Radiobrücke USA -- New York

Das One World Trade Center

Ground Zero, das ist auch 17 Jahre nach 9/11 immer noch die große Wunde, die der Stadt New York durch den Einsturz der beiden Türme des World Trade Centers zugefügt wurde.

One World Trade Center in New York
One World Trade Center in New York | © radioeins

Auf dem Grundriss der beiden Wolkenkratzer hat man das 9/11-Memorial errichtet, die größten künstlichen Wasserfälle der USA fallen hier in die Tiefe.

radioeins-Reporter Micha Hölzen hat den Ort besucht und berichtet darüber.

9/11-Memorial
9/11-Memorial | © radioeins

Geht Gedenken in so einer hektischen Stadt wie New York überhaupt?


Das ist schon ein sehr weitläufiges, ruhiges Areal, auch die umliegenden Gebäude sind damals ja verschwunden. William aus Oklahoma, 74 Jahre alt, mit Basecap, Schriftzug Vietnam-Veteran, lief da langsam lang, der 11. September hat ihn damals geschockt war für ihn eine Demütigung wie Pearl Harbor.

William ging langsam die Namen der 2983 Opfer durch, die in die Ränder der beiden Brunnen eingefasst sind, suchte den seines besten Freundes, der wie er zwar Vietnam überlebt hatte, dann hier bei den Anschlägen ums Leben kam, und das hat William schon sehr verbittert.

Er sagt klar, das Memorial ist gut, aber am Ende sind es eben trotzdem 3000 Tote, und ist eben sehr traurig.

Die Vereinigten Staaten haben sich ja seit den Anschlägen sehr verändert, auch uns wurden bei der Einreise Fingerabdrücke abgenommen, die NSA entstand, sind die Amerikaner immer noch im Alarmmodus?


Ja, sagt Bernice Rodriguez. Aber sie findet auch, dass die Angst gerade von ihrem aktuellen Präsidenten nochmal ganz bewusst geschürt wird. Am Ende glaubt sie aber an die gemeinsamen Werte der Amerikaner und auch daran, dass das Land auch wieder aus dem permanenten Alarmmodus raus kommen wird.

Neben den beiden riesigen Brunnen hat man das One World Trade Center (1 WTC) gebaut - mit 541 Metern das höchste Gebäude der USA.


1776 Fuß hoch ist der neue Bau, Gründungsdatum der USA, sollte eigentlich Freedom Tower heißen, das ließ sich aber nicht so gut vermarkten, also hat man den neuen Turm einfach genannt wie den alten Nordturm. One World Trade Center. Aber nicht wie in "we are one world", sondern die "One" ist schlicht die Hausnummer.

Seit 2015 gibt es ganz oben eine Aussichtsplattform und der Weg mit dem Fahrstuhl nach oben ist einfach sensationell. Der Fahrstuhl besteht auf drei Seiten aus Projektionsflächen, du steigst im Untergeschoss ein, bist erst von Felswänden umgeben, dann geht die Fahrt nach oben, du kommst an die Erdoberfläche, siehst Manhattan erst total grün und bewaldet, steigst immer höher, die ersten Gebäude entstehen, Segelschiffe legen an, dann wachsen die ersten Wolkenkratzer aus dem Boden, du erlebst im Fahrstuhl die Geschichte der Stadt in 47 Sekunden, aus immer größerer Höhe.

Und oben angekommen hast du einen sensationellen Blick, das Ganze hat aber auch einen sensationellen Preis, Fahrstuhlfahren für 41 Dollar, inklusive hartem Security-Check und eine Stunde Schlange stehen.

Blick von der Aussichtsplattform des One World Trade Center
Blick von der Aussichtsplattform des One World Trade Center | © radioeins

9/11 ist immer noch sehr präsent im kollektiven Gedächtnis der Amerikaner, aber aus jeder Niederlage erschafft dieses Land etwas neues, was dann im Idealfall offenbar sogar sehr gut gemachtes Entertainment ist.