So01.05.
2022
09:00 - 13:00

Radioday zum Thema "Protest"

We're on Strike

mit Stephan Karkowsky

Der 1. Mai ist als Tag der perfekte Zeitpunkt, um über ein Thema zu sprechen, was uns gerade in Berlin bestens bekannt ist: Protest.

Radioday am 1. Mai: We're on Strike © imago images/Pacific Press Agency/Müller-Stauffenberg

Die Hauptstadt ist der Mittelpunkt der Republik, wenn politische Bewegungen zeigen wollen: Wir sind hier, wir sind laut und wir wollen Veränderungen. Egal ob Klimaaktivist*innen, Gewerkschaften oder zuletzt die große Friedensdemonstration anlässlich des Ukraine-Kriegs. Am Sonntag, den 1. Mai 2022, gehen wir beim Radioday "We're on Strike" mit Aktivist*innen und Wissenschaftler*innen dem Phänomen Protest auf den Grund.

Anlässlich des Tags der Arbeiter*innenbewegung wollen wir uns verschiedene Protestbewegungen angucken und uns fragen: Wie hat Protest unsere Welt verändert? Warum protestieren Menschen? Was haben Kunst und Musik mit Protest zutun und welche Themen prägen Protestbewegungen bis heute?

12:40

We’re on Strike – der radioeins Radioday zum Thema Protest

"Nicht ohne uns 14 Prozent": Protest für ein Wahlrecht für alle

Im Vergleich zu anderen Formen politischer Partizipation sind Wahlen in einer Demokratie nicht nur die konventionellste, sondern auch die egalitärste Art der politischen Beteiligung - das mag man zumindest annehmen. Mit einer abgegeben Stimme lässt sich nicht nur Zustimmung, sondern auch Unmut oder "Protest" ausdrücken.

In einem Wahllokal wird am 26.09.2021 die Wahlurne ausgeleert und die Stimmen ausgezählt © imago images/Rüdiger Wölk
imago images/Rüdiger Wölk

Wenn das Recht zu wählen fehlt, fehlt somit auch das einfachste Mittel der politischen Partizipation. So geht es in Berlin ganzen 25 Prozent und Deutschlandweit etwa 14 Prozent der Bevölkerung. Die Initiative "Nicht ohne uns 14 Prozent" setzt sich für ein Wahlrecht für alle ein, also auch für Menschen ohne deutsche Staatsbürgerschaft.
 
Sanaz Azimipour ist Aktivistin, Autorin und Gründerin sowie Vorsitzende von Migloom e.V., einem Verein, der sich dafür stark macht, Raum für die Stimmen von MigrantInnen in Politik, Medien und der Zivilgesellschaft zu schaffen. Sie ist Mit-Initiatorin von "Nicht ohne uns 14 Prozent" und Sprecherin der Initiative "Demokratie für alle". Der Protest für ein sog. Ausländerwahlrecht läuft seit mittlerweile 50 Jahren, jetzt könnte sich zumindest in Berlin etwas verändern, sagt Azimipour.

In einem Wahllokal wird am 26.09.2021 die Wahlurne ausgeleert und die Stimmen ausgezählt © imago images/Rüdiger Wölk
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12:20

We’re on Strike – der radioeins Radioday zum Thema Protest

Audre Lorde

im Portrait

Die karibisch-amerikanische Schriftstellerin und Dichterin Audre Lorde entdeckte die Poesie als Ausdrucksmittel schon in jungen Jahren für sich. In der Sprache fand sie das für sich passende Werkzeug, um gegen Rassismus und Sexismus zu kämpfen. Mit ihren Essays und Gedichten gelingt es ihr Brücken zus schlagen.

Katharina Oguntoye (li.) porträtiert Audre Lorde © www.katharina-oguntoye.de
www.katharina-oguntoye.de

Auch nach Deutschland bringt die gebürtige New Yorkerin entscheidende Impulse und unterstützt schwarze Menschen dabei sich zu vernetzen und zu organisieren. Eine ihrer Wegbegleiterinnen Katharina Oguntoye, die besonders von Audre Lorde inspiriert wurde, hat uns von dieser Audre Lordes Berliner Zeiten und ihrem Einfluss auf die afro-deutsche und Frauenbewegung erzählt.

Katharina Oguntoye (li.) porträtiert Audre Lorde © www.katharina-oguntoye.de
www.katharina-oguntoye.de
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12:10

We’re on Strike – der radioeins Radioday zum Thema Protest

Social Media und Protest: Mangelndes Verantwortungsgefühl oder neue Horizonte?

