Album der Woche

The Theory of Whatever von Jamie T

The Theory Of Whatever von Jamie T
The Theory Of Whatever von Jamie T | © Universal / IMAGO / Rene Traut

Es war lange ruhig um den Indie-Künstler Jamie T, doch nun ist der Brite zurück und sein fünftes Studioalbum heißt "The Theory Of Whatever".

Vor fünfzehn Jahren veröffentlichte der aus Wimbledon stammende Singer-Songwriter Jamie Treays alias Jamie T sein Debütalbum "Panic Prevention". Bewaffnet mit einer Gitarre, einem Sinn für soziale Ängste und einer brüllenden Stimme, die oft in einen MC-Stil überging, war Jamie T stilprägend Mitte der 00er Jahre.

Seine mäandernden, bekenntnishaften Songs erzählten warnende Geschichten von Londons zwielichtiger Schattenseite, der verzweifelten Suche nach Liebe und dem Druck in der britischen Hauptstadt. Sein Sound bewegte sich in der Sphäre seiner Zeitgenossen, mit den punkigen Gitarren der Libertines und den britischen Hip-Hop-Einflüssen der Streets.



Er ließ sich fünf Jahre Zeit für sein neues Album "The Theory of Whatever", schrieb zahlreiche Songs, tat sich jedoch schwer, die richtige Richtung für seine neue Musik zu finden. Bis er ein Demo für den Song "The Old Style Raiders" ausgrub und schließlich erkannte, dass er seinen Sound hatte. Der Song beginnt mit einer mitreißenden Gitarrenmelodie und einem Offenbarungsschrei im Hintergrund und steigert sich zu einem Refrain, in dem Jamie T seine neu entdeckte, klare Falsettstimme zum Besten gibt. Es folgt ein Geständnis, und zwar, dass es "schwer ist, etwas zu finden, das man im Leben liebt", und hoffentlich zu dem Schluss kommt, dass es sich lohnt, dafür zu kämpfen, wenn man es gefunden hat.

Die Melodien mit Ohrwurmqualität setzen sich im rhythmischen Donnern von "A Million & One New Ways to Die" und „Sabre Tooth“ fort, während Jamie T bei „British Hell“ und "Between the Rocks" dazu zurückkehrt, zwielichtige Politiker und die Beziehungen, die einem das Herz brechen, in Spoken-Words-Lyrik anzuprangern. In ruhigen Momenten des Albums zeigt er sich verletzlich und findet mit seiner Gitarre Poesie im Alltäglichen. In "The Terror of Lambeth Love" zum Beispiel beschreibt er das Grau über London als "pulloverwolkigen Himmel" während auf dem Boden, auf dem er sitzt, ""Fliegen an Scheiße kleben".

Jamie T ist ein guter Beobachter und auch zur Selbstironie fähig. Beides auffällige Ingredienzien seines neues Albums.

Claudia Gerth