Internationale Filmfestspiele Berlin

Die Preisträger der 69. Berlinale

Unter dem Vorsitz der französischen Schauspielerin und Oscar-Preisträgerin Juliette Binoche hat die Internationale Jury (Filmkritiker Justin Chang (USA), Schauspielerin Sandra Hüller (Deutschland), Regisseur Sebastián Lelio (Chile), Kurator und Autor Rajendra Roy (USA) und Schauspielerin und Produzentin Trudie Styler (Großbritannien)) über die Vergabe des Goldenen und der Silbernen Bären im Wettbewerb der Berlinale 2019 entschieden.

Goldener und Silberner Bär © snapshot-photography/T. Seeliger
Goldener und Silberner Bär © snapshot-photography/T. Seeliger

Bei der Berlinale gibt es einen Überraschungssieger: Der israelische Regisseur Nadav Lapid erzählt in "Synonyme" von der Identitätssuche eines jungen Mannes. Auch das deutsche Kino kann die Jury überzeugen.

Das Drama "Synonyme" über einen jungen Israeli hat bei der Berlinale überraschend den Goldenen Bären gewonnen. Regisseur Nadav Lapid erzählt darin die Geschichte eines Mannes, der in Paris seine israelischen Wurzeln hinter sich lassen möchte. Den Gewinner des Hauptpreises gab Jurypräsidentin Juliette Binoche am Samstagabend in Berlin bekannt. 

Auch deutsche Kandidaten waren bei den 69. Internationalen Filmfestspielen erfolgreich. So ging der Silberne Bär für die beste Regie an Angela Schanelec. Die 57-Jährige erzählt in "Ich war zuhause, aber" davon, wie eine Mutter mit dem Tod ihres Partners umgeht. Es ist aber auch ein Film über die Kunst an sich. 

Das Drama "Systemsprenger" der deutschen Regisseurin Nora Fingscheidt bekam den Alfred-Bauer-Preis. Damit wird ein Spielfilm geehrt, der "neue Perspektiven eröffnet". Der Film handelt von einem gewalttätigen Mädchen, das von einer Unterbringung in die nächste geschoben wird und das Jugendhilfesystem an seine Grenzen bringt.

Zum ersten Mal gewinnt ein Regisseur aus Israel den Goldenen Bären


"Synonyme" handelt vom jungen Yoav (Tom Mercier) aus Tel Aviv, der seine Vergangenheit hinter sich lassen will. Er zieht nach Paris und lernt wie wild Französisch, weil er kein Hebräisch mehr sprechen will. Die Geschichte ist angelehnt an Nadav Lapids eigene Biografie.

Lapid wurde 1975 in Tel Aviv geboren, zog nach seinem Militärdienst nach Paris und wieder zurück. "Ich glaube, das sind Fragen, die Menschen überall in der Welt angehen: Wie weit wir uns von unserer Identität lossagen und eine neue entwickeln können", sagte Lapid über seinen Film. Die französisch-israelisch-deutsche Koproduktion galt unter Kritikern nicht unbedingt als Favorit.

Den Großen Preis der Jury holte am Samstagabend der französische Regisseur François Ozon mit "Gelobt sei Gott" über Missbrauch in der katholischen Kirche. Als beste Darsteller wurden die Chinesen Yong Mei und Wang Jingchun ausgezeichnet: Sie spielen in "So Long, My Son" ein Ehepaar, dessen Schicksal über 30 Jahre hinweg begleitet wird. 

Der Silberne Bär für das beste Drehbuch geht an ein Team um den Autor und Mafiakritiker Roberto Saviano. Der Italiener stellte auf der Berlinale den Film "Piranhas" vor, der von einer Jugendbande in Neapel erzählt, die in Drogengeschäfte abrutscht. Geehrt wurde auch der Kameramann Rasmus Videbæk für eine "herausragende künstlerische Leistung" im skandinavischen Film "Pferde stehlen". 

Die Berlinale wurde in diesem Jahr zum letzten Mal von Dieter Kosslick geleitet. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) würdigte Kosslick als "wahren Filmhelden". Er habe die Berlinale stets an den Fronten der großen, kontroversen Debatten unserer Zeit positioniert. Unter Kosslick habe sich die Berlinale zum größten Publikumsfestival entwickelt.

