Album der Woche

Chemtrails Over The Country Club von Lana Del Rey

Provokation schafft Aufmerksamkeit, das weiß auch Lana Del Rey, denn der Albumtitel und der dazugehörige Titelsong beziehen sich auf keinen Fall darauf, dass die 35jährige unter die Verschwörungstheoretiker gegangen ist. Vielmehr geht es auf ihrem neuen Album einmal mehr um das ambivalente Bild ihrer Heimat, das die Sängerin schon immer fasziniert hat.

Chemtrails Over The Country Club von Lana Del Rey
Chemtrails Over The Country Club von Lana Del Rey | © Universal

Selten bekamen sie mehr Aufmerksamkeit als momentan: Die Verschwörungsmythen. Es gibt derer viele und eine bezieht sich darauf, dass die Regierung angeblich dem Kondenswasser von Flugzeugen heimlich ein geruchloses, schädliches Gas beimischt. Genannt "Chemtrails" – ein Kofferwort aus "Chemicals" und "Contrails", den jeweils englischen Bezeichnungen für Chemikalien und "Kondensstreifen". Selbstverständlich gibt es keinen Beleg für diesen Chemtrail-Mythos, aber er wurde im vergangenen Jahr wieder an die Oberfläche geschwemmt. Grund genug für Lana del Rey, recht provokant, den Titel ihres siebten Albums damit in Bezug zu setzen: "Chemtrails Over The Country Club".



Auch auf ihrem neuen Album "Chemtrails Over The Country Club" setzt die Entschleunigung ein, aber die Songs haben den Anschein, als würde Lana Del Rey uns etwas von ihrem Innenleben preisgeben. Sie erzählt von ihrer Kindheit mit ihrer Schwester und verrät uns sogar den Aszendenten Löwe zu ihrem Sternenbild Krebs, was sie offenbar beschäftigt. Die Platte wirkt gedankenversunken und das passt auch zu dem Folk-Ansatz, zu dem Ansatz einer Singer-Songwriterin, den ihr Produzent Jack Antonoff schon auf dem letzten Album geltend machte und der nun noch mehr ausgeprägt ist.

Doch diese vermeintliche Nähe, die dieser musikalische Ansatz erzeugen soll, ist dann doch einmal mehr eine charmante, wie raffinierte Pop-Pose. Auf den Gipfel getrieben durch eine Coverversion. Mit dem Song "For Free" von 1970 covert Lana Del Rey niemand Geringeres als Joni Mitchell. Mitchell hatte damals darüber sinniert, was es für wundervolle Straßenmusik gibt und dass die Welt eine ungerechte sei, weil es sogenannte Stars wie sie gibt, die mit ihrer Musik Geld verdienen und dann gibt es Leute, denen das nicht vergönnt ist, die aber nicht minder talentiert sind. Das Dasein als Star ist mit Ruhm verknüpft und der kann sich bisweilen anfühlen wie ein bleierner Mantel. Davon handelt auf dem neuen Lana Del Rey-Album gleich der erste und tagebuchartige Song: "White Dress".

Claudia Gerth