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La Grande von Laura Gibson

La Grande von Laura Gibson © City Slang (Universal) | © La Grande von Laura Gibson © City Slang (Universal)
Verspielt und hochsensibel: Folk für Feingeister. Diesen Trick kennt man von Tom Waits: ist die Stimme erst mal verfremdet und sind die Worte mitunter schwer zu verstehen, ist die Aufmerksamkeit umso höher. Hier aber kommt kein Megaphon zum Einsatz, sondern der Charme des Lo-Fi-Bedroom-Recordings. Man sieht sie förmlich auf dem Teppich hocken, in Wollpullover gehüllt und einander friedlich zulächeln. Time is not against us, singt Laura Gibson im sich sanft wiegenden Takt vom fast-Popsong Time Is Not, als würde sie nun endlich alle freisprechen vom Verdacht der Nostalgie, wann immer ein Faible für altmodische, Realitäts-entrückte Sounds aufkommt. Genau das nämlich ist auch ihre Leidenschaft, schon das Vorläuferalbum Beasts Of Seasons zog mit leisen Folkklängen und einem warmherzigen Hausmusikequipment von Gitarren, Banjos, Pappkarton und Geigen in den Bann.

Dazu die denkbar schwermütigsten Gedanken zu Tod, Aura und Verbundenheit. Ihre Prägung durch Deltablues (Mississippi John Hurt, Elizabeth Cotton) und alte Disney-Soundästhetik (an- und abschwellende Orchester) ist auch auf ihrem mittlerweile dritten Album „La Grande“ (City Slang) nachvollziehbar, wenn auch der Ton insgesamt freundlicher, fröhlicher, ja regelrecht beschwingt ist, in Songs wie Lion / Lamb ahnt man ihre Liebe zum Bossa Nova, in Skin, Warming Skin ihre Freundschaft zu Laura Veirs. Benannt nach und thematisch angelehnt wurde das Album an einen kleinen Ort in Oregon, durch den, so Gibson, die Menschen zwar immer nur durchreisen, aber trotzdem seine Magie und Energie spüren. Die Songs entstanden im selber restaurierten Wohnwagen, der ihr als Rückzug gleich hinter dem mit mehreren Leuten bewohnten Haus dient, und mit Hilfe u.a. von Adam Setzer (M.Ward), Joey Burns (Calexico) sowie Nate Query und Jenny Conlee von The Decemberists fertiggestellt wurden. Portland, so lehrt die US TV-Serie „Portlandia“ über die dort angesagte Indiszene, ist ein Ort, an dem sich junge Menschen zur Ruhe setzen. Und ebenso weltweise und doch jungbeherzt, auf keinen Fall aber über die Strenge schlagend, ist diese Musik.
Christine Heise im TIP-Magazin