Soundcheck

On & On von Daniel Blumberg

On & On von Daniel Blumberg
On & On von Daniel Blumberg | © Mute (Rough Trade)

Der 30-jährige Musiker aus London zwingt einen, über Grenzen nachzudenken. Wann fängt ein Song an, wann hört er auf? Was macht ihn aus? Die Melodie oder das vage Gefühl von Kontinuität?

Obwohl sich Blumberg solchen Fragen seit zehn Jahren widmet und 2018 ein erstes experimentelles Folk-Album veröffentlicht hat („Minus“), setzt er sein dekonstruktives Werk erst mit diesem zweiten Solowerk richtig um. Es bewegt sich so konsequent zwischen Songwriting und freier Improvisation, das sich beides nicht mal ausschließt.

Begleitet wird der Sänger und Multiinstrumentalist dabei von Leuten aus der kleinen Londoner Improv-Theater-Szene um das Café Oto, die seine fragil mäandernden Songs oft um etwas erweitern, das wie Nebel in der Luft liegt. Dann wieder singt Blumberg hippiemäßig beseelt wie der frühe Neil Young davon, alles aufgeben und hinter sich lassen zu wollen. Aber für eine letzte Träne bleibt noch Zeit.

Diese Musik ist in Zeitschleifen gefangen und gleichzeitig erlöst von ihnen. „I didn’t ask for nothing”, heißt es in einem der Songs, die das Titelthema variieren, “I didn’t wanna ask / ‘Cause I expected this love to go on / And on and on and on…” Sanfter hat eine Befreiung selten geklungen.

Kai Müller, Tagesspiegel

Soundcheckwertung: 2 x Hit & 2 x Geht in Ordnung