Fr04.02.
2022
10:00 - 13:00

Die Weber

mit Katja Weber

Ist Erben gerecht?

Katja Weber © rbb/Jenny Sieboldt

Jedes Jahr werden in Deutschland 250 bis 400 Milliarden Euro vererbt oder verschenkt. Etwa sieben Milliarden davon wandern an den Staat. „Viel zu wenig!“ - sagen die einen. Denn ein elitärer Kreis erbt hier immer größer werdende Beträge. Vermögen, welches ganz ohne Leistung weitergegeben wird. Die Erbschaft verstärkt somit die strukturellen Probleme unserer Gesellschaft. Man stelle sich einen 100 Meter Lauf vor, bei dem ein*e Teilnehmer*in kurz vor die Ziellinie gesetzt wird. Chancengleichheit ist da nicht gegeben und dabei wäre die Erbschaftssteuer ein guter Hebel, um genau da etwas zu machen. So gibt es beispielsweise die Idee des „Grunderbes“ für alle. Statt wenige Menschen, die einfach Glück hatten, dass so viel Vermögen in Familienbesitz ist, bekommt jede*r zum 25. Geburtstag 10.000 Euro. Kostenpunkt. laut des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), circa acht Milliarden Euro, also mit einer Verdopplung der aktuellen Einnahmen aus Erbschaftssteuer zu machen.
 
„Moment!“ - sagen da die anderen. Das geerbte Vermögen ist doch nicht leistungslos. Immerhin haben die Eltern oder Großeltern diese Leistung erbracht. Das kann doch nicht einfach ungültig sein. Außerdem steckt das Vermögen doch oft im Unternehmen. Unternehmen, die dem Gemeinwohl dienen, weil sie Arbeitsplätze schaffen und wiederum Steuern generieren. Soll das alles zerschlagen werden, um eine höhere Erbschaftssteuer zahlen zu können? Woher kommen dann die Arbeitsplätze von morgen, wenn sich große private Unternehmen nur eine Generation lang aufbauen können und mit dem Tod des Unternehmers zerfallen? Was heißt das für den Wirtschaftsstandort Deutschland? Diese Argumente führen dazu, dass selbst Bürger*innen ohne Aussicht auf ein großes Erbe eher gegen eine höhere Erbschaftssteuer sind.
 
Wo ist der Kompromiss? Was denken Sie über‘s Erben? Würden Sie auf ein Millionenerbe verzichten zum Wohle der Gemeinschaft? Was halten Sie von der Idee zum einem "Grunderbe" für alle?
 
Die Sendung vom 4. Februar zum Nachhören: