Album der Woche

Trust von SOHN

vorgestellt von Claudia Gerth

Auf dem neuen und dritten SOHN-Album „Trust“ ist Gemeinschaft neben Intimität, Offenheit und Familie eines der Hauptthemen. Das spiegelt auch die neue Verantwortung des Künstlers als Vater von drei Kindern wider.

Trust von SOHN
Trust von SOHN | © 4AD

Es ist ein Album, das aus einer gewissen Unzufriedenheit entstanden ist und zu einer kreativen Wiedergeburt wurde. "Mein drittes Studioalbum war das Ergebnis eines massiven Wandels in meiner Wahrnehmung und Ausrichtung", erklärt SOHN, der mittlerweile im katalanischen Teil Spaniens lebt. "Nachdem ich fünf Jahre mit dem Schreiben und Aufnehmen an einer Platte verbracht hatte, beschloss ich, neu anzufangen, weil die Musik mein Ich nicht mehr wiedergab."

Das Album, das den vorläufigen Arbeitstitel „Tundra“ hatte, war Ende 2021 so gut wie fertig. "Ich wollte nur noch nach L.A., um ein paar weitere Songs zu schreiben", erklärt SOHN. "Als ich in L.A. ankam, wurde mir klar, dass ich diese letzten Songs nur dann schreiben konnte, wenn ich das Album und alles drumherum für eine Weile vergessen würde", erklärt SOHN. "Ich beschloss, mit Leuten zu arbeiten, was für mich eine sehr große Veränderung meiner Arbeitsweise bedeutete. Ich hatte zuvor nie mit anderen Musikern an meinen Songs gearbeitet. Dieses Mal musste es sein. Aber es mussten die richtigen Leute sein. Es ging darum, dass ich anderen vertraue und sie in meine Welt einbeziehe."

Neben der Musik gab es auch eine größere emotionale Veränderung hinter der Entscheidung. "Mir wurde klar, dass ich es nicht komplett allein schaffen konnte. Ich vermisste Gemeinschaft und Freundschaft im Leben und im kreativen Prozess", sagt SOHN. "Vieles von der Idee einer Familie spiegelt sich in dieser Platte wider", sagt er. "Ich denke, man kann auf „Trust“ ein Gefühl der Ankunft hören, ein Gefühl von Sicherheit und Ruhe."



Das findet sich auch im wunderschönen Artwork des Albums wieder, welches von dem niederländischen Künstler Jamel Armand stammt und laut SOHN "das Gefühl vermittelt, wie sich diese Platte anfühlen sollte". "Wenn ich mir vorstelle, wie diese Platte klingt, stelle ich mir jemanden vor, der sie tagsüber auf einem Plattenspieler in einem schönen, luftigen Raum mit vielen Pflanzen spielt", sagt er. "Das ist es, was den Klang der Platte für mich ausmacht.”

„Trust“ bietet einige seiner klanglich intimsten Songs. "I Won't" ist dabei so etwas wie der emotionale Eckpfeiler des Albums, welcher die warme Stimmung des Klangkosmos definiert. "Figureskating, Neusiedlersee" hingegen ist eine nostalgische und geografische Anspielung auf seine Jahre in Wien. Österreich ist nach wie vor ein wichtiger Teil im Leben des Künstlers: "Selbst heute, zehn Jahre nachdem ich aus Wien weggezogen bin, sind alle, mit denen ich zusammenarbeite, Österreicher", sagt er. Doch Songs wie „Montardit" und "Segre" wurden von seiner neuen katalanischen Heimat inspiriert, wobei „Montardit“ der Name eines Dorfes in den Pyrenäen ist, in dem er einen Teil der Platte komponiert hat.

„Ich denke“, sagt SOHN, „es ist die am wenigsten prätentiöse Platte, die ich gemacht habe, weil ich nicht versuche, ein Künstler zu sein. Ich habe erkannt, dass ich einer bin."