Kommentar von Lorenz Maroldt

Eklat bei Streitgespräch zwischen Mazyek und Petry

Das Treffen zwischen AfD-Chefin Frauke Petry und dem Islam-Verbandschef Aiman Mazyek hat zwar für viel Rummel gesorgt. Ein Ergebnis gibt es aber nicht. Beide gerieren sich als Hüter des Grundgesetzes. Doch dafür ist in Deutschland das Verfassungsgericht zuständig.

Bild-Kombo: der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Aiman Mazyek (li.) und die Vorsitzende der AfD, Frauke Petry © Gregor Fischer/Marius Becker/dpa
Bild-Kombo: der Vorsitzende des Zentralrats der Muslime, Mazyek (li.) und die Vorsitzende der AfD, Petry © Gregor Fischer/Marius Becker/dpa

Frauke Petry kommt in Begleitung eines Personenschützers. Als die AfD-Vorsitzende den kleinen Konferenzsaal in einem Berliner Hotel betritt, wartet die dreiköpfige Delegation des Zentralrats der Muslime in Deutschland schon. Sein Vorsitzender Aiman Mazyek schüttelt Petry die Hand. Dann wird die schwere Doppelflügeltür geschlossen. Medienvertreter sollen draußen bleiben.

Die Dramaturgie dieses Treffens, bei dem über die Rechte und Pflichten der in Deutschland lebenden Muslime gestritten wird, erinnert an einen Boxwettkampf. Bevor die Kontrahenten in den Ring steigen, wird der Gegner öffentlich provoziert. Dann erst beginnt der Schlagabtausch. Zwar fliegen bei der Begegnung zwischen Mazyek und Petry nicht die Fäuste. Doch verbal wird ganz schön ausgeteilt. Anders als beim Boxen gibt es aber keine Punktrichter. So kann sich jeder hinterher zum Sieger erklären.

War es richtig, das Gespräch wenigstens zu versuchen? Ein Kommentar von Lorenz Maroldt, Chefredakteur des Berliner Tagesspiegel.


Mazyek stellt sich vor dem Saal den Fragen der Journalisten. Petry zieht mit ihrem Tross in das Foyer des Hotels. Mazyek sagt, das AfD-Programm erinnere ihn «an die dunkelsten Zeiten unserer alten Geschichte». Petry sagt, Mazyek sei ihren konkreten Fragen zur Scharia und zu Ehen zwischen Christen und Muslimen ausgewichen. Parteivize Albrecht Glaser sekundiert: «Die Scharia gehört so zu dem Islam wie jede alte Glaubensregel.» Hinterher legt Petry auf Facebook nach. Sie schreibt, die AfD habe Mazyek «eine Lektion zum 67. Geburtstag unseres Grundgesetzes erteilt».

Die AfD-Vorsitzende Petry (re.) und der Vorsitzende des Zentralrates der Muslime in Deutschland, Mazyek, reichen sich die Hände © Kay Nietfeld/dpa
Die AfD-Vorsitzende Petry (re.) und der Vorsitzende des Zentralrates der Muslime in Deutschland, Mazyek, reichen sich die Hände © dpa

Und wer hat von dieser Begegnung letztlich profitiert? Das ist schwer zu sagen. Auf jeden Fall haben Petry und Mazyek beide wieder einmal große Aufmerksamkeit auf sich gelenkt. Petry ist in der AfD-Spitze nicht unumstritten. Mazyeks Verband ist, was die Zahl der von ihm vertretenen Gemeinden angeht, eher ein Junior-Partner unter den deutschen Islam-Verbänden.

Auch nach diesem Treffen dürfte die AfD wohl kaum von ihrem neuen Lieblingsthema «Islam» lassen. Denn nichts wäre besser geeignet, um die weltanschaulichen Widersprüche in der Partei zu kitten. Denn die AfD teilt sich in einen Flügel frommer Christen - in dem Katholiken unterrepräsentiert sind - und einen Atheisten-Flügel, der besonders im Osten stark ist. Der Grünen-Bundestagsabgeordnete Omid Nouripour kommentiert das Treffen im Kurznachrichtendienst Twitter: «Petry versucht, innere Zerrissenheit der AfD auf Kosten von Minderheiten zu überdecken.»

Die Begegnung in Berlin ist nicht das erste medienwirksam inszenierte Treffen der AfD-Spitze mit Vertretern muslimischer Gemeinden. Anfang des Monats hat sich der Co-Vorsitzende Jörg Meuthen schon in einer Moschee in Weil am Rhein zum Streitgespräch mit einem Vorstandsmitglied der islamischen Ahmadiyya-Gemeinschaft getroffen. Damals blieb der Ton bis zum Ende freundlich, auch wenn man in der Sache nicht wirklich zusammenfand.

Quelle: dpa

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