nebenan der Tee, den man eben noch verkostet hat, auch käuflich erstanden werden kann. Damals wurden Robert Scholz - dem als gebürtiger Hamburger das Tee-Gen quasi schon im Blut lag – und sein damaliger Compangon also noch aus vielerlei Gründen belächelt. Doch der lange Atem hat sich für ihn, seinen jetzigen Mitstreiter Einhard Luther und das Team ausgezahlt: Heute gilt ihr Tee-Salon, und diese Bezeichnung ist mehr als gerechtfertigt, als paradiesischer Ort für alle, für die immer Tea-Time ist. Auf Wunsch wird zum üppigen Frühstück und den exquisiten Kuchenkreationen natürlich auch Kaffee serviert.

Weiteres:

https://shop.teeteathe.de/

http://www.yelp.de/biz_photos/tee-tea-th%C3%A9-berlin

Goltzstraße 2

Tel: 030-217 522 40
Mail: Info@TeeTeaThe.de

Mo– Sa: 09:00-19:00 Uhr
So und Feiertag 10:00-19:00 Uhr

Café M

Bei aller lukullischer Vielfalt, die in der Goltzstr. schon seit vielen Jahren herrscht, gibt es doch ein Café, das als echte Legende aus dem großen gastronomischen Angebot hervorsticht. Und das, obwohl es hier keine ausgefallenen Leckereien oder exotischen Drinks gibt. Das ehemalige „Café Mitropa“, dem von der gleichnamigen Speisewagengesellschaft der früheren Reichsbahn der Name sozusagen entzogen wurde und das deshalb später zum „Café M“ wurde. Dieses Mauerschattengewächs hat den Wandel der Zeiten und auch der Goltzstr. bis heute überlebt und gilt als eine Art Refugium der „Scene“ aus den 80ern, als in dieser Gegend die Hausbesetzer und Junkies, die Unangepassten und Lebenskünstler, die Musiker und Künstler lebten. Nick Cave hing hier ab, Blixa Bargeld, Jim Avignon, auch Bowie und Iggy Pop konnte man hier auf ein Bier treffen. Vor allem aber dockten die typischen „M-Nasen“ regelmäßig am Tresen an und das Schöne ist: viele von ihnen – sofern sie noch unter den Lebenden weilen – tun es bis heute. Hier kann man auch weiterhin ungerührt vom korrekten Gesundheitswahn quarzen, was das Zeug hält. Über die alten Zeiten reden und die Goltzstr. wieder aufleben sehen als die grau-lebendige Trödel-Abhängstraße, die sie vor 30 Jahren einmal war.

Weiteres:

http://www.tagesspiegel.de/kultur/szene-m-eine-stadt-sucht-ihren-milchkaffee/1014918.html

https://www.youtube.com/watch?v=j6evkgrSI7k

https://www.youtube.com/watch?v=fQiaRB0nQjA

Slumberland

Ein anderes Kultlokal ist das „Slumberland“, Nachfolger des noch legendäreren „Dschungel“, der später in die Nürnberger Str. zog. Wenn man heute in der sehr entspannten Baratmosphäre seine Füße auf dem feinen, weißen Strandsand ausstreckt und unter künstlichen Palmen seinen Tagträumen nachhängt, kann man sich kaum noch vorstellen, dass hier einst Studenten, Hausbesetzer und Arbeiter wilde Parties feierten und sich hitzige, politische Diskussionen lieferten. Oder (Wahl-)Westberliner ihre staunende westdeutsche Verwandtschaft auch noch am frühen Morgen hierher ausführten und das wilde Berlin vorführten. Hier konnte man berühmte Künstler, Musiker, Schauspieler treffen, David Bowie erinnerte 2013 in seinem Song „Where we are now“ mit den Worten „Sitting in the Dschungel“ an den angesagten Szene-Club. Er schaute damals in den 70ern zusammen mit Iggy Pop gern mal vorbei, Star-Entertainerin Romy Haag gehörte zu den Stammgästen und selbst der französische Philosoph Michel Foucault stürzte sich hier ins Gewühl.

Das Eckhaus Goltzstraße 24 / Winterfeldtstraße 45 ist, wie die meisten der erhalten gebliebenen Gebäude aus der Vorkriegszeit ein typischer Gründerzeitbau. Wie zur wilhelminischen Zeit üblich, ist es zur Straßenseite hin aufwändig verziert.

