Album der Woche - Dance Fever von Florence + The Machine

täglich 15 Uhr 40, vorgestellt von Claudia Gerth

Dance Fever von Florence + The Machine
Dance Fever von Florence + The Machine | © Universal

Was können Künstler und Künstlerinnen tun, die einem plötzlichen Umbruch, einer seltsamen neuen Welt gegenüberstehen? Sich darauf zubewegen. Eine neue Welt erschaffen. Eine Fabel dichten.

Die Songs auf Dance Fever singen gegen die Trauer an, die seit dem März 2020 auf der Welt lastet. Es ist ein Narrativ von Bewegung und Auferstehung, vom Rückzug ins Innere und dem Bedürfnis, mit anderen zusammen zu sein, von Folklore und Horror, das sich durch das Album zieht. Eine Geschichte von Metamorphose, von einer Idee, die als eine Sache beginnt und sich dann, trotz aller Widerstände, in etwas neues transformiert. Es ist ein Märchen im Fluss, eines, dessen Schluss noch unklar ist, das aber dennoch viel Trost in sich trägt und uns bis dahin, bis zu diesem Schluss, der irgendwann kommen wird, ablenken kann.

Anfang 2020 war Florence Welch in New York und begann das Grundgerüst eines neuen Albums mit dem Produzenten Jack Antonoff aufzunehmen. Nach kaum mehr als einer Woche schloss die Welt ihre Türen und Welch sah sich gezwungen, früher als geplant nach London zurückzukehren. Da Antonoff in New York war und Florence die Zeit des Lockdowns in England verbrachte, wandte sie sich an einen anderen Sänger und Produzenten, dessen Alltag als Performer genau wie der ihre von der Pandemie unterbrochen worden war: Dave Bayley von der Band Glass Animals. Florence Welch beschwor all die Dinge herauf, die sie vermisste: Clubs, auf Festivals zu tanzen, sich im Strudel des Zusammenseins zu verlieren, und Stück für Stück schlichen sich diese Gefühle, Emotionen und Erinnerungen auf das Album. „Mich und Dave verband damals das Bedürfnis nach Intensität, nach dem Gefühl des Loslassens, und aus seiner Liebe zu Synthesizern und meiner Faszination für alles Gruselige entstand eine Art ‚Nick Cave im Club‘-Sound.“



Sie las sich in das Phänomen der Choreomanie ein, auch bekannt als Tanzkrankheit oder Tanzwut, einer Art Gruppenritual, bei dem zwanghaft bis zur Erschöpfung getanzt wird – in einem Fall aus dem Mittelalter sollen sich 400 Frauen zu Tode getanzt haben. Diese Form der Ekstase, Nähe und Euphorie, die der Tanz in der Menge ermöglichte, erinnerte Florence an den Verlust von Auftritten und durchtanzten Clubnächten. Welch schrieb das Stück „My Love“ in ihrer Küche, als „trauriges kleines Gedicht“, doch als sie es akustisch aufnehmen wollte, schien es einfach nicht funktionieren zu wollen. Bayley schlug schließlich vor, Synthesizer zu benutzen und schnell entwickelte sich eine raumfüllende, zum Tanzen motivierende Energie.

Das Leben zwingt uns manchmal dazu, anders zu handeln, Dinge laufen nicht so, wie wir sie geplant haben. Aber eben genau daraus erwächst Staunen und Transzendenz, das Bedürfnis, die übriggebliebenen Stücke wieder aufzuheben und zu schauen, was sich daraus bauen lässt. Wie Welch auf Girls Against God singt: „I met the devil / You know he gave me a choice / A golden heart or a / Golden voice” („Ich traf den Teufel / du weißt, er stellte mich vor die Wahl / ein goldenes Herz oder eine / goldene Stimme“). Manchmal bekommt man keins von beidem. Manchmal beides. Was man damit macht – ob man baut, singt, tanzt –, ist das, worauf es ankommt.

Sinéad Gleeson, January 2022 (Übersetzt von Aida Baghernejad)

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Album der Woche © IMAGO/hurricanehank
IMAGO/hurricanehank

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