Protest wird auch auf Social Media geführt. Black Lives Matter, Fridays for Future - all diese jungen Bewegungen nutzen soziale Medien, um sich zu vernetzen und zu mobilisieren. Auch für Protestbewegungen wie Occupy Wallstreet oder auch den Arabischen Frühling war Social Media ein wichtiger Mobilisator.

Menschen nutzen digitale Geräte zur Kommunikation in der Stadt © imago images/Ikon Images
imago images/Ikon Images

Prof. Dr. Marianne Kneuer ist Professorin für Politische Systeme und Systemvergleich an der Technischen Universität Dresden. Sie hat an der Universität Hildesheim das Zentrum für digitalen Wandel mit aufgebaut und forscht seit vielen Jahren an der Rolle von Sozialen Medien für Protestbewegungen. Kneuer schreibt Sozialen Medien vor allem in der Emotionalisierung und der Mobilisierung eine wichtige Rolle zu, sagt aber: Erfolgreiche Protestbewegungen können nicht nur online stattfinden, das hätte man gerade während der Corona-Pandemie gesehen.
 
Online Protestaufrufe von etablierten Bewegungen seien da nicht besonders erfolgreich gewesen. Soziale Medien brächten vor allem nicht die nötige und nachhaltige Identifikation und das Verantwortungsgefühl. Marianne Kneuer sagt "alle Protestbewegungen brauchen die Straße!"

Menschen nutzen digitale Geräte zur Kommunikation in der Stadt © imago images/Ikon Images
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11:20

We’re on Strike – der radioeins Radioday zum Thema Protest

Protest der Arbeitnehmenden: die Berliner Krankenhausbewegung

Schon vor der Corona-Pandemie war die Arbeitsbelastung für MitarbeiterInnen im Gesundheitswesen enorm. In der Pandemie wurde sie vielen erst wirklich vor Augen geführt, es wurde geklatscht und Anerkennung gezeigt, aber als das Klatschen verhallte blieb die Belastung.

Eine Krankenpflegerin in einem Krankenhaus © imago images/Westend61
imago images/Westend61

Beschäftigte von Charité, Vivantes und Tochterunternehmen haben sich im Sommer des vergangenen Jahres in der “Berliner Krankenhausbewegung” zusammengeschlossen und mit einem mehr als 30 Tage langem Streik einen bis heute einzigartigen Tarifabschluss erzielt. Der Tarifvertrag sieht verbindliche Vorgaben zur Personalbesetzung und einem Belastungsausgleich bei Unterbesetzung vor.
 
David Wetzel ist Gesundheits- und Krankenpfleger auf einer onkologischen Station an der Charité und war von Anfang an aktiv in der Bewegung. Er erzählt, dass die Streikenden vor allem Methoden des sog. Organizing nutzten, um möglichst viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Krankenhäuser in der Bewegung zu vereinen. Zwar wurde die Auseinandersetzung von der Gewerkschaft ver.di begleitet, Grundvoraussetzung des Organizings ist aber, dass die Beschäftigten sich und ihre Interessen vor Arbeitgebern und Politik selbst vertreten.

Eine Krankenpflegerin in einem Krankenhaus © imago images/Westend61
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11:10

We’re on Strike – der radioeins Radioday zum Thema Protest

Die Geschichte der Impfgegner*innen

Bei den Protesten gegen die Corona-Maßnahmen sind die Impfgegner*innen von Anfang an prominent dabei. Doch Impfskeptiker*innen gibt erst nicht erst seit der Corona-Pandemie - bereits im Kaiserreich zur Einführung der Impfpflicht 1874 gegen die Pocken, gab es eine Protestbewegung gegen das Impfen. Auch damals spielen antisemitische Verschwörungstheorien eine wichtige Rolle.

Autokorso von Impfgegner*innen in Berlin im Januar 2022
IMAGO / Jochen Eckel

Prof. Dr. Malte Thießen ist Medizinhistoriker und hat sich intensiv mit der Geschichte der Impfgegner beschäftigt. Er sieht auch an anderen Stellen Parallelen zwischen den historischen und aktuellen Protesten: So in der Struktur der Bewegung, dem Aufbau eigener Echokammern und der Popularität von Esoterik.

