So01.05.
2022
13:00 - 17:00

Radioday zum Thema "Protest"

We're on Strike

mit Sophia Wetzke

Der 1. Mai ist als Tag der perfekte Zeitpunkt, um über ein Thema zu sprechen, was uns gerade in Berlin bestens bekannt ist: Protest.

Radioday am 1. Mai: We're on Strike © imago images/Pacific Press Agency/Müller-Stauffenberg

Die Hauptstadt ist der Mittelpunkt der Republik, wenn politische Bewegungen zeigen wollen: Wir sind hier, wir sind laut und wir wollen Veränderungen. Egal ob Klimaaktivist*innen, Gewerkschaften oder zuletzt die große Friedensdemonstration anlässlich des Ukraine-Kriegs. Am Sonntag, den 1. Mai 2022, gehen wir beim Radioday "We're on Strike" mit Aktivist*innen und Wissenschaftler*innen dem Phänomen Protest auf den Grund.

Anlässlich des Tags der Arbeiter*innenbewegung wollen wir uns verschiedene Protestbewegungen angucken und uns fragen: Wie hat Protest unsere Welt verändert? Warum protestieren Menschen? Was haben Kunst und Musik mit Protest zutun und welche Themen prägen Protestbewegungen bis heute?

16:40

We’re on Strike – der radioeins Radioday zum Thema Protest

Stimmrecht gegen Unrecht: Feminismus für Einsteiger*innen

"Stimmrecht gegen Unrecht" ist ein junges feministisches Kollektiv, das sich für die Selbstbestimmungsrechte von FLINT*-Personen einsetzt. Der Begriff FLINT steht für Frauen, Lesben, inter, nicht-binäre und trans Personen.

Demonstration für Selbstbestimmung der Frauen in Berlin am 19.09.2020 © imago images/Emmanuele Contini
imago images/Emmanuele Contini

Slogan der Initiative ist "Feminismus für Einsteiger*innen", ihr Ziel: niedrigschwelligen Zugang zu feministischer und aktivistischer Arbeit zu schaffen. Sie setzten sich seit Jahren mit digitalen und öffentlichen Aktionen für die Anfang März 2022 beschlossene Abschaffung des Paragraphen 219a ein. Wir sprechen mit Leonie Vollmer, die fast seit Gründung der Initiative dabei ist. [mehr]

Demonstration für Selbstbestimmung der Frauen in Berlin am 19.09.2020 © imago images/Emmanuele Contini
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16:20

We’re on Strike – der radioeins Radioday zum Thema Protest

Die deutsche proletarische Frauenbewegung und ihre Geschichte

Wie jede soziale Bewegung hat auch die Frauenbewegung keine einheitliche Geschichte: Gerade in ihrer Entstehungsphase im 19. Jahrhundert kristallisierten sich relativ schnell zwei Lager heraus: die proletarische und bürgerliche Frauenbewegung.

Straßenszene in Berlin um 1900 © imago images/United Archives International
imago images/United Archives International

Während die bürgerliche Frauenbewegung Recht auf eine akademische Ausbildung, Studium und gesellschaftliche Teilhabe an Politik und Frauenwahlrecht forderte, bestand die proletarische Frauenbewegung vor allem Recht auf Teilhabe am Arbeitsmarkt, die freie Wahl der Erwerbsarbeit, gleicher Lohn für gleiche Arbeit im Mittelpunkt.
 
Und während sich die proletarischen Frauenrechtlerinnen auch versuchten, sich Gewerkschaften anzuschließen, stießen sie hier zunächst auf massiven Widerstand. Zunehmend erschwerten die sogenannten Sozialistengesetze die Organisation in Verbänden und Parteien. Trotzdem schaffte es die proletarische Bewegung um 1900 zur globalen Bewegung, wie, das besprechen wir mit Historikerin und Sozialforscherin Prof. Dr. Jana Günther.

Straßenszene in Berlin um 1900 © imago images/United Archives International
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16:10

We’re on Strike – der radioeins Radioday zum Thema Protest

Als Journalist auf rechten Protesten

"Demonstrationen und Proteste bilden auch im Jahr 2021 den gefährlichsten Arbeitsplatz. Durch tätliche Angriffe und Bedrohungen entsteht hier das größte Berufsrisiko für Journalist:innen in Deutschland", heißt es in einer Studie des Europäischen Zentrum für Presse- und Medienfreiheit (ECPMF) in Leipzig.

rbb-Journalist Olaf Sundermeyer berichtet am 17.06.2017 auf der Demo der Identitären Bewegung in Berlin © imago images/Rolf Kremming
imago images/Rolf Kremming

Die Forscher*innen verzeichneten 2021 83 tätliche Angriffe gegen Journalist*innen. Das sind 14 mehr als noch 2020. In den registrierten Fällen waren demnach insgesamt 124 Medienschaffende von der Gewalt betroffen - darunter waren auch Journalistenteams. Bei 60 Prozent ließe sich der politische Hintergrund schwer zuordnen, ein Prozent sei dem linken und 39 Prozent dem rechten Spektrum zuzuordnen.
 