Grundstücksbesitzer Ernst Janensch beauftragte 1887 den Berliner Architekten Otto Sohre mit dem Hausbau. Wie so viele Häuser in Berlin, beherbergte auch dieses im Erdgeschoss Geschäfte, die im Laufe der Jahre oft wechselten. Als erstes gab es dort eine der damals beliebten Kolonialwarenhandlungen, denn auch Deutschland beteiligte sich an der Kolonialisierung ferner Länder und importierte exotische Waren von dort. Noch eigentümlicher dürfte allerdings der spätere „Posamentenwarenhandel“ anmuten – dort wurden Bandgeflechte zum Schmücken der Kleidung verkauft. Später bot ein sogenannter „Zahnkünstler“ seine Dienste an – er stellte künstliche Gebisse und Zähne her. Und die Bezeichnung Bierverleger stand nicht etwa für einen auf das Gerstenbräu spezialisierten Buchladen, sondern für eine Biergroßhandlung. Außerdem diente der Eingang zur Goltzstr. 24 als Viehtrift, also zum Austreiben von Nutztieren aus dem Stall auf dem Hinterhof hinaus auf die Weide.

Weiteres unter:

http://dschungelberlin.de/Ur-Dschungel.html

Bastel-Rüther

„Hobbybedarf zu verkaufen – das war die Idee meiner Ehefrau.“ Das sagte Wilhelm Rüther einmal, als er gefragt wurde, warum er ausgerechnet einen Laden für Bastelbedarf eröffnet hat. Der Vater des heutigen Firmeninhabers (Sein Sohn Martin Rüther, der nur unwesentlich älter ist als der Laden selbst.) beendete im Jahr 1969 das sichere Leben eines Angestellten und stürzte sich in das Abenteuer Selbständigkeit. Er wusste von seiner Frau, die als Erzieherin in einem Kindergarten arbeitete, dass das Angebot an Bastelutensilien sehr beschränkt war und stieß so auf eine Geschäftsidee, die auch noch heute, mehr als 4 Jahrzehnte später, funktioniert. Aller digitalen Spielereien zum Trotz.

Zunächst fing Wilhelm Rüther allerdings ganz klein an: er übernahm einen gerade mal 18 Quadratmeter großen Schreibwarenladen in der Gleditschstr. Doch nur 3 Jahre später zog er eine Straße weiter: in einen großzügigen Eckladen in der Goltzstr. 37. Und dort findet man Bastel-Rüther bis heute. Er ist – gemeinsam mit Deko-Behrendt in der nahen Hauptstr. – eine Institution in der Handmade-Szene Berlins. Auch, weil er seinen Kunden neben unglaublichen 70.000 festen Artikeln viele saisonale Angebote macht: Von Holzkäseschachteln fürs Laternenbasteln und Halloween-Accessoires über Weihnachtsschmuck bis hin zum Werkzeug fürs Ostereierbemalen. Zur ersten Kundschaft gehörten in den 70er Jahren fliegende Händler, die bevorzugt am Ku’damm vor den Augen der Passanten filigrane Schmuckstücke aus Silberdraht fertigten. Einer von ihnen entdeckte damals den Laden von Wilhelm Rüther und deckte sich dort mit Draht und Bastelzangen ein. Schon am nächsten Tag standen viele seiner Kollegen vor der Tür. Auch die Hausbesetzer, die in den 80er Jahren in der Goltzstr. und der umliegenden Gegend Wohnungen „bezogen“, kamen gern zu Bastel-Rüther. Wahrscheinlich war deshalb seine Sorge, sie könnten bei den regelmäßig aufflammenden Krawallen auch die Schaufenster seines Ladens einwerfen, ganz umsonst. Zwar schlug Wilhelm Rüther vorsichtshalber ein paar mal sein Nachtlager hier auf, um im Ernstfall sein Hab und Gut verteidigen zu können, aber bei ihm ging nie auch nur eine einzige Scheibe zu Bruch! Stattdessen konnte er sein Geschäft immer mehr erweitern: Heute gibt es neben einem 2. Laden für Künstlerbedarf in der Goltzstr. auch noch Filialen in Spandau, in Tegel und im Prenzlauer Berg. Ein Geheimnis des Erfolges von Bastel-Rüther ist wohl, dass hier kreativ auf die Wünsche und Fragen der Kunden eingegangen wird. Die Mitarbeiter bilden sich weiter auf Messen, Workshops und Schulungen, um für jedes noch so ausgefallene Anliegen die beste Lösung zu finden. Auch für interessierte Kunden werden Kurse und Workshops angeboten. Schließlich gibt es auch in der Bastelbranche Trends: Schworen in den 90ern alle noch auf Seidenmalerei, wechselten viele dann zur Serviettentechnik, die wiederum von den Window-Colours und Glas-Tatoos abeglöst wurde. Doch es gibt auch viele Stammkunden von Bastel-Rüther, die ihre Passion zu größter Perfektion bringen. Einer von ihnen modelliert prominente Menschen nach. Bei seinem Papst-Benedikt-Figürchen z.B. kann man sogar die wirklichen Gesichtszüge erkennen. Und eine andere Kundin bastelt riesige Lampenschirme aus bemaltem Papier. Und so hat die Geschäftsidee von Wilhelm Rüther und seiner Frau bis heute Bestand.

