Album der Woche

We von Arcade Fire

täglich 15 Uhr 40, vorgestellt von Claudia Gerth

„WE“ heißt das sechste Studioalbum der kanadischen Band Arcade Fire. Ein Epos und eine Reise entlang von Licht und Schatten, die in zwei unterschiedliche Seiten unterteilt ist: Seite "I", die die Angst und Einsamkeit der Isolation kanalisiert, und Seite "II" („We“), die die Freude und Kraft der Wiedervereinigung ausdrückt.

We von Arcade Fire
We von Arcade Fire | © Sony

Produziert von Nigel Godrich, Win & Régine und aufgenommen an verschiedenen Orten, darunter New Orleans, El Paso und Mount Desert Island, destilliert WE paradoxerweise "die längste Zeit, die wir jemals ununterbrochen mit dem Schreiben verbracht haben", so Sänger Win Butler. Der Kern der Band besteht nach wie vor aus dem Duo Butler und Régine Chassagne, die gemeinsam die Songs schreiben und sich den Leadgesang teilen. Sie sind verheiratet und haben einen 9-jährigen Sohn namens Eddie (9), für den sie den Song „Unconditional (Lookout Kid)“ geschrieben haben. Nach wie vor scheinen auch die Songs ihres neuen Albums darauf ausgelegt zu sein, so laut wie möglich und mit geschlossenen Augen aus dem Herzen einer riesigen Menschenmenge gesungen zu werden.



Die Grundgerüste der Songs entstanden im Haus von Butler und Chassagne am Klavier und sie sind durchzogen von lebhaften Erinnerungen ihres bisherigen gemeinsamen Songwriting. Sie behaupten, dass "The Lightning I, II" auf die Entstehung des Albums „Funeral“ zurückgehen, während Aspekte des ebenfalls mehrteiligen "End of the Empire" bereits zum ersten Mal auftauchten, als sie auf dem College waren. Noch nie gab es so viel Stille auf einer Arcade Fire-Platte und demnach so viel Dynamik zwischen den sich aufbauende Hymnen wie "Age of Anxiety II (Rabbit Hole)" und den ruhigen Passagen wie dem Titeltrack beispielsweise. Nigel Godrich lenkt die Aufmerksamkeit auf den negativen Raum an den äußeren Rändern der Songs und setzt damit einen neuen, verletzlichen Kontrapunkt zu den klanglichen Höhepunkten. Dazu passt auch das Albumcover: Die darauf befindliche Fotografie eines menschlichen Auges des Künstlers JR erinnert an Sagittarius A*, das supermassive schwarze Loch im Zentrum der Galaxie.

Ein besonderer Song auf der Platte ist „End of the Empire“, den sie gemeinsam mit Peter Gabriel aufgenommen haben. Darin geht es um einen Tag in nicht allzu ferner Zukunft, “an dem wir alle aufwachen und die Märkte wirklich zusammengebrochen sind und das ist ein Tag, von dem wir alle wissen, dass er kommt”, sagt Win Butler. “Es geht also mehr um diesen Tag, der in jeder Generation vorkommt. Es gibt diese großen Turbulenzen, und wer weiß, was in Europa passieren wird. Ich meine, wir sind mittendrin. Wir stehen am Abgrund einer sehr stürmischen Zeit, und ich glaube, wir sind noch an der Spitze des Eisbergs.

Claudia Gerth, radioeins