Album der Woche

Skin von Joy Crookes

Die 22-jährige Britin Joy Crookes veröffentlicht mit "Skin" ihr Debütalbums und beim Hören ihrer Lead-Single "Feet Don't Fail Me Now" wird man zunächst an die verstorbene Amy Winehouse erinnert. Doch schnell wird klar, dass Joy Crookes musikalisch ihr eigenes Ding macht.

Skin von Joy Crookes © Insanity
Skin von Joy Crookes | © Insanity

Indem sie nicht krampfhaft einem Retrosound hinterherjagt, sondern geschmackvoll Elemente von Motown-Soul mit zeitgenössischem R'n'B, Reggae und vor allem mit Pop verbindet, wirkt ihr Album "Skin" gegenwärtig. "Die Haut, die dir gegeben ist, wurde gemacht, um darin zu leben. Du hast ein Leben geschenkt bekommen. Ein Leben, das es wert ist, es zu leben", sagt die junge Musikerin über den Titel ihres Debütalbums "Skin".

Der Entstehungsprozess des Albums brachte starke Gefühle über die Geschichte ihrer Familie zum Vorschein. Joy Crookes wuchs in London auf als Tochter eines irischen Vaters und einer bangladeschischen Mutter. Diese trennten sich als sie zwei Jahre alt war und bei der folgenden Suche nach Zugehörigkeit zu einer der Kulturen hatte sie das Gefühl, dass sie kein Nebenprodukt des einen oder des anderen sein konnte, denn das hätte so viel Krieg verursacht.



Ihrer bangladeschischen Wurzeln besinnt sie sich allerdings in dem Song "Theek Ache", was übersetzt so viel heißt wie "es ist okay" und was nächtliche Eskapaden mit Alkoholkonsum und Seitensprüngen entschuldigen soll. Auch die Erfahrungen, die ihre Familie als Einwanderer in London gemacht hat, werden von ihr in dem Song "19th Floor" besungen: "Ich habe die Dinge gesehen, die du gesehen hast/Du sprichst nicht, du hinterlässt die Spuren“. Der Songtitel ist ein Hinweis auf die Wohnung ihrer Großmutter in einem Sozialwohnungsbau im Süden Londons, wo Crookes einen Großteil ihrer Kindheit verbrachte. Ihre Coming-of-Age-Jahre verbrachte sie in einem Großbritannien des Brexits und eines stärker werdenden Generationskonflikts. Etwas, dass sie besonders in dem Song „Kingdom“ verarbeitet. Vereintes Königreich sei der falsche Titel für ihre Heimat, meint sie, denn vereint sei hier nichts.

Das Artwork für das Album "Skin" stammt von der Fotografin Carlota Guerrero, die bereits mit Künstlern wie Arca oder Chloe x Halle zusammengearbeitet hat und das komplette visuelle Beiwerk für Solanges Album "A Seat At The Table" machte. Joy Crookes sagt, ihre Musik sei eine Therapie, die sich immer wieder auszahlt. Durch ihre Musik kann sie sich als Mensch entwickeln und ständig etwas mehr über sich selbst lernen und wir als Publikum haben auch noch etwas davon. Ihr Debütalbum mache sie selbst sehr stolz. Die Songs sind durch und durch autobiografisch und behandeln ein großes Spektrum von Fragen - angefangen von Gelegenheitssex über Generationentrauma oder auch Machtmissbrauch bis hin zu psychischer Gesundheit.

Claudia Gerth, radioeins