Album der Woche - Sieg der Vernunft von Knorkator

Sieg der Vernunft von Knorkator © Tubareckorz
Sieg der Vernunft von Knorkator | © Tubareckorz

Die meiste Band der Welt bringt eine neue Platte heraus und nicht irgendeine, sondern eine mit feinsten Melodien und unschlagbaren Songzeilen. "Sieg der Vernunft" heißt das neue Album der Berliner, die seit über 25 Jahren mit ihrer aus intelligentem Humor und breitwandigen Gitarren maßgeschneiderten Musik ein Unikum sind.

Falls es wirklich noch Leute gibt, die Knorkator nicht kennen, dann gibt es die Empfehlung von Stumpen, dem Sänger, der eigentlich Gero Ivers heißt: "Einfach mal quer durch die Diskografie durchhören. Das macht zum einen sehr Spaß, weil Bandmitglied Alf Ator als derjenige, der ja schreibt und textet – ein kluger Kopf mit einer klassischen Ausbildung, Musik herstellt, die anspruchsvoll ist. Zum anderen gehört unsere Musik nicht zum Mainstream und damit passen wir wahrscheinlich auch nicht unbedingt ins Radio, umso schöner ist, dass es natürlich jetzt stattfindet."



Den Albumtitel haben sie einem ihrer Songs entnommen und zur Erklärung, meint besagter Alf Ator lakonisch: "Da es eigentlich sehr oft um die verschlungenen Wege unserer Quasi-Vernunft geht auf diesem Album, bot sich das an." In dem Song selbst geht es dann um unsere Unfähigkeit miteinander zielführend zu kommunizieren, also dass wir immer wieder in unsere alten Muster verfallen. Zuhören wäre von Vorteil und stattdessen ist es immer eher so, dass man denkt, man tausche Meinungen aus, "um eine bessere Welt zu bauen, aber am Ende schlagen wir uns doch die Köpfe ein." Stumpen fügt hinzu: "Den Sinn der Vernunft macht insofern aus, dass man seine eigene Meinung auch mal in Frage stellt und nicht nur vor seinem eigenen Publikum, das den Applaus spendiert, kritisch seinem ideologischen, politischen Gegner die Meinung geigt und richtig auf die Kacke haut, sondern sich selbst mal in Frage stellen – das macht den Sinn der Vernunft aus."

Und die Gesellschaftskritik geht weiter. Bei dem Song "Ihr habt gewonnen" geht es um die Digitalisierung der Welt, die uns nicht unbedingt zum Vorteil sei, sagt Stumpen. Ohne Smartphone geht gar nichts mehr. "Wir verlieren uns in die digitale Welt. Und das ist nicht nur ein Fehler, sondern der Verlust des eigentlichen Lebens. Die meisten Menschen hängen davor und gehen nicht mehr in den Wald." Bei dem Song "Milliardär" soll es aber nicht um eine grundsätzliche Kapitalismuskritik gehen, sagt Alf Ator. "Man wird schnell in die Richtung gedrängt, dass man per se gegen Reiche wäre, per se gegen Kapitalismus und irgendwie den Leuten, die es zu was gebracht haben, was wegnehmen will. Das ist gar nicht unser Ansinnen. Ich bin eigentlich wirklich dafür, dass die Menschen frei mit all ihren guten und schlechten Eigenschaften versuchen, vorwärtszukommen. Wenn jemand fleißig ist und Glück hat und Talent, dann soll er auch reich werden. Das ist ja auch eine Triebfeder des Fortschritts. Der Song dreht sich darum, dass es m.E. ab einem gewissen Grad an Reichtum gefährlich wird. Da kann ein Staat Regeln erlassen, wie er will, wenn einzelne Menschen mächtiger als Staaten sind, dann brauchen wir uns über sowas wie freien Markt oder Demokratie nicht zu unterhalten."

Dann wird wohl passieren, was sich gleich im ersten Song "Die Welt wird nie mehr so sein, wie sie vorher war" andeutet: Mit dramatischem Pathos endet alles in einem "Kackehaufen".

Claudia Gerth, radioeins

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Album der Woche © IMAGO/hurricanehank
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