Olaf Sundermeyer ist Journalist bei rbb24 Recherche und beschäftigt sich seit Jahren mit der rechten Szene. Er berichtet von rechten Demonstrationen und in den letzten Jahren von Querdenker-Protesten. In einem Interview zum Tag der Pressefreiheit sagt er, dass er die Zäsur für den Reporteralltag 2014 verordnet. Da hat sich in Dresden Pegida gegründet, zugleich kam die AfD als starke parlamentarische Kraft auf. Damals sei das Narrativ der "Lügenpresse" entstanden.

rbb-Journalist Olaf Sundermeyer berichtet am 17.06.2017 auf der Demo der Identitären Bewegung in Berlin © imago images/Rolf Kremming
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15:50

We’re on Strike – der radioeins Radioday zum Thema Protest

Else Kienle

im Portrait

"Es gibt keine absolute moralische Begründung, die ein Gesetz ewig und unabänderlich machen kann. Gesetze sind von Menschen für Menschen gemacht und müssen sich mit ihnen wandeln", schrieb die Ärztin, Aktivistin und Autorin Else Kienle 1931 in ihrem Manuskript "Frauen. Aus dem Tagebuch einer Ärztin".

Kristina Hänel porträtiert Else Kienle © imago images/epd
imago images/epd

Sie setzte sich für den "Wandel" eines ganz bestimmten Gesetzes ein und zwar gegen den Paragraph 218, der Schwangerschaftsabbrüche verbietet. Nach der Gründung des Deutschen Reiches trat im Januar 1872 der Paragraph 218 des Reichstrafgesetzbuches in Kraft. Der Protest gegen den Paragraphen, der bis heute existiert, ist so alt wie der Paragraph selbst.
 
Die Allgemeinmedizinerin Kristina Hänel führt den Protest für die völlige Abschaffung des Paragraphen und die Abschaffung des Paragraphen 219a fort und hat uns erzählt, wie Else Kienle ihren Aktivismus inspiriert.

Kristina Hänel porträtiert Else Kienle © imago images/epd
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15:40

We’re on Strike – der radioeins Radioday zum Thema Protest

Magnus Hirschfeld Stiftung: Das Archiv der anderen Erinnerung

Die Magnus Hirschfeld Stiftung in Berlin initiiert und fördert Erinnerungs-, Forschungs- und Bildungsprojekte. In ihrem "Archiv der anderen Erinnerungen" werden Lebensgeschichten von LGBTQIAs in ausführlichen biographischen Videointerviews dokumentiert.

Daniel Baranowski, Vorstand der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld © BMH
BMH

Wir sprechen mit dem Leiter des Projekts, Dr. Daniel Baranowski, über das Archiv: Welche Menschen erzählen hier und in welchem Sinn ist sind ihre Erinnerungen "anders"? Inwiefern führen neben vielen lauteren, aktivistischen Stimmen zahlreiche queere Menschen einen Protest im Stillen? [mehr]

15:10

We’re on Strike – der radioeins Radioday zum Thema Protest

"Eine Frau ist eine Frau ist eine Frau"

Phenix Kühnert ist LGBTQIA+-Aktivistin und hat gerade ihr erstes Buch veröffentlicht. In "Eine Frau ist eine Frau ist eine Frau" teilt sie sehr persönliche Anekdoten - von Familienfesten, der Berliner Datingwelt und dem Dönerverkäufer, dem sie ihren heutigen Namen verdankt.

Phenix Kühnert © dpa/AAPimages/Timm
dpa/AAPimages/Timm

Sie schreibt aber ebenso über strukturelle Diskriminierungen, Sprache und Transidentität und den langen harten Kampf der LGBTQIA-Aktivist*innen. "Wir sind keine Paradiesvögel, sondern Menschen!", sagt Phenix Kühnert über sich und ihre Community und fordert uns alle auf, den Mund aufzumachen auf dem Weg in eine weniger normierte Zukunft.
 