Autokorso von Impfgegner*innen in Berlin im Januar 2022
IMAGO / Jochen Eckel
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10:40

We’re on Strike – der radioeins Radioday zum Thema Protest

Indigener Protest in Brasilien

Seit Jahren führen die indigenen Völker Brasiliens den Protest gegen die Politik des brasilianischen Präsidenten Jair Bolsonaro an. Dafür vereinen sich in Straßenprotesten, Protestcamps und Gesprächen mit Politiker*innen alljährlich mehr als 250 Ethnien aus dem ganzen Land. Sie kommen aus dem Amazonas-Gebiet, von der Küste, aus dem Zentrum des Landes oder seinen Städten.

Indigene Völker verschiedener Ethnien protestieren im Juni 2021 in Brasilia gegen einen Gesetzentwurf, der die Regeln für die Abgrenzung von indigenem Land ändert
IMAGO / TheNews2

Was dieser Protest mit Biodiversität, dem Schutz von Ökosystemen und der globalen Klimabewegung zu tun hat, erklärt die ARD-Korrespondentin Anne Herrberg aus Rio de Janeiro.

Indigene Völker verschiedener Ethnien protestieren im Juni 2021 in Brasilia gegen einen Gesetzentwurf, der die Regeln für die Abgrenzung von indigenem Land ändert
IMAGO / TheNews2
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10:20

We’re on Strike – der radioeins Radioday zum Thema Protest

Jochen Stay

im Portrait

Wenn alles glatt läuft, gehen Ende des Jahres die letzten drei Atomkraftwerke Isar 2, Emsland und Neckarwestheim 2 in Deutschland vom Netz. Auch wenn Atomkraftwerke in anderen Ländern, Atommüll und -waffen weiterhin eine Bedrohung bleiben, kann die deutsche Anti-Atom-Bewegung damit einen großen Erfolg feiern.

Armin Simon porträtiert Jochen Stay © imago images/Hartenfelser
imago images/Hartenfelser

Der Weg dahin war lang und steinig, aber einer der nie die Hoffnung aufgegeben hat, war der Anti-Atom-Aktivist Jochen Stay. Von ihm erzählt uns sein Mitstreiter Armin Simon.

Armin Simon porträtiert Jochen Stay © imago images/Hartenfelser
imago images/Hartenfelser
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10:10

We’re on Strike – der radioeins Radioday zum Thema Protest

Proteste auf dem Meer

"Ausschließlich Wirtschaftszone" heißt das Gebiet bis zu 200 Seemeilen von der Küste entfernt, wo die jeweiligen Landesregierungen noch über Schutz und Ausbeutung des Meeres entscheiden können. Danach beginnt die sogenannte Hohe See und damit auch der "Wilde Westen". So zumindest bezeichnet die Greenpeace-Aktivistin und Tiefseebiologin Sandra Schöttner die Hohe See, die knapp 60 Prozent unserer Meere weltweit ausmacht

Das Greenpeace-Schiff Rainbow Warrior III
IMAGO / Pixsell

Hier hat niemand die alleinige Entscheidungsgewalt über Meeresschutz, -nutzung oder -verwaltung – ein Problem, auf das Greenpeace seit Jahrzehnten aufmerksam macht. Die Umweltaktivisten und -aktivistinnen sind dort unterwegs, wo andere nicht hinkommen. Ob auf oder unter dem Meer, Greenpeace protestiert zum Schutz des lebenswichtigen, blauen und nassen Ökosystems. Wie der Protest auf dem Meer funktioniert, welche Herausforderungen er mit sich bringt und warum er wichtig ist, bespricht Sandra Schöttner mit uns. Sie ist heute auf dem Flagschiff von Greenpeace: der Rainbow Warrior III.

Das Greenpeace-Schiff Rainbow Warrior III
IMAGO / Pixsell
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09:45

We’re on Strike – der radioeins Radioday zum Thema Protest

Die Rolle von Wissenschaft in Protestbewegungen

Seit er 2018 zum ersten Mal von der schwedischen Schülerin Greta Thunberg verwendet wurde, verbreitete sich der #fridaysforfuture rasend schnell auf der ganzen Welt. Der ursprünglich von Schülern und Schülerinnen getragenen Protestbewegung für umfassende Klimaschutzmaßnahmen schlossen sich ebenso so schnell Parents, Students und Entrepreneurs for Future an, aber eben auch Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen als Scientists for Future.

