Bölschestraße

Litfaßsäule

Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Bölschestraße zum Zentrum des berühmten Friedrichshagener Dichterkreises. Bedeutende Schriftsteller des Naturalismus, Künstler und Intellektuelle kamen hier zusammen. Darunter: Wilhelm Bölsche - der Namensgeber der Straße – Gerhart Hauptmann oder auch August Strindberg. Bis heute ist die Bölsche ein kreativer Ort, der inspiriert – zu Büchern, Filmen und Gedichten.

Bölschestraße - Litfaßsäule
Bölschestraße - Litfaßsäule

Friedrichshagener Dichterkreis

Wer an Friedrichshagen denkt, der sieht wahrscheinlich den Müggelsee vor sich und schlendert in Gedanken durchs Grüne. Aber dass der kleine Ort auch mal eine Art Literaturhauptstadt war, darauf kommt wohl kaum jemand.

Das beschauliche Fleckchen Erde vor den Toren Berlins zog schon immer Künstler, Schriftsteller und auch Wissenschaftler an. 1890 schlossen sich einige von ihnen zum sogenannten Friedrichshagener Dichterkreis zusammen, der sich der Idee des Naturalismus verpflichtet sah. Ein aufrührerischer Kreis, der nicht nur heftig über Literatur, Politik und die Gesellschaft diskutierte, sondern auch höchst kritische Schriften verfasste.

Zu den Mitbegründern gehörte Wilhelm Bölsche, nach dem die Hauptstraße von Friedrichshagen benannt ist. Der Autor und Journalist gilt als Begründer des modernen Sachbuches und Initiator der ersten Volkshochschule Deutschlands.

Im Antiquariat Brandel in der Scharnweberstraße kann man in einem eigens dem Dichterkreis gewidmeten Museum mehr über diesen erlesen Kreis erfahren. Auch andere berühmte Dichter wie der schwedische Dramatiker August Strindberg lebten und arbeiteten eine zeitlang in Friedrichshagen.

Quellen:
www.berliner-zeitung.de

www.google.de

Naturtheater Friedrichshagen

1930 als Städtisches Naturtheater Friedrichshagen erbaut, bot es mehr als 1.600 Zuschauern Platz. Eröffnet wurde es Pfingsten 1931 mit Shakespeares „Sommernachtstraum“. 1936 leitete Heinrich George das Sommertheater, führte Regie und trat selber auf. Auch Walther Felsenstein gab hier sein Berlin-Debüt mit dem „Zigeuner-Baron“. Ab 1935 wurden hier auch Filme gezeigt.

Den 2. Weltkrieg überstand das Naturtheater zwar fast schadlos, doch wurde ein Großteil der Holzverkleidung in den Nachkriegsjahren als Brennmaterial verheizt. Versuche, das Theater später wiederzubeleben, scheiterten.

Erst 2006 erlebte das Naturtheater ein Comeback, als der Betreiber des Kinos Union das Gelände übernahm und zum „Freiluftkino Friedrichshagen“ umbaute.

Künstler und andere prominente Bewohner von Friedrichshagen in der Neuzeit

Die Schauspielerin Fritzi Haberlandt wuchs hier auf und ging in Friedrichshagen zur Schule.

Der Anwalt und letzte Ministerpräsident der DDR, Lothar de Maizière, lernte im Seebad Friedrichshagen als kleiner Junge Schwimmen und Turmspringen. Pfarrer Rainer Eppelmann – CDU-Politiker, DDR-Oppositioneller und Verteidigungsminister der letzten DDR-Regierungwohnte lange Zeit hier, u.a. auch in der Bölschestr.

Mitglieder der Bands „Puhdys“ und „Bell, book and candle“ sind in Friedrichshagen ansässig.

Der Regisseur und Schauspieler Leander Haussmann wuchs hier auf und blieb dem Ort bis heute treu. Ausdruck seiner großen Zuneigung ist sein mit Sven Regener gedrehter Film „Haialarm im Müggelsee“.

Der Schriftsteller, Journalist und Musikproduzent Christian Hentschel lebt und arbeitet hier, genauso wie Stumpen und Alf Ator von „der meisten Band der Welt“ Knorkator.

Publikationen

° Rolf Schneider: „Die Bölschestraße – Berliner Orte“, Berlin, 2014 (Sachbuch)

° Leander Hausßmann: „Buh. Mein Weg zu Reichtum, Schönheit und Glück“,
  2013 (Autobiografie)

° Ralf Rothmann: „Feuer brennt nicht“, Frankfurt, 2009 (Roman, spielt in
   F’hagen)

° Spezialausgabe Bauwelt42/43, 15.11.1991, „Spezial:
   Friedrichshagen/Bölschestr. (Fotodokumentation)

° Regionalmagazin „Maulbeerblatt“: www.maulbeerblatt.com