Plattenkritik

Dancing Dimensions von Ural Thomas & The Pain

Jetzt auch als Vinyl erhältlich

Der 82- jährige Soulsänger hatte eigentlich schon längst mit dem Musikgeschäft abgeschlossen. Zu oft wurde Ural Thomas um den Lohn seiner Arbeit gebracht, zu viele Enttäuschungen hat der Sänger und Komponist erlebt, aber nun widerfährt Ural Thomas Gerechtigkeit.

Dancing Dimensions von Ural Thomas & The Pain
Dancing Dimensions von Ural Thomas & The Pain | © Bella Union

Geld, Ruhm oder Frauen waren Ural Thomas nie wirklich wichtig, es war und ist die Musik selbst, die ihn antreibt. Trotzdem hat den Sänger schwer getroffen, dass er in den 60ern nicht durchstarten konnte. Nicht das Talent, sondern die Platten-Bosse entschieden, wer ein Star wurde oder nicht. Diese bitteren Erfahrungen musste viele Musikerinnen und Musiker damals machen. Obwohl Ural Thomas ein paar Singles aufnehmen konnte, mit "Can You Dig It?" einen kleinen Hit landete und sogar über vierzig Shows im legendären "Apollo Theatre" in Harlem spielte, ist sein Name heute fast vergessen.

Vielleicht hätte Ural Thomas in einer Reihe mit James Brown oder Otis Redding gestanden, aber er wurde ausgebootet und zog sich Ende der 60er aus dem Musikgeschäft zurück.

Erst als ein junger DJ 2013 seine frühen Singles entdeckte und sich auf die Suche nach Ural Thomas machte, wendete sich das Blatt. Ural Thomas hatte über die Jahrzehnte weiterhin für sich Musik gemacht und seine Stimme ist nicht schwächer geworden, denn der Sänger hat nie geraucht, wenig getrunken und gesund gelebt. Deshalb klingt er mit 82 Jahren einfach fantastisch. Beste Voraussetzungen für ein Comeback.

Seine neue Band The Pain besteht aus jungen Verehrern und gemeinsam veröffentlichten sie zwei Alben, "Dancing Dimensions" ist nun das dritte von Ural Thomas & The Pain.

The Pain spielen klassischen Soul voller Wärme und mit allem, was eine gute Soulplatte ausmacht. Bläser, Background Chor, der Sound ist nicht poliert oder überproduziert, die Kompositionen passen perfekt und Ural Thomas Stimme ist ein Traum.

14 Stücke, "no filler, just killer", machen "Dancing Dimensions" zu einem Hochgenuss für Soul Liebhaber.

Es ist sein "Opus Magnum" und wieder einmal zeigt sich, dass die beste Musik dann entsteht, wenn keine Erwartungen drücken, sondern sich einfach die Liebe zur Musik entfaltet.

Carsten Wehrhoff