Kommentar von Ulrike Bieritz

100. Deutsche Katholikentag in tiefster Diaspora

«Seht, da ist der Mensch» lautet das Motto des 100. Katholikentages. Aus ganz Deutschland sind Gläubige nach Leipzig gekommen - es ist auch ein Experiment.

Tausende Gäste bei der Eröffnung des 100. Katholikentages auf dem Markt in Leipzig © Jan Woitas/dpa
Tausende Gäste bei der Eröffnung des 100. Katholikentages auf dem Markt in Leipzig © Jan Woitas/dpa

Menschen tragen plötzlich grüne Schals, grüne Fahnen wehen an den Straßen, Handwerker bauen Bühnen und Zelte auf, dann eine fröhlich-peppige Eröffnungsfeier: Es ist Katholikentag in Leipzig! Und der Papst ist auch dabei, zumindest virtuell. Auf dem proppevollen Marktplatz wird am Mittwochabend seine Videobotschaft übertragen, die Franziskus - und das ist wirklich etwas Besonderes - auf Deutsch hält.

Eine ständige Hast beklagt er, die Menschen sollten sich mehr Zeit nehmen zum Innehalten. 32 000 Gläubige nehmen sich die Zeit für den Katholikentag. Nicht nur, um einmal in sich zu gehen, um gemeinsam zu beten, sondern auch um Antworten zu suchen auf die Fragen unserer Zeit, von denen viele noch unbeantwortet sind.

War es eine gute Idee, den 100. Katholikentag in der Leipziger Diaspora zu veranstalten? Ein Kommentar von Ulrike Bieritz.


Es ist ein Feldversuch, an den sich das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) als Veranstalter da heranwagt. Der 100. Katholikentag, das große Jubiläum, hätte in Süd- oder Westdeutschland stattfinden können, wo es in vielen Regionen noch eine Art Selbstverständlichkeit ist, Katholik zu sein. Doch das ZdK entschied sich bewusst für Leipzig - eine Stadt mit 570 000 Einwohnern, von denen gerade mal 4,3 Prozent Katholiken sind.

«Gelobt sei Jesus Christus», ruft ZdK-Präsident Thomas Sternberg den Gläubigen bei der Eröffnungsfeier zu. Warum das so ist und was das bringen kann, wollen die Katholiken aus nah und fern auch denjenigen in Leipzig zeigen, die ohne Konfession sind: «Werbend, freundlich und gewinnend», wie es Sternberg ausdrückt.

Übrigens sind nicht nur Katholiken nach Leipzig gekommen, sondern auch Protestanten. Einer davon ist Bundespräsident Joachim Gauck. In einer launigen Rede zur Eröffnung erinnert der frühere Pfarrer an die mehr als 160-jährige Historie der Katholikentage, die 1848 in Mainz ihren Anfang nahm. Damals, so witzelt er, hätten die Veranstalter es für ganz und gar undenkbar gehalten, dass ein evangelisches deutsches Staatsoberhaupt zu einem Katholikentag eingeladen, diese Einladung sogar annehmen und zu ihnen sprechen würde.

Damals, als das Glaubensfest auch noch ausschließlich Männer feierten, war manches anders in der katholischen Kirche. Vieles ist aber auch heute noch so wie damals. Kein Sex vor der Ehe, ein neuer Partner nach der Scheidung als Sündenfall, Frauen mit weniger Rechten als Männer: In der heutigen Zeit verstehen viele Menschen die Wertvorstellungen und Regeln der Kirche nicht (mehr). Neu ist, dass darüber in der Kirche offener diskutiert wird - Papst Franziskus sei Dank. Auch von Leipzig soll nach dem Willen der Veranstalter ein Signal der Offenheit ausgehen.

Quelle: dpa

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