FilmFestival Cottbus - Helke Misselwitz über Frauenrollen im Sozialismus und danach

Helke Misselwitz auf dem Boulevard der Stars am Potsdamer Platz in Berlin © imago images/Eventpress
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Helke Misselwitz gehört zu den wichtigsten Filmemachern der letzten DEFA-Generation. Bereits während der Studienzeit fallen ihre filmischen Übungen auf, aber erst 1988 kann sie mit der Dokumentation WINTER ADÉ (1988) nationale Anerkennung erzielen. Die Dokumentation ist eine der wichtigsten über Frauen in der DDR, Sehnsüchte und Befindlichkeiten kommen ungefiltert zum Ausdruck.

Auch danach dreht die Regisseurin erfrischende Arbeiterporträts, liefert ungeschminkte Bilder über die DDR-Jugend ab und verfilmt mit HERZSPRUNG (1992) einen der wenigen deutschen Filme über die politische und gesellschaftliche Aktualität kurz nach der politischen Wende in Ostdeutschland.

Knut Elstermann spricht mit Helke Misselwitz über Frauenrollen im Sozialismus und danach.


Helke Misselwitz wird am 18. Juli 1947 in Planitz, bei Zwickau geboren. Nach ihrer Schulausbildung lernt sie den Beruf einer Möbeltischlerin und absolviert dazu ihr Abitur. Nach dem Abschluss der Hochschulreife lässt sie sich an der Medizinischen Akademie Erfurt von 1966 bis 1969 als Physiotherapeutin ausbilden. Danach geht sie nach Berlin und ist als freie Moderatorin sowie Regieassistentin beim Fernsehen der DDR beschäftigt. 1973 wird sie fest angestellt. Zwischen 1973 und 1978 entstehen erste eigene Sendungen. Vom Sender wird sie an die Hochschule für Film und Fernsehen nach Potsdam-Babelsberg delegiert, studiert dort von 1978 bis 1982 im Fachbereich Regie.

Bereits mit ihren Studentenarbeiten erregt Helke Misselwitz Aufmerksamkeit. In VERSTECKEN (1979) und EIN LEBEN (1980) beschäftigt sie sich mit der nationalsozialistischen Zeit, schildert kurz und präzise Situationen um Menschlichkeit und Brutalität. Die Wahl ihres Sujets ist für die Konventionen der Hochschule ungewöhnlich, auch stilistisch fällt der letzte Film durch die Vermischung von dokumentarischen und fiktionalen Momenten auf, erzählt er doch die Geschichte einer deutschen Frau, die ihren Jungen vor der Hitlerjugend bewahrt und einer jüdischen Familie hilft. Er irritiert, weil er in keine der vorgegebenen Schubladen von Opfer und Täter passt. EIN LEBEN (1980) zeigt nur das, was der Film im Titel vorgibt zu zeigen. In HAUS. FRAUEN (1981) porträtiert sie die Bewohner eines heruntergekommenen Hauses. Ihre Diplomarbeit wird DIE FIDELE BÄCKERIN (1982) und schildert den Werdegang einer opportunistischen Kleinbürgerin während des Dritten Reiches und nach dessen Zusammenbruch.

Quelle: DEFA-Stiftung

32. FilmFestival Cottbus
FFC

Festival des osteuropäischen Films - 32. FilmFestival Cottbus

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