Liste der Preisträger 2019:


Goldener Bär für den Besten Film:

"Synonymes" ("Synonyms"/"Synonyme") von Nadav Lapid
(Frankreich / Israel / Deutschland 2019, 123 Min)

Silberner Bär Großer Preis der Jury:
"Grâce à Dieu" ("By the Grace of God"/"Gelobt sei Gott") von François Ozon
(Frankreich 2019, 137 Min)

Silberner Bär Alfred-Bauer-Preis:
"Systemsprenger" von Nora Fingscheidt
(Deutschland 2019, 118 Min)

Silberner Bär für die Beste Regie:
Angela Schanelec für "Ich war zuhause, aber" ("I Was at Home, But")
(Deutschland / Serbien 2019, 105 Min)

Silberner Bär für die Beste Darstellerin:
Yong Mei in Di jiu tian chang (So Long, My Son) von Wang Xiaoshuai
(Volksrepublik China 2019, 175 Min)

Silberner Bär für den Besten Darsteller:
Wang Jingchun in Di jiu tian chang (So Long, My Son) von Wang Xiaoshuai
(Volksrepublik China 2019, 175 Min)

Silberner Bär für das Beste Drehbuch:
Maurizio Braucci, Claudio Giovannesi und Roberto Saviano für "La paranza dei bambini" ("Piranhas") von Claudio Giovannesi
(Italien 2018, 110 Min)

Silberner Bär für eine Herausragende Künstlerische Leistung:
Rasmus Videbæk für die Kamera in "Ut og stjæle hester" ("Out Stealing Horses"/"Pferde stehlen") von Hans Petter Moland
(Norwegen / Schweden / Dänemark 2019, 122 Min)

GWFF Preis Bester Erstlingsfilm:
"Oray" von Mehmet Akif Büyükatalay
(Deutschland 2019, 100 Min)

Weitere Preisträger:

Glashütte Original - Dokumentarfilmpreis:
"Talking About Trees" von Suhaib Gasmelbari
(Frankreich / Sudan / Deutschland / Tschad / Katar 2019, 93 Min)

Goldener Ehrenbär:
Film- und Theaterschauspielerin Charlotte Rampling für ihr Lebenswerk

Berlinale Kamera:
Sandra Schulberg (USA), Gründerin des IFP (Independent Filmmaker Project)

Wieland Speck (Deutschland), langjähriger Leiter der Sektion Panorama

Agnès Varda (Belgien / Frankreich), Filmemacherin

Panorama Publikums-Preis:
"37 Seconds" von HIKARI
(Japan 2019, 115 Min, Spielfilm)

"Talking About Trees" von Suhaib Gasmelbari
(Frankreich / Sudan / Deutschland / Tschad / Katar 2019, 93 Min, Dokumentarfilm)

Goldener Bär für den Besten Kurzfilm:
"Umbra" von Florian Fischer und Johannes Krell
(Deutschland 2019, 20 Min)

Silberner Bär Preis der Jury (Kurzfilm):
"Blue Boy" von Manuel Abramovich
(Argentinien / Deutschland 2019, 19 Min)

Audi Short Film Award:
"Rise" von Bárbara Wagner und Benjamin de Burca
(Brasilien / USA / Kanada 2018, 20 Min)

Amnesty International Filmpreis:
"Espero tua (re)volta" ("Your Turn") von Eliza Capai
(Brasilien 2019, 93 Min)

Teddy Award:
"Breve historia del planeta verde" ("Brief Story from the Green Planet") von Santiago Loza
(Argentinien / Deutschland / Brasilien / Spanien 2019, 75 Min, Bester Spielfilm)

"Lemebel" von Joanna Reposi Garibaldi
(Chile / Kolumbien 2019, 96 Min, Bester Dokumentar-/Essayfil)

"Entropia" von Flóra Anna Buda
(Ungarn 2018, 10 Min, Bester Kurzfilm)

"A Dog Barking at the Moon" von Xiang Zi
(Volksrepublik China / Spanien 2019, 107 Min, Jury Award)

Falk Richter
(Special Teddy Award)

Quelle: dpa