Drama, Kriegsfilm

Persischstunden

Der belgische, junge Jude Gilles (anrührend von Nahuel Pérez Biscayart gespielt) wird in ein KZ verschleppt, wo er behauptet Perser zu sein, um der Ermordung zu entgehen. Der Lagerkommandant Koch (beängstigend in seiner brutalen Bedrohlichkeit und zugleich auch ambivalente Täterfigur mit einigen menschlichen Zügen: Lars Eidinger) möchte nach dem Krieg ein Restaurant ausgerechnet in Teheran eröffnen.

Szene aus dem Film "Persischstunden"
Szene aus dem Film "Persischstunden" | © Alamodefilm

Deshalb will er Farsi bei Gilles lernen, der verzweifelt Wörter und schließlich eine ganze Sprache erfindet. Gilles erdachte Sprache bewahrt die Erinnerung an die Ermordeten, jeder Fehler kann seinen Tod bedeuten, jedes vergessene Wort könnte ihn enttarnen.

Regisseur Vadim Perelman stammt aus einer jüdischen Familie in der Ukraine, er lebt heute in Kanada. Sein spannender und bewegender Film verzichtet auf ausgestellte Grausamkeiten, aber die tödliche Gefahr ist immer spürbar, er eröffnet vielleicht gerade für junge Leute einen Zugang zu dieser Epoche deutscher Geschichte, basierend auf einer Kurzgeschichte von Wolfgang Kohlhaase. Der Film erinnert an den DEFA-Klassiker „Jakob der Lügner“ mit dem ausgedachten Radio, auch hier gibt eine kluge Erfindung den Menschen neue Hoffnung.

 

Kritiker: Knut Elstermann

gelungen

Regie: Vadim Perelman
Darsteller: Nahuel Pérez Biscayart, Lars Eidinger, Jonas Nay
Erscheinungsjahr: 2020
Herkunftsland: Russland, Deutschland