Di05.04.
2022
07:40 - 07:50

rbb|24-Recherche exklusiv

Augenzeugen: Kriegsverbrechen auch im Nordosten Kiews

Neben Butscha soll es auch in nordöstlichen Vororten von Kyjiw Kriegsverbrechen gegeben haben. Das geht aus Augenzeugenberichten hervor, die rbb|24-Recherche vorliegen. Danach sollen auch in den Ortschaften Bohdaniwka und Schewtschenkowe Zivilisten willkürlich hingerichtet worden sein.

Der Schock sitzt immer noch tief, nachdem die Bilder und Berichte aus Butscha um die Welt gegangen sind. Menschenrechtsorganisationen und internationale Journalist*innen sprechen von Kriegsverbrechen. Alle diese Aussagen müssen noch von unabhängiger Seite überprüft werden.

Und auch wenn es hart ist, ist es wichtig sich damit zu beschäftigen. Unsere Kolleg*innen von rbb|24-Recherche haben genau das getan und ihre exklusiven Recherchen zeigen: die Gewalttaten von Butscha sind keine Ausnahme. Auch in nordöstlichen Vororten von Kyjiw Kriegsverbrechen gegeben haben sowie in Irpin, westlich von Kyjiw.

Experten wie der Göttinger Völkerrechtler Kai Ambos, der auch Richter am Kosovo-Tribunal in Den Haag ist, ordnen solche Taten klar als Kriegsverbrechen ein: "In Fällen, wo Zivilisten Opfer von Gewalt sind, sei es direkte Tötung, grausame Behandlung oder sexuelle Gewalt, haben wir ganz klar eine Verletzung des ehernen Grundsatzes des Schutzes der Zivilbevölkerung.", so Ambos. Auch der Potsdamer Militärhistoriker Prof. Sönke Neitzel teilt diese Einschätzung: "Nach allem, was wir wissen, sind Zivilisten und zivile Einrichtungen ein Ziel und es gibt eine radikale Tendenz." Noch sei aber nicht klar, welche Dimension diese Fälle von Kriegsverbrechen haben.

Die mutmaßlichen Kriegsverbrechen in der Ukraine werden inzwischen international untersucht. Nicht nur die Vereinten Nationen gehen den Berichten nach, auch Nichtregierungsorganisationen wie Amnesty International und Human Rights Watch sammeln Indizien und Beweise. In Deutschland befassen sich Bundeskriminalamt, Bundesnachrichtendienst und die Bundesanwaltschaft mit den Vorwürfen.

An dieser Recherche mitgearbeitet hat auch rbb-Reporterin Ute Barthel.