Drama

Die Erbinnen

auf DVD oder im Stream

Das sind Sternstunden bei der Berlinale: Man kennt weder den Regisseur, noch die Darstellerinnen, weiß auch nichts über das Filmland, man erwartet nichts Besonderes und dann verschlägt es einem den Atem. "Erbinnen" war 2018 so ein Moment.

Eine Szene aus dem Film "Die Erbinnen"
Eine Szene aus dem Film "Die Erbinnen" | © Grandfilm

Regisseur Marcelo Martinessi erzählt nach seinem eigenen Drehbuch von zwei reifen Damen in Asunción. Sie wohnen schon seit Jahrzehnten zusammen, Chiquita und Chela und haben die sich in der Routine ihres Alltags eingerichtet. Sie leben von einem Erbe, das allerdings rasant dahinschwindet. Als Chiquita wegen Betrugs für einige Zeit ins Gefängnis muss, wo sie in der ungewohnten Umgebung viele neue Freundinnen findet, beginnt Chela, reiche Frauen zu chauffieren, ohne Führerschein übrigens.

Ana Brun (Silberner Bär der Berlinale!) und Margarita Irún spielen mit Hingabe und zugleich ganz sparsam und uneitel diese beiden Frauen. Allein die Verwandlung ihres Hauses ist in diesem stimmigen und klug gebauten Films ein stimmiges Detail der Geschichte. Aus der vollgestellten, düster überladenen Behausung verschwindet Stück für Stück der Wohlstand, aber mit jedem in der Not verkauften Objekt wird es luftiger und heller - ein schönes Symbol für die Krise, die auch den beiden Frauen ungeahnte neue Perspektiven schenkt.

Kritiker: Knut Elstermann
Regie: Marcelo Martinessi
Darsteller: Patricia Abente, Margarita Irún, Ana Ivanova Villagra
Erscheinungsjahr: 2018
Herkunftsland: Paraguay, Uruguay