In grauer Vorzeit zog ich aus der fränkischen Provinz in die Großstadt - und landete in der Kiezmetropole Kreuzberg. Damals wollte ich Theaterkritikerin werden, belegte in der Rostlaube Thomas Mann und am OSI Adorno und investierte mein Bafög ins linksalternative Radio 100. Als das Geld verbrannt und die fetten Diepgen-Jahre vorbei waren, erlebte ich den Mauerfall bei der "taz", wo ich mich vorzugsweise mit Apokalypsephilosophen und gesellschaftlichen Orgien auf Bezirksausstellungen beschäftigte. Weil das auf Dauer nicht genügen konnte, ging ich 1990 in den Osten, zu Rockradio B in die Nalepastraße, wo ein Häuflein Motivierter zu Fleischmann und Pearl Jam herumhüpfte, bis wir beim nächsten Projekt "Fritz" gebraucht wurden. Dort stellte ich mich acht Jahre lang in die Dienste der Jugendkultur, ravend, skatend und alles gegen rechts. Jetzt produziere ich Programm Nur für Erwachsene, als Programm-Manager und Chef vom Dienst die Untiefen des medialen Alltags auslotend, am liebsten aber beschäftige ich mich im Rahmen von Radiodays mit abseitigen Veröffentlichungen, unklaren Verschwörungen und allerlei sonstigen Verstrickungen der menschlichen Seele.