Album der Woche - "Wall of Eyes" von The Smile

Wall of Eyes von The Smile
Wall of Eyes von The Smile | © XL-Recordings

Europa, Asien, Amerika – Jonny Greenwood, Tom Skinner und Thom Yorke haben zum Release ihres neuen Albums die globale Marketing-Maschine angeschmissen und über die Kontinente hinweg zu exklusiven Fan-Events eingeladen. „Wall of Eyes“ ist ein Album, das weder die Nähe von The Smile zu Radiohead leugnen will noch die Suche nach etwas Neuem.

Jedes Ende kann als Neuanfang interpretiert werden. Als hoffnungsschimmernder neuer Weg, den man vielleicht einschlagen sollte, um sich und die Welt zu retten. The Smile ist dafür wohl selbst das beste Beispiel: Das Projekt kam während des Lockdowns zustande – inspiriert von der Freude zumindest kreativ sein zu können; mit Freunden zu sprechen und gemeinsam Musik zu machen. Mit dem Debütalbum „A Light for Attracting Attention“ vor knapp zwei Jahren und anschließender Tour kam auch eine neue Intimität zwischen Yorke, Greenwood und Skinner, die seither weitere Songs generiert hat.


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Schon durch die Bandkonstellation von The Smile ist eine Analogie zu Radiohead gegeben, die sich im Sound des neuen Albums spiegelt, und gleichsam etwas neues betont – eine besonders sphärische Stimmung, die The Smile nun noch stärker in eine Kategorie à la britischen Ambient-Artrock rückt, sofern man Genres überhaupt hinzuziehen möchte. Produziert und aufgenommen wurde „Wall of Eyes“ in Oxford und den Abbey Road Studios in London. Dort schwebten die Beatles geradezu über einem, erklärte die Band auf einem der zahlreichen Events, die im Vorfeld der Veröffentlichung das Album promotet haben. Zudem ist der Touristen-Faktor in den Abbey Roady Studios hoch, dennoch sei es eines der besten der Welt – die Entscheidung dort aufzunehmen war für The Smile also keine wirklich schwierige. Dafür nahmen die drei auch in Kauf während der Aufnahme das Studio ein Wochenende räumen zu müssen, damit ein paar Business-Leute einen Song einsingen konnten.

Wie in den Bildern zur Musik, die Yorke vor allem mit Künstler Stanley Donwood – den Yorke aus Studienzeiten kennt und der seit Jahren auch für Radiohead einige Cover beisteuert – gestaltet hat, trifft in den acht Songs ein Mix aus weichen Linien, zum Teil pastell-leichten Farben auf grelle Zacken und gar düster-psychedelische (Klang-)Farben. So donnert zur lockeren, fast heiteren Gitarre im Titeltrack des Albums ein Schlagzeug in der Entfernung, während die Stimme von Thom Yorke melancholisch ihre Melodie beisteuert und Streicher des London Contemporary Orchestra dem ganzen noch eine weitere Spannungs-Ebene hinzufügen. Vor allem Jonny Greenwood hat – unter anderem für diverse Soundtracks – schon häufiger mit großen Arrangements gearbeitet, die nun Teil von „The Smile“ geworden sind. In vielen Schichten platziert, wabern die unterschiedlichen Instrumente durch sie hindurch und teilen den Klang in Vorder-, Mittel- und Hintergrund. „Wall Of Eyes“ ist zu einem tatsächlichen dreidimensionalen Raum geworden – in Bildern und Tönen.

Laurina Schräder

Tracklisting

1. Wall of Eyes    
2. Teleharmonic    
3. Read The Room    
4. Under Your Pillows    
5. Friend of a Friend    
6. I Quit    
7. Bending Hectic    
8. You Know Me!    

The Smile "Wall of Eyes" Tour

The Smile entstanden inmitten der Pandemie, und schon mit ihrem Debütalbum "A Light for Attracting Attention" zeigte sich die harmonische musikalische Verbindung zwischen Thom Yorke, Jonny Greenwood und dem Jazzschlagzeuger Tom Skinner. Obwohl Yorke und Greenwood auch fester Bestandteil von Radiohead sind, klingen The Smile doch komplett eigenständig. Und wenn sich Yorkes immer noch magische Stimme über die Tracks legt, erreicht das Trio eine Intensität, die einzigartig ist. Jetzt haben The Smile ihr zweites Album fertig und kommen damit am 11. Juni nach Berlin.

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