Weiteres unter:

http://www.ichmachmichmalschlau.de/erfolgsrezepte/hobbyshop-wilhelm-ruether/

http://www.bz-berlin.de/berlin/tempelhof-schoeneberg/weihnachtsschmuck-kaufen-kann-ja-jeder

Bastel-Rüther/Stammhaus
Goltzstrasse 37

Tel: 030-2363683

Mo - Fr.:      9:30 - 19:00 Uhr
Sa.             9:45 - 16:00 Uhr

Bar Salut

Seit dem 14. Juli 2007 wohnt Dejan Spasovski in der Gotzstr.7. An diesem Tag eröffnete er zusammen mit seiner damaligen Freundin Caro ein kleines Tagescafé im Erdgeschoss. Auf rund 28 Quadratmetern bot das damalige Salut! leckere Smoothies und gesunde Snacks. Doch schon bald stellte sich heraus, dass die meisten Gäste am Abend kamen. Pragmatisch und geschäftig wie Dejan ist, stellte er das Konzept kurzerhand um: Cocktails statt Smoothies, gesalzene Nüsse statt Snacks. Das Salut! wurde zur Bar.

Ein Barbetrieb in einem Wohnhaus – das verlief nicht immer störungsfrei. Der 1974 in Berlin-Wilmersdorf geborene Sohn eines mazedonischen 'Gastarbeiters' Dejan entwickelte sich nicht nur zum Profi-Barbesitzer, sondern parallel dazu auch zum Lärmschutzspezialisten.

2011 wurde das große Ladenlokal im Erdgeschoss der Goltzstr. 7 frei. Dejan erkannte seine Chance und griff zu. Er sanierte die Räumlichkeiten, ließ Schallschutzdecken einziehen, isolierte Wände und Boden und eröffnete – inspiriert von den frühen und mittleren 1900er Jahren – im November 2011 das neue Salut!. Außen schwarz mit originalen Art-Déco-Fliesen, innen Schummerlicht aus antiken Lampen, frühen schwarz-weiß Fotografien und alten Ledercouchen aus England. 'Ich habe mich von der US-amerikanischen Cocktailkultur inspirieren lassen', erläutert er. Das Salut! erinnert deshalb nicht zufällig an die 'heimlichen Kellerbars' der Prohibition. Dejans Wohnung hingegen prägt der gediegene britische Stil der 1930er Jahre. An seine kulturellen Wurzeln erinnern nur die alten Familienfotos aus Mazedonien.

Seine Eltern kamen 1970 von Mazedonien nach Berlin. Sein Vater 'heuerte' bei Siemens an – und blieb wie tausende andere 'Gastarbeiter'. Dejan wurde in Berlin-Wilmersdorf geboren und wuchs in Moabit auf. Seine Mutter starb als er sechs Jahre alt war – er vermisst sie bis heute. Der unauffällige Junge mit dem Anflug von Traurigkeit im Blick machte Abitur und absolvierte eine Ausbildung zum Biologielaboranten. Nachdem er einige Jahre in seinem Beruf gearbeitet hatte, entdeckte er seine Leidenschaft für biochemische Prozesse und beschloss, in die Forschung zu gehen. 1997 begann er Biochemie an der FU zu studieren. Doch es kam anders. Statt Forscher zu werden, wurde er erst Gastronomieteilhaber und schließlich Barbesitzer, was vielleicht weniger weit auseinander liegt als es auf den ersten Blick scheint.

'Schuld’ daran war sein Studentenjob. Um sein Studium zu finanzieren, arbeitete Dejan erst als Kellner, dann als Barkeeper und schließlich als Gastronomiemanager. Die Arbeit machte ihm so viel Spaß, dass er das Angebot eines Freundes annahm und 2003 Teilhaber des Berliner Bachvogels wurde. 'Es lief gut. Doch irgendwie wollte ich etwas eigenes machen', erklärt er seine Entscheidung, die Anteile zu verkaufen und 2007 das Salut! in der Goltzstraße in Schöneberg zu eröffnen.

Dejan ist glücklich mit dieser Entscheidung, denn er hat es geschafft. Mittlerweile kann er gut davon leben, wobei gut für ihn vor allem freie Zeit heißt. 'Ich muss nicht mehr jede Nacht in der Bar stehen und kann mittlerweile sogar ein paar Wochen Urlaub machen.' Das war nicht immer so. Viele Jahre hat er jede Schicht geschmissen; heute übernehmen seine Barkeeper/innen den Service und das Mixen. Er selbst konzentriert sich auf das Kaufmännische, das Management und Marketing. 'Natürlich könnte ich mehr Geld verdienen, wenn ich weniger Beschäftigte hätte und mehr selber machen würde', denkt er laut, 'aber Zeit und Muße für andere Dinge zu haben, die mir wichtig sind, ist mir einfach wichtiger als Geld.' Zum Beispiel um nach Mazedonien reisen – oder 'Makedonien', wie Dejan sagt – seiner zweiten Heimat.

