Kommentar von Lorenz Maroldt

Regierung rät Frauen: Über Sexistische Sprüche nicht schweigen

Viele Frauen haben das schon erlebt: anzügliche Bemerkungen und dreckige Witze von Männern. Es gehört Mut dazu, sich gegen sexistische Sprüche öffentlich zu wehren. Eine junge CDU-Politikerin hat es getan. Richtig so, sagt die Bundesregierung.

Blick in den Plenarsaal des Deutschen Bundestags © imago/IPON
Blick in den Plenarsaal des Deutschen Bundestags © imago/IPON

Die Bundesregierung ermutigt Frauen, Sexismus im Alltag und am Arbeitsplatz öffentlich anzuprangern. "Es ist gut und mutig, wenn Frauen das offen ansprechen", sagte Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) am Montag in Berlin mit Blick auf einen offenen Brief der Berliner CDU-Politikerin Jenna Behrends über Sexismus in der Partei von Kanzlerin Angela Merkel. 

Schwesig sagte, sexistische Sprüche und sogenannte Herrenwitze seien "nicht nur altmodisch, sondern völlig inakzeptabel". Regierungssprecher Steffen Seibert versicherte: "Da, wo Frauen in unserer Gesellschaft noch immer herabgewürdigt werden als Frauen, da trifft das auf eine ganz klare Haltung, ablehnende Haltung durch die Bundesregierung."

Ist das noch der Hilfeschrei einer Einzelnen oder steckt da mehr dahinter? Ein Kommentar von Lorenz Maroldt, Chefredakteur des Tagesspiegels.


Behrends, Jahrgang 1990, hatte berichtet, ein Senator habe sie auf einem Parteitag der Berliner CDU im Frühjahr als "große süße Maus" bezeichnet. Dieser Senator soll einen Parteifreund zudem gefragt haben: "Fickst du die?" 

CDU-Generalsekretär Peter Tauber hatte der "Bild am Sonntag" zu den Vorwürfen von Behrends gesagt: "Geschichten wie diese bekomme ich immer wieder geschildert. Aber ohne Nennung von Namen." Dann sei es schwierig, etwas dagegen zu tun. "Umso wichtiger, dass es nun diese Debatte gibt." Sexismus sei nicht nur ein Problem in der Politik. "Wir brauchen eine größere Sensibilität in allen Bereichen der Gesellschaft." 

Ähnlich äußerte sich am Montag die stellvertretende Unions-Fraktionschefin Nadine Schön. "In der Partei genauso wie in der ganzen Gesellschaft muss das Thema stärker diskutiert werden, thematisiert werden", sagte sie im Deutschlandfunk.

Linke-Chef Riexinger hat große Zweifel, dass die CDU ernsthaft eine Debatte über Sexismus in den eigenen Reihen führen werde.


Schön sagte, man müsse zwischen einer laxen Bemerkung und einer verletzenden, sexistischen Bemerkung unterscheiden. Eine erwachsene Frau "große süße Maus" zu nennen, halte sie nicht für akzeptabel. Schön sagte, sie selbst habe die von Behrends geschilderten Erfahrungen nicht gemacht. "Aber ich kenne das natürlich auch von Berichten von Bekannten und Freundinnen, jetzt egal, ob in der Politik, in der Wirtschaft oder auch in Vereinen und Verbänden." 

Der Grünen-Vorsitzende Cem Özdemir sagte, Politik sei über Jahrhunderte eine von Männern dominierte Veranstaltung gewesen, noch heute seien die Machtzirkel in vielen Parteien von Männern dominiert. Wenn in einem Gremium 50 Prozent Frauen säßen, sei die Art der Unterhaltung zwangsläufig eine andere. Frauen in Gremien hätten eine "sehr disziplinierende Wirkung auf Männer". Das sollten alle Parteien beherzigen. Sexuelle Anspielungen oder die Verniedlichung von Frauen dürfe es nicht geben. 

Linke-Chef Bernd Riexinger sagte, seine Partei habe eine Quotierung und einen starken feministischen Flügel, der die Sensibilität fördere. Er habe große Zweifel, dass die CDU ernsthaft eine Debatte über Sexismus in den eigenen Reihen führen werde.

Quelle: dpa

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