Album der Woche

How Long Do You Think It's Gonna Last? von Big Red Machine

Das Projekt Big Red Machine besteht aus den 2 Freunden Aaron Dessner (The National) und Justin Vernon (Bon Iver) und versammelt auf dem neuen Album viele Gäste. Robin Pecknold ist dabei (Fleet Foxes); Taylor Swift, Anaïs Mitchell, Naeem (Spank Rock); Sharon van Etten, Shara Nova (My Brightest Diamond); Ilsey Juber und Kate Stables (This Is The Kit). Architekt Aaron Dessner schafft trotz der vielen Stimmen einen kohärenten Klang.

How Long Dodo You Think It's Gonna Last von Big Red Machine
How Long Dodo You Think It's Gonna Last von Big Red Machine | © Jagjaguwar

"Jeder Song mit dem Projekt fühlt sich wie ein Geschenk an", sagt Aaron Dessner, der hier nicht mit seinem Zwillingsbruder Bryce, dem er den Song "Brycie" gewidmet hat, zusammenarbeitet wie sonst, sondern mit Justin Vernon. Letzterer meint allerdings, dass er für diese Platte höchstens als Wingman fungiert habe. Den Löwenanteil hat Dessner in seinem Long Pond Studio kreiert. Hier entstanden die letzten beiden The National-Langspieler und das Grammy-gekrönte Album "Folklore" von Taylor Swift, das Dessner produzierte. Das Studio ist ein kirchenhoher Raum mit viel Luft, großen Fenstern mit Blick auf einen Wald und einen See. Diese Atmosphäre hört man den Songs an. Sie sind unaufgeregt, unaufdringlich, organisch. Es geht um Gemeinschaft. Die Songs bestehen aus Mustern stimmungsvoller kleiner Motive, die komplex ineinandergreifen.



Eine Besonderheit ist mit Sicherheit die, einen Popstar wie Taylor Swift in den Sound mit einzubinden, anstatt sie schrill hervorstechen zu lassen. Ihr Song ist "Renegade" und bei "Birch" singt sie derart flankierend, dass sie kaum zu erkennen ist. "Reese" ist ein typischer Justin Vernon-Song. Bei "Ghost of Cincinnati" klingt Aaron Dessner sehr nach der Verletzlichkeit eines Elliot Smith. Liebevoll klingt er bei "Brycie" und "Hutch" ist dem Frontmann der Band Frightened Rabbit, Scott Hutchison, gewidmet, der sich 2018 das Leben nahm.

Dass der Name Big Red Machine sich als Projektname durchgesetzt hat, ist einem Missverständnis zu verdanken. Als ganz zu Beginn Dessner eine Songskizze an Justin Vernon schickte, nannte er sie aus Patriotismus für sein Lieblingsbaseballteam, die Cincinnati Reds, den Song nach deren Spitznamen: Big Red Machine.

Vernon nun seinerseits erkannte den Sportbezug nicht und schrieb zu der Songskizze einen Text über das menschliche Herz: Die große rote Maschine – Big Red Machine.

Claudia Gerth (radioeins)