Album der Woche

MORE D4TA von Moderat

täglich 15 Uhr 40 vorgestellt von Claudia Gerth

"More D4tA" heißt das vierte Album von Moderat im Jubiläumsjahr, denn genau 20 Jahre ist es her, dass der Elektronik-Musiker Sascha Ring alias Apparat und das Produzenten- und DJ-Duo Modeselektor, bestehend aus Gernot Bronsert und Sebastian Szary in Berlin das Kollaborationsprojekt Moderat ins Leben riefen.

More D4ta von Moderat
More D4ta von Moderat | © Monkeytown

2017 wurde mit einem fulminanten Konzert in der Wuhlheide eine vorübergehende Pause eingelegt. Konnten sie doch auf eine gefeierte Album-Trilogie, weltweite Chartplatzierungen und ausgedehnte Touren rund um den Globus (darunter Mainstage-Slots auf den wichtigsten Festivals wie Coachella, Roskilde, Rock Werchter, Glastonbury, Primavera, Sónar) zurückblicken. Jetzt melden sie sich mit neuen Tracks und ihrer unverkennbaren Soundästhetik, bei der immer die Bezeichnung „Der Soundtrack Berlins“ mitschwingt, zurück.

„MORE D4TA“ ist eine musikalische Reflexion der letzten zwei Jahre, in denen Isolation und mediale Informationsflut zum permanenten Grundrauschen geworden sind; und der Albumtitel ist ein Anagramm von „Moderat 4“, also eine versteckte namentliche Weiterführung ihrer ersten 3 Alben.

Viele der Lyrics auf dem Album sind von der Berliner Gemäldegalerie inspiriert, die Sascha Ring häufig mit seiner neugeborenen Tochter besuchte. Für ihn ein Ort der Ruhe, an dem er sich mit der Vergangenheit beschäftigen kann und mal nicht um die Zukunft sorgen muss. Besonders die symbolhaften Bilder der Frührenaissance von Botticelli oder Lucas Cranach der Ältere. Cranachs „Der Jungbrunnen“ war beispielsweise so ein inspirierendes Bild, das den Text zu „Soft Edit“ angeregt hat.



Einfach war der kreative Prozess anfangs jedoch nicht. Einfach ist es nie, wenn Moderat zusammen ins Studio gehen. Deshalb hieß ihre Debüt-EP wohl "Auf Kosten Der Gesundheit". Bei einer Band, in der alle drei Musiker, Produzenten und Mixing Engineers sind, kann die gemeinsame Studioarbeit schon mal zur Zerreißprobe werden. Sie haben experimentiert mit modularen Synthesizern, Field Recordings und anderen klanglichen Kuriositäten. Doch am Ende kehren Moderat immer wieder in ihre eigene Soundwelt zurück. Bei dem Song „Drum Glow“ gibt es ein klassisches Sample des Wasservogels Loon, das schon häufig in der Musikgeschichte vorkam, weil es ein programmiertes Sample auf dem Emulator 1 Synthesizer war. Moderat jedoch haben für ihren Song den Vogel im Original aufgenommen und haben sich dafür auf eine lange Expedition begeben. Natürlich!

„More D4Ta“ sind 10 Tracks, 46 Minuten und 33 Sekunden, 494 Wörter und 490,6 MB – Das Album gibt’s digital, als CD, auf Vinyl und in einer Deluxe Vinyl-Edition.

Claudia Gerth, radioeins