Das radioeins Parkfest

Vizediktator

Rauer Mix aus Power-Pop und Post-Punk. Drei junge Berliner aus Kreuzberg, die am System rütteln, kratzig Klartext singen, aber nie die Hoffnung verlieren.

Vizediktator
Holger Pelzer

Vizediktator blicken nicht nur nach innen, um außen eine kranke Welt zu beklagen, sondern greifen an: Hier wird nichts beschönigt, gilt es bei dieser Band doch nicht, die eigene Seele vom Grauschleier der Gegenwartsrealität rein zu waschen. Vizediktator prangern an, und das laut! Im aufrührerischen Gestus, verwandt mit den neuen Vertretern einer jungen, deutschen Punkgeneration, lässt das Trio diese weit hinter sich. Denn es setzt auf die direkte Ansage im Geiste eines Jens Rachut oder Jello Biafra, deren Einfluss man bei Sänger Benjamin Heps unweigerlichen zu hören meint. Vizediktator sagen: man muss nicht das System niederreißen, um zu gewinnen. Aber man muss aufbauen, um am Ende etwas zu gewinnen.

Die in Berlins damals noch toughem Innenstadtbezirk Kreuzberg aufgewachsenen Jungs kommen direkt auf den Punkt. Auch wenn ihr Sound mit dem von Kollegen wie Turbostaat, Love A, CaptainPlanet oder Marathonmann durchaus Gemeinsamkeiten aufweist, setzen sie auf die deutlich sozio-politische Ansage und den großen Refrain. Dazu spinnt sich eine aggressive, pralle und klanglich doch filigrane Gitarre um melodische Bassläufe auf einem rohen Fundament präziser Drums.

Die Band führt einen durch düster-realistische Strophen, um im Chorus doch wieder Hoffnung zu versprühen. Als hätte man mit dem euphorischen Punkrock der Beatsteaks den Übungsraum geflutet. Vizediktator wissen um die Spielarten des Punk, lassen sich aber nicht so einfach greifen. Fiebrig, verspult, gerade heraus und dabei stets catchy fordern sie die Jungen und Junggebliebenen zum geistreichen Pogo heraus. Wo ein Wille ist, die Welt zu verändern, da beschreiten sie ihren Weg.

Veranstaltungsort:
Park am Gleisdreieck (Ostpark)
Möckernstraße
10965 Berlin

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