Quelle: www.m-i-ma.com/2014/08/m-i-ma-zugelt-der-mann-hinterm-salut.html

Bar Salut
Goltzstr. 7

Tel: 030-746 985 04
Mail: hallo@salut-berlin.de

Mo-So 19.00 - 03.00 Uhr

Das Kachelhaus

Vorsicht – Sie werden beobachtet! Von dem wunderschönen Eckhaus Goltzstraße 32 / Hohenstaufenstraße 69 schauen einen lächelnde maurische Terrakotta-Gesichter an. Doch noch viel auffälliger ist, dass die gesamte Hausfassade mit glacierten und kunstvoll, einem Teppichmuster ähnelnd, angeordneten Klinkern und Kacheln verziert ist.

Weshalb es auch das „Kachelhaus“ genannt und in einigen Reiseführern als besonderes architektonisches Kleinod Berlins angepriesen wird. 1895 wurde es nach dem Entwurf von Richard Landé erbaut und 1951 instandgesetzt. Besonders interessant sind außerdem die vielen Freimaurermotive an der ohnehin eindrucksvollen Hausfassade. Auch die unbehandelten Ziegelsteine, die zwischen den kunstvoll glasierten Kacheln aus der Fassade herausragen, stehen für das Denken der Freimaurer, für die lebenslanges Lernen ein wichtiger Aspekt ist.

Die Freimaurer waren um 1900 wichtig für die Architektur Berlins, da sie zu Experimenten bereit waren und ungewöhnliche, repräsentative Hauskonstruktionen entwarfen. Die große Länderloge der Freimaurer von Deutschland befand sich in der Eisenacher Straße 11-12, unweit des Winterfeldtplatzes. Also ganz in der Nähe des „Kachelhauses“.

Den Mittelpunkt des Türschmucks über dem Eingang Goltzstraße 32 bildet ein typisches Jugendstilmotiv: ein liegender Mann betrachtet die Sonne. Blätter der mehrfach gefiederten Raute verzieren das Bild, das von einer Pflanzenkette umrankt ist. Die Blätter der gefiederten Raute symbolisieren die mathematische Raute, auch dies ein Zeichen der Freimaurer. Die Kette bedeutet Verbundenheit und die Strahlen der Gestirne durchdringen die Dunkelheit mit geistigem Licht.

Um das Haus herum ziehen sich Ketten mit runden Bällen. Verschiedene Meridiane durchziehen die Halbkugeln, wobei das Winkelmaß für Aufrichtigkeit, Geradheit und richtiges Handeln steht.

Die 32, die Hausnummer, gilt als Zahl des Herzens und das Herzmotiv findet sich im Deckenstuck der Salons wieder. Den Dachsims schmückt ein steinerner Rosenkranz. Die Rose ist als Zeichen der Liebe zur Schöpfung das höchste Symbol der Freimaurer.

Das Haus erfuhr mehrere bauliche Veränderungen. Der Inhaber eines Wäschegeschäftes verband das Erdgeschoss mit dem ersten Stockwerk und unternahm entsprechende Umbauten. Die Treppenaufgänge wurden verändert und in neuerer Zeit erhielten einige Fenster Kunststoffrahmen. Geblieben sind die mit einem Eisenrost geschützten Lüftungsschächte der Kellerfenster. Ausgerechnet in diese Schächte fällt einem mit Vorliebe der Schlüssel oder das Geld aus der Hand. Eine Stange mit einem Haken daran war ein beliebtes Accessoire der Nachkriegskinder, die damit auf dem Bauch liegend Schätze aus den Schächten fischten. In den repräsentativen Neubau zogen Ärzte, Offiziere und Kaufleute ein. Ein Blick in alte Adressbücher zeigt die Männerknappheit und die veränderte Stellung der Frau nach dem Ersten Weltkrieg. Nun gab es unter den Haushaltsvorständen der Goltzstraße 32 die Verwalterin, die Ärztin, die Witwe oder ganz einfach die „Frau“.

Aber auch der Nationalsozialismus hinterließ im Haus seine Spuren: ein Mitbewohner aus dem Haus Goltzstraße 32 wurde deportiert und 1941 im KZ Lodz ermordet. (Quelle: www.motzbuch.de/winterfeld_finale_06.pdf)