Album der Woche

Aus allen Nähten von Husten

täglich um 15 Uhr 40 vorgestellt von Claudia Gerth

"Aus allen Nähten" ist nach vier EPs das erste Album in voller Länge von HUSTEN, jener Band, die aus dem Erfolgsproduzenten Moses Schneider, dem Singer-Songwriter Gisbert zu Knyphausen und aus Tobias Friedrich alias "Der dünne Mann" besteht.

Aus allen Nähten von Husten
Aus allen Nähten von Husten | © Kapitän Platte

Und das obwohl es der Plan war, die Band als Nebenprojekt zu beginnen, also kein Album zu machen und nicht live zu spielen. "Gestartet sind wir mit der Idee einfach jedes Jahr eine EP rauszubringen", sagt Gisbert zu Knyphausen, "aber da wir eine Band sind, die ihre Prinzipien auch gerne mal wieder über den Haufen wirft, haben wir jetzt ein Album gemacht und spielen live; und das fühlt sich sehr gut an!"



Die Bezeichnung "Trauerweidenpop" für ihre Musik findet die Band durchaus passend. Bei der Trauerweide stellten sie sich vor, wie dieser Baum mit langen Haaren am Wasser steht. Ernst und stattlich. "Es ist ja auch schon Musik die nach vorne geht, aber halt mit ernsten Themen", meint Gisbert. Humor darf aber nicht fehlen. "Humor und Hoffnung", ergänzt Moses Schneider. "Manchmal kommt diese Hoffnung dann auch erst mit der Musik hinzu. Wenn der Text die Hoffnung nicht mehrfreigibt, kann man die Musik darunter so gestalten, dass man denkt, da war doch noch ein bisschen Hoffnung. Das ist die Macht der Musik, wenn man den Text vorher kennt."

"Maria" ist ein Song über fiktives Vatersein. Geschrieben von Tobias Friedrich, der sich in dem Song seine Tochter vorstellt, die er Maria nennen will und zu der er schon eine Art gedankliche Beziehung aufbaut, obwohl er die Mutter noch gar nicht kennt. Der sehr emotionale Song "Da sein", der zwar eingängig daherkommt, aber doch ein trauriges Ende besingt, wurde zum Duett mit der Schweizerin Sophie Hunger. Der Albumtitel ist zugleich der Titel eines Songs: "Aus allen Nähten" meint die Fülle an Liebe zum Detail. Der Song "Jeder zerbricht", ein Lieblingssong von Moses Schneider, schafft den Spagat aus kälteren, unbehaglichen Sounds in der Strophe und absoluter Wärme im Refrain.

Nach so viel Hingabe bleibt die Frage, ob HUSTEN wirklich noch als ein Nebenprojekt zu bezeichnen ist. "Wir haben halt sehr langsam angefangen, es hat uns gereicht 5 Songs im Jahr rauszubringen", sagt Moses Schneider. "Jetzt haben wir wirklich einen guten Lauf gerade, alles fühlt sich gut an, und die Geschichte ist noch nicht zu Ende erzählt. Es fühlt sich so an als brächte 'Aus allen Nähten' einen zweiten Teil.“ Und Gisbert zu Knyphausen ergänzt: "Alles hat mehr an Fahrt aufgenommen und ich hätte total Bock noch ein zweites Album zu machen". Et Voila! Wir müssen also nur warten.

Claudia Gerth, radioeins