Weltweiter Fridays for future-Demonstration am 25.03.2022 in Turin © imago images/NurPhoto
imago images/NurPhoto

Der Botaniker und akademische Direktor am Museum für Naturkunde in Berlin Dr. Gregor Hagedorn ist einer der Mitbegründer der deutschen Scientists-for-Future-Bewegung und spricht mit uns über die Bedeutung von Wissen in unserer Gesellschaft, aber auch die Rolle von Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen im Zusammenhang mit Protest.

Weltweiter Fridays for future-Demonstration am 25.03.2022 in Turin © imago images/NurPhoto
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09:35

We’re on Strike – der radioeins Radioday zum Thema Protest

Volksentscheid als Mittel des Protests: "Deutsche Wohnen und Co. enteignen"

Die lila und gelben Kampagnenplakate von “Deutsche Wohnen und Co. enteignen” und die dazugehörige Forderung nach Enteignung großer Wohnungsunternehmen haben es geschafft die Aufmerksamkeit und die Unterstützung der Berliner*innen auf sich zu ziehen. Über 59,1 Prozent der Berliner*innen stimmten im September 2021 für die Enteignung großer privater Wohnungsunternehmen.

Demonstrierende der Initiative „Deutsche Wohnen und Co. enteignen“ im September 2021
IMAGO / IPON

Thomas Korn ist seit Anfang 2021 Teil der Initiative und erzählt uns davon, wie sich die Aufgaben der Bewegung mit dem gewonnenen Volksentscheid veränderten.

09:20

We’re on Strike – der radioeins Radioday zum Thema Protest

Rio Reiser

im Portrait

Ton Steine Scherben sind die Band, die die Berliner Jugend- und Hausbesetzerbewegung wohl am nachhaltigsten geprägt hat. Gegründet in den Zeiten der Studentenprotesten und kurz vor der ersten Hausbesetzung deutschlands in Frankfurt 1970, machten die Musiker die politische Rockmusik in deutscher Sprache populär. Rio Reiser, der Sänger der Scherben, schrieb Lieder die politische und gesellschaftliche Missstände kritisierten.

Nikel Pallat porträtiert Rio Reiser (re.) © imago images/teutopress
imago images/teutopress

Die Band gab den Problemen ihrer Generation eine Stimme. Auch für die vielleicht prominenteste Hausbesetzung Deutschlands 1971 in Berlin-Kreuzberg und die daraus entstehende Bewegung lieferten “die Scherben” den passenden Soundtrack - vor allem mit ihrem „Rauch-Haus-Song“. Von der Besetzung des Bethaniens in Berlin-Kreuzberg und dem Sänger und Menschen Rio Reiser erzählt sein Bandkollege Nikel Pallat.

Nikel Pallat porträtiert Rio Reiser (re.) © imago images/teutopress
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09:10

We’re on Strike – der radioeins Radioday zum Thema Protest

Die Hausbesetzungen in der Mainzer Straße: Eine Berliner Protestgeschichte

In Berlin begann die Zeit der Hausbesetzungen 1971 im Stadtteil Kreuzberg und erreichte ihre Hochphase 1981, als im Westen der Stadt insgesamt mehr als 160 Häuser besetzt werden. Die Besetzung der Mainzer Straße 1990 ist der Beginn einer Gesamtberliner Bewegung, erstmalig besetzen Ost- und Westbesetzer gemeinsam eine ganze Häuserreihe.

Besetztes Haus in der Mainzer Straße in Berlin-Friedrichshain 1990
imago images / Werner Schulze

Laut Historiker Dr. Hanno Hochmuth vom Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam ist die Besetzung in der Mainzer Straße auch das letzte Aufbäumen der Bewegung. Das Besondere: 10 Häuser werden zusammenhängend besetzt und diverse Gruppen an Aktivisten teilen sich die Häuser untereinander auf. Die einzigartige Besetzung begann an einem 1. Mai, also heute vor genau 32 Jahren.
 
Wir sprechen mit Dr. Hanno Hochmuth vom Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam.

Besetztes Haus in der Mainzer Straße in Berlin-Friedrichshain 1990
imago images / Werner Schulze
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Radioday am 1. Mai 2022

We're on Strike

Von 9 bis 21 Uhr

Radioday am 1. Mai: We're on Strike © imago images/Pacific Press Agency/Müller-Stauffenberg
imago images/Pacific Press Agency/Müller-Stauffenberg

Der erste Mai war als Tag der perfekte Zeitpunkt, um über ein Thema zu sprechen, was uns gerade in Berlin bestens bekannt ist: Protest. Die Hauptstadt ist der Mittelpunkt der Republik, wenn ... [mehr]