Album der Woche

Hotel Surrender von Chet Faker

Der australische Musiker Nick Murphy alias Chet Faker weiß, was es heißt zu kapitulieren. In seinem Fall hat das nichts zu tun mit Resignation oder damit, aufzugeben. Nein, es heißt, sich zu ergeben im Sinne einer Umarmung.

Hotel Surrender von Chet Faker. ©BMG
Hotel Surrender von Chet Faker. (Albumcover) | © BMG

"Gib dich einem Zustand hin, lehne dich vollends hinein und lass die Illusion los, alles kontrollieren zu können", lautet sein Motto, das seinem neuen Album den Titel "Hotel Surrender" einbrachte.

Letztes Jahr veröffentlichte der Wahl-New-Yorker ein Meditationsalbum namens "Music for Silence" für die App "Calm". Reine Instrumentalmusik, die ihn neu über das Wesen von Musik nachdenken ließ. Als Künstler*in sei man immer mit einem gesellschaftlichen Bild konfrontiert, das man erfüllen soll. Ein Bild, dass viel mit Kontrolle, Intellekt und Schaffenskraft zu tun hat. Doch Nick Murphy ist zu dem Schluss gekommen, dass kreative Arbeit etwas anderes ist. Er hatte die Einsicht, dass man als Künstler sein Ego zurückstellen und erkennen sollte, dass Musik von einem anderen Ort nur durch einen hindurchfließt. So beginnt sein neues Album mit dem einleitenden Song "Oh me, oh my" und den Worten: "Music does something, I just don't know what it does".



Oft würde sich der Verstand an der falschen Stelle einschalten und zensierend in den kreativen Prozess eingreifen, sagt Murphy. Es wäre dann so, als würden wir eine Blume beurteilen, wenn sie noch ein Samenkorn ist. Bei seinen neuen Songs habe er das nicht gemacht, sondern sie einfach erblühen lassen. Dabei sei ihm unwillkürlich klar geworden, erzählt er, dass diese Songs nicht danach klängen, um sie unter seinem Geburtsnamen zu veröffentlichen, (wie er es zuletzt getan hat), sondern unter seinem Pseudonym Chet Faker.

Obwohl man sein gewohntes Falsett hört, klingt seine Stimme auch an einigen Stellen tiefer, entspannter als zuvor. Der Sound ist satter und reichhaltiger. Murphy bedient sich am reichhaltigen Buffett der 70er-Jahre-Musik. Es gibt Streicher und Bläser, die so wirken, als würden sie das Gesagte unterstreichen. Jeder Song ist eine Momentaufnahme. Ein Zustand, der ausgekostet wird in dem Wissen, dass er vorbeigeht. Manchmal voller Wehmut wie bei dem sexy Schnapsschuss "Feel Good" und manchmal voller trostreicher Hoffnung wie bei "Low". Analytisch wie bei "Get High" und relativierend wie bei "So long So Lonely". Es geht um's Menschsein und darum, es in all seinen Facetten zu genießen. Gerade In einer Welt mit (und hoffentlich bald nach) einer Pandemie sind es diese Momente der menschlichen Verbindung, die am meisten bedeuten.

(Claudia Gerth, radioeins)