Dokumentation

Chris The Swiss

Christian Würtenberg in Chris The Swiss
Christian Würtenberg in Chris The Swiss | © Urban Distribution

Der Balkankrieg ist seit über 20 Jahren zu Ende. Doch nicht nur dort, in den Staaten des ehemaligen Jugoslawien, sind seine Spannungen, seine Verwundungen noch immer spürbar.

Die Schweizer Regisseurin Anja Kofmel verlor in diesem Krieg ihren Cousin, Christian Würtenberg, einen faszinierenden, jungen Mann mit einer welterfahrenen Aura. Nur wenig blieb von ihm, einige sehr lückenhafte Aufzeichnungen, kaum ein paar Bilder. Die Suche nach den Gründen für seinen rätselhaften Tod trieb sie zu diesem großartigen, in Cannes gefeierten Recherchefilm. Sie reiste auf den Spuren von Christian nach Kroatien, wo er die Seiten wechselte, vom Journalisten zum Kämpfer wurde. Als man die Leiche des Ermordeten fand, trug er die Uniform einer erzkatholischen, obskuren Söldnertruppe. Wer tötete ihn?

Anja Kofmel befragt Zeugen und einstige Kameraden und verwendet dort, wo es keine Bilder gibt, düstere, eindrucksvolle Animationen. Die Mittel des Zeichentrickfilms werden so klug und effektvoll für das dokumentarische Erzählen verwendet, dass sie nicht nur fehlendes Filmmaterial ersetzen: Sie ermöglichen einen tiefen Blick in die Innenwelten eines idealistischen, jungen Mannes, der sich in einen grausamen Krieg verstrickte, über den er zunächst nur berichten wollte.

Kritiker: Knut Elstermann

gelungen

Regie: Anja Kofmel
Darsteller: Anja Kofmel, Megan Gay, Joel Basman
Erscheinungsjahr: 2019
Herkunftsland: Schweiz, Kroatien, Deutschland, Finnland