Drama

Pelikanblut

Der Pelikan ist in der christlichen Tiermythologie ein Symbol für aufopfernde Liebe, er öffnet sich die Brust, um mit seinem Blut die toten Jungen wieder zum Leben zu erwecken, ein Christus-Motiv.

Nina Hoss im Film "Pelikanblut"
Nina Hoss im Film "Pelikanblut" | © DCM

Die Heldin, Wiebke, in Katrin Gebbes („Tore tanzt“) eindrucksvollem Film ist auch bereit, für ihr schwieriges Kind alles zu tun. Als das tobende Mädchen Raya sie beim Essen mit Ketchup bespritzt, sieht das plötzlich auf dem T-Shirt der Mutter wie die bluttriefende Wunde des Pelikans aus. Die junge Frau, eine Pferdetrainerin, von Nina Hoss in einer ihrer besten Rollen warmherzig, mit einem unendlichen Reichtum an Emotionen gespielt, hat die kleine Raya aus Bulgarien geholt, um ihrer anderen, ebenfalls adoptierten Tochter eine Schwester zu schenken.

Doch dieses schwer traumatisierte Mädchen Raya (eine unglaublich packende Leistung von Katerina Lipkowska) hat keinen Zugang zu seinen Gefühlen, es wütet grenzenlos gegen sich und andere und zerstört das Leben der kleinen Familie. Die Mutter gibt gegen alle Ratschläge nicht auf, sie kämpft bis zur Selbstaufgabe um dieses Kind. Katrin Gebbe wendet ihre fesselnde Geschichte nicht in die erwartbare Richtung Sozialdrama, sondern weitet sie zu einem fast mythischen Sinnbild für absolute Hinwendung, für jene, nicht wirklich erklärbare Fähigkeit zur Liebe, ohne die es keine Menschlichkeit geben kann.

Kritiker: Knut Elstermann

gelungen

Regie: Katrin Gebbe
Darsteller: Nina Hoss. Katerina Lipovska, Yana Marinova
Erscheinungsjahr: 2020
Herkunftsland: Deutschland, Bulgarien