Album der Woche

Skinty Fia von Fontaines D. C.

"Skinty Fia", der Titel des dritten Albums von Fontaines D.C und der Albumname bedeutet übersetzt so viel wie "die Verdammnis des Hirsches".

Skinty Fia von Fontaines D. C.
Skinty Fia von Fontaines D. C. | © Pias/Partisan Records

"Und der irische Riesenhirsch ist eine ausgestorbene Art", erklärt Bassist Conor Deegan III alias Deego. "Aber 'Skinty fia' wird auch als Fluch in Irland verwendet, so wie man 'Um Himmels Willen' sagen würde. Wir mögen den Titel, weil er in gewisser Weise wirklich repräsentativ für die irische Kultur ist."

Er ist also etwas sentimental der Albumname und ein wenig passt das auch zu der Entstehung des neuen Albums. Anstatt in ihrer Heimat Dublin oder auf Tour, so wie die ersten beiden Platten, ist „Skinty Fia“ in London entstanden, das neue Zuhause der Band. Hier haben sie einen anderen Blick auf Irland und bekommen auch direkte Reaktionen auf ihre Herkunft mit. Das Geschichtsbild zu den historischen Ereignissen zwischen Großbritannien und Irland ist in England nicht ganz realistisch. Gemessen an den blutigen Kämpfen, die es gab. Eine Art Ignoranz ist es, die die Bandmitglieder bemerkt haben. "Es ist eine Sentimentalität, in einem Irish Pub in London zu sitzen, umgeben von anderen Iren", sagt Deego, aber es geht auch um Erdung.



Diese kam durch den harten Bruch, den sie als Band erlebt haben. Gerade noch auf der größten Tour ihres Lebens, eine wahnsinnig intensive Zeit und plötzlich fand sich die Band, so wie wir alle im Lockdown wieder. Erdung war nicht das einzige Ergebnis. Gitarrist Carlos O’Connell wandte sich der elektronischen Tanzmusik zu und war so vereinnahmt, dass er versuchte, diesen Groove auf seine Gitarre zu übersetzen. So gibt es auf dem neuen Album Einflüsse davon, aber auch von Nirvana, Twang und Surf-Sounds. "Wir wollten nie an das Genre Post-Punk gebunden sein“, sagt O’Connell. Es geht viel eher darum, innerhalb von Gitarrenmusik zu experimentieren. „Alle großartigen Bands wie The Velvet Underground, The Beatles, Beach Boys und The Rolling Stones haben verschiedene Sounds in ihre Musik integriert". Es gibt Anklänge an den rumpeligen Rock 'n' Roll von „Dogrel“, dem Debüt, und die düsteren Atmosphären von "A Hero's Death", aber "Skinty Fia", das dritte Album des Triumvirats, ist viel weitläufiger und kinematischer.

Auf "Roman Holiday" spiegeln die Worte von Sänger Grian Chatten seine Erfahrungen als Anglo-Ire in London wider: "I don't want to see the Queen. I already sing her song" in Bezug auf die englische Sprache. Währenddessen ist das kraftvoll beharrliche "Bloomsday" nach dem irischen James Joyce-Tag benannt. Es verwendet eine magische, wehmütige Melodie, um die romantische Beziehung der Band zu Dublins "Regen, Bars, Pints und Kameradschaft" anzusprechen, wird aber durch die starke Erkenntnis gemildert, dass "man irgendwann erkennen muss, dass man nicht in die Fußstapfen von James Joyce tritt".

Claudia Gerth, radioeins