Soundcheck

i,i von Bon Iver

I,I von Bon Iver
I,I von Bon Iver | © JAGJAGUWAR / CARGO

Bei Justin Vernon weiß man nie, ob er seine Selbstzweifel überwindet. Wie oft hieß es schon, dass sein Projekt Bon Iver zerfallen sei, mit dem der Songwriter Ende der nuller Jahre den Sound der Indie-Folk-Szene aufbrach und in etwas verwandelte, das ergreifend und angegriffen zugleich klang. Pathos kurz vor dem Kollaps, das ist sein Markenzeichen. Denn Vernon misstraut einfachen Gefühlen. Seit er mit seinem konventionellen Debüt („For Emma, Forever Ago“, 2008) erste intime Akzente setzte, greift er Songstrukturen immer wieder mit elektronischen Verfremdungen und einer nebulösen Dramaturgie an.

Mit dem vierten Album, das ohne jeden Werbeaufwand erschien und sich bereits vor einem Monat über diverse digitale Kanäle verbreitete, bändigt er die Spannungen seiner Seele in grandiosen Songs. Es geht darin um die Frage, wer man ist, wenn man Ich sagt. Eine reale Person oder nur die poetische Erfindung einer solchen?

Kai Müller, Tagesspiegel

Soundcheckwertung: 1 x Hit & 2 x geht in Ordnung & 1 x Niete