Aber wie setzt man sich als Einzelperson für die Belange einer ganzen Gruppe ein? Wie wichtig ist ihr ihre aktivistische Arbeit? Gibt es Tage an denen sie sich vielleicht wünschen würde keine Aktivistin zu sein?

Phenix Kühnert © dpa/AAPimages/Timm
dpa/AAPimages/Timm
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14:40

We’re on Strike – der radioeins Radioday zum Thema Protest

Warum nicht jede*r streiken darf

Streik ist doch eigentlich ein Grundrecht in Deutschland, oder? Tatsächlich ist das Recht auf Streik für das Aushandeln von Tarifverträgen im Grundgesetz im Artikel 9 Absatz 3 verankert, im gleichen Artikel der sicherstellt, dass es jedem frei steht sich in einer Gewerkschaft zu organisieren.

Gorillas-Mitarbeiter protestieren am 06.10.2021 mit einer Lärm-Demo vor der Firmenzentrale in Berlin © imago images/Mike Schmidt
imago images/Mike Schmidt

Doch alleine streiken dürfen Arbeitnehmer*innen ohne gewerkschaftliche Beteiligung nicht. Einer der medial bekanntesten Streiks der letzten Monate war der Ausstand des Lieferpersonals des Startup-Unternehmens Gorillas. Nachträglich entschied das Berliner Arbeitsgericht, dass der Streik illegal war.
 
Woher die Regeln fürs Streiken in Deutschland kommen und wie sie aussehen, das erklärt Dr. Johanna Wenckebach, wissenschaftliche Direktorin des Hugo-Sinzheimer-Instituts für Arbeits- und Sozialrecht der Hans-Böckler-Stiftung.

Gorillas-Mitarbeiter protestieren am 06.10.2021 mit einer Lärm-Demo vor der Firmenzentrale in Berlin © imago images/Mike Schmidt
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14:20

We’re on Strike – der radioeins Radioday zum Thema Protest

Marsha P. Johnson

im Portrait

Im kommenden Monat - im Juni - ist Pride-Month: Jedes Jahr kommen in diesem Sommermonat weltweit LGBT+ Communities zusammen, um die Freiheit zu feiern, sie selbst sein zu können – oder gegen die Unfreiheit, dies zu tun, zu protestieren.

Bambi Mercury porträtiert Marsha P. Johnson © privat | imago images/Everett Collection
privat | imago images/Everett Collection

Seinen Ursprung haben die Demonstrationen und Paraden im Jahr 1969, damals wehrten sich Besucher und Besucherinnen eines beliebten New Yorker Schwulenclubs gegen eine Polizeirazzia. Mit dem Dragkünstler und Aktivisten Bambi Mercury haben wir über Marsha P. Johnson gesprochen. Die Aktivistin und Drag-Künstlerin war an den sogenannten Stonewall-Unruhen beteiligt.

Bambi Mercury porträtiert Marsha P. Johnson © privat | imago images/Everett Collection
privat | imago images/Everett Collection
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14:20

We’re on Strike – der radioeins Radioday zum Thema Protest

Willi Bleicher

im Portrait

Der Autor und Buchenwald-Überlebende Bruno Apitz beschreibt in seinem 1958 veröffentlichten Roman "Nackt unter Wölfen" die Rettung eines kleinen Kindes durch eine Gruppe von Häftlingen im Konzentrationslager Buchenwald. Auch wenn die Geschichte fiktiv erzählt ist, basiert sie auf einem realen Fall.

Kristof Becker porträtiert Willi Bleicher © DGB-Jugend/Jörg Farys | dpa/Morell
DGB-Jugend/Jörg Farys | dpa/Morell

Der Vater des damals dreijährigen Stefan Jerzy Zweig und einige kommunistische Häftlinge, darunter der Gewerkschafter und Widerstandskämpfer Willi Bleicher, retteten dem Kind das Leben. Erst 1963 wurde bekannt, dass einer der Protagonisten Willi Bleicher nachempfunden war.
 
Über Willi Bleicher, seinen Mut und seine Rolle in der Gewerkschaftsbewegung in der BRD haben wir mit Kristof Becker, dem Bundesjugendsekretär des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) gesprochen.

Kristof Becker porträtiert Willi Bleicher © DGB-Jugend/Jörg Farys | dpa/Morell
DGB-Jugend/Jörg Farys | dpa/Morell
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14:10

We’re on Strike – der radioeins Radioday zum Thema Protest

Der Kampf um die 35 Stundenwoche

1995 konnte die IG Metall in einem Flächentarifvertrag die Arbeitszeit in der Metall- und Elektroindustrie durchsetzen, der die in dieser Branche übliche Arbeitszeit von 40 auf 35 Stunden senkt. Allerdings nur für Westdeutschland.

Kundgebung der IG Metall in Warnemünde © imago images/BildFunkMV
imago images/BildFunkMV

Diesem Sieg gingen Arbeitskämpfe voraus, die bereits Mitte der 1980er begannen und die Grundsteine schon vor der Wiedervereinigung legten. Bis 2021 war es der IG Metall nicht gelungen, eine annähernd ähnliche Einigung für den Osten Deutschlands zu erringen. Ein Grund dafür: Der schlechte Organisationsgrad und damit die schwache Verhandlungsposition der Gewerkschaft.
 
Im letzten Jahr dann ein kleiner Durchbruch: Zwar scheiterten die Verhandlungen für einen Flächentarifvertrag allerdings konnte die IG Metall in einem Rahmentarifvertrag festhalten, dass betriebliche Regelungen gefunden werden können und das mit Erfolg, findet zumindest die Gewerkschaft selbst. Inzwischen liegen laut eigenen Angaben entsprechende Vereinbarungen für rund 75 Prozent der IG Metall-Mitglieder in den verbandsgebundenen Unternehmen in Berlin-Brandenburg-Sachsen vor.
 
Doch kritische Stimmen bleiben laut: Wir sprechen mit Birgit Dietze, der Bezirksleiterin des IG Metall Bezirks Berlin-Brandenburg-Sachsens über einen Arbeitskampf, der schon über 20 Jahre andauert und darüber, wie die Erfolge jetzt einzuschätzen sind.

Kundgebung der IG Metall in Warnemünde © imago images/BildFunkMV
imago images/BildFunkMV
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13:20

We’re on Strike – der radioeins Radioday zum Thema Protest

Jugendprotest - Bewegen nur junge Menschen etwas?

Ist Protest eine Frage des Alters? Viele Protestbewegungen scheinen vor allem von jungen Menschen getragen zu werden. Prominente Beispiele finden sich in Vergangenheit und Gegenwart: von der Studentenbewegung der 1960er Jahren bis zu "Fridays for future" heute.

Kinder und Jugendliche nehmen am 25.03.2022 an einer Fridays for future-Demonstration in Berlin teil © imago images/Ipon
imago images/Ipon

Und zugegeben: Anlässe für jugendlichen Protest gibt es zur Genüge. Es ist dabei sehr wichtig, dass Jugendliche sich für die Durchsetzung ihrer Rechte engagieren, meint die Erziehungswissenschaftlerin Anna Schweda. Sie leitet die Arbeitsstelle Kinder- und Jugendpolitik am Deutschen Jugendinstitut und klärt mit uns, was junge Menschen auf die Straße bringt und was sie damit bewegen wollen.

Kinder und Jugendliche nehmen am 25.03.2022 an einer Fridays for future-Demonstration in Berlin teil © imago images/Ipon
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13:10

We’re on Strike – der radioeins Radioday zum Thema Protest

Die Hippie-Bewegung in der ehemaligen Sowjetunion

"Make love, not War" ist ein Motto, mit dem die US-amerikanische Hippie-Bewegung seit den 1960er Jahren in die Geschichte eingegangen ist und das heute nicht aktueller sein könnte.

Ein gehäkeltes Peace-Symbol hängt an einem Stand © dpa/Zoonar
dpa/Zoonar

Die Bewegung versuchte, unter anderem eine gemeinschaftliche Gegengesellschaft aufzubauen, die sich einem freien und friedlichen Planeten verschrieb. Dieser Gedanke schwappte aus den USA in die ganze Welt, so auch in die damalige Sowjetunion.
 
Die Historikerin Dr. Juliane Fürst leitet am Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam die Abteilung "Kommunismus und Gesellschaft" und hat jahrelang zur Hippie-Bewegung in der Sowjetunion geforscht. Am Beispiel der globalen Hippie-Bewegung sprechen wir mit ihr über alternative Lebensmodelle als Protestform gegen den Krieg.

Radioday am 1. Mai 2022

We're on Strike

Von 9 bis 21 Uhr

Radioday am 1. Mai: We're on Strike © imago images/Pacific Press Agency/Müller-Stauffenberg
imago images/Pacific Press Agency/Müller-Stauffenberg

Der erste Mai war als Tag der perfekte Zeitpunkt, um über ein Thema zu sprechen, was uns gerade in Berlin bestens bekannt ist: Protest. Die Hauptstadt ist der Mittelpunkt der Republik, wenn